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die Milde, d. h. die Freigebigkeit, verbunden mit einen: ritterlichprächtigen, kostbaren äußeren Auftreten. Der reiche Ulrich besaßallerdings diese Tugend und hatte ans Turnieren, auf seinentheuren Fahrten als Venus und Artus viel Geld und Gut aus-gegeben und im Gegensatz dazu mochte er allerdings Heinricheinen „argen Mann" nennen, weil er „das Gut spare." Heinrichwar aber wahrscheinlich nicht der älteste Sohn und hatte dasväterliche Erbtheil mit zwei Brüdern theilen müssen. Reich warer also nicht. Seine Sparsamkeit und seine Erwerbungen legtenzudem den Grund zum Vermögen seines Hauses.
Bei der Stellung, die Heinrich von Liechtenstein schon unterdem Herzog Friedrich eingenommen hatte, bei dem Ansehen, wel-ches er sich durch seine üphaten errungen, mußte ihm in dem aufden Tod des Herzogs folgenden Ereignissen eine bedeutende Rollevorbehalten sein. Herzog Friedrich war in der Fülle seiner Kraftgestorben, ohne Nachkommen, ohne eine Verfügung über seineNachfolge zu treffen. Wem eigentlich von den Bewerbern umdie herrenlosen Lande das positive Recht zustand, das ist heutenicht einmal mit allen Mitteln der Wissenschaft auszumachen,weil das Rechtsverhältniß selber damals schwankend und unklarwar >), und nur so weniger ist es daher zu verwundern, wenndie bedeutenden Männer des Landes in dem Erbfolgestreit, beiden Leidenschaften, welche der Parteienkrieg anfachte, selber schwank-ten und sich am Ende mehr von dein wirklichen Wohle des Va-terlandes als von dem zweifelhaften und bestrittenen Rechte leitenließen. Das scheint die Sache mit Heinrich von Liechtensteingewesen zu sein, doch müssen wir vorausschicken, daß die That-sachen, soweit sie ihn betreffen, nicht mit Sicherheit richtig zustellen sind.
Als Bewerber um die erledigten Lande trat zunächstHerzog Friedrichs Schwester Margaretha ans, die mit Friedrich II.Sohn, dem König Heinrich, vermählt gewesen war und von ihm
>) Lorenz, deutsche Geschichte im 13. und 11. Jahrh. I. 59.