Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
76
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Speer ging seinem Pferd in den Hals, so daß Ulrich absteigenmnßtc.

Mittlerweile war es Abend geworden und Ulrich gingunerkannt in seine Herberge zurück, obwohl die Ritter ihmfolgten und sich alle Mühe gaben zu erfahren, wer er sei.Noch schlief er am nächsten Morgen, als schon 200 Frauenbor seiner Herberge erschienen, um ihn zur Messe zu begleiten;da kleidete er sich auf das schönste nach Francnart, legte einenweißen Sammtmantel mit goldgcwirktcn Thicrfiguren darüber,setzte eine Haube auf und band die langen, perlumwnndencnZöpfe darein und verhüllte das Gesicht mit der Nisen, einemschlcierartigcn Kopftuch. Als er erschien, empfing ihn manchrothcr Mund mit dem Gruß: „Gottwillkommen, KöniginVenus." Vor allen diesen Frauen erhub nun der Graf vonGörz einen Bnhnrt mit wohl 5UO Rittern, aber Ulrich batihn das Stechen einstweilen zu lassen, da sie zur Kirche gehenwollten. So geschah eö, und die Damen gingen nun sämmtlichzur Kirche, indem eine Gräfin die Königin bei dem Mantelführte. In der Kirche hatte währenddeß Ulrichs Kämmerer fürihn einen schönen Teppich ausgebreitet und ein reiches Polsterauf einen Faltstnhl gelegt. Das große Gedränge der Frauenum ihn ließ ihn kaum zum Opfer gelangen und er benahmsich einigermaßen blöde dabei, sodaß nicht wenig gelacht wurde,ja er mußte sogar den Schleier vor einer hochgebornen Dameabnehmen, die ihm bei dem Pace den verschleierten Mundnicht küssen wollte. Da erkannte sie freilich in der Königin denMann, erfüllte aber mit Lachen seinen Wunsch. So ging manvon allen Seiten mit gutem Humor auf Ulrichs Unterneh-men ein.

Als die Messe beendet war, begleiteten die Damen ihnwieder zur Herberge, wo er sich von ihnen empfahl. Die Ritterbaten den Podesta, weiter mit der Königin stechen zu dürfen,er aber erlaubte es nur auf einem von der Stadt entferntergelegenen Platz. Dahin zog nun alles hinaus. Ulrich verstach