Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
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Frau als Preis für die Ritter. Aber es entstand Neid undZank darüber, wodurch das Turnier endlich ganz zerfiel^).

Darauf zog Ulrich wieder in das Land seiner Geliebtenzurück, hoffend, daß er einen Boten an sie finde, und rechnendauf die Güte, die sie ihm zuletzt erwiesen hatte. Aber er ver-rechnete sich, als er mehr verlangte. Einen Boten fand erallerdings in einem Freunde, einem ritterlichen Knappen, derdurch seine Niftcl von dem Kummer seines Herzens gehörthatte, und zu Ulrichs großem Schmerz, der sein Gchcimnißdurch eigene Schuld verrathen glaubte, auch den Namen derhohen Dame wußte. Diese aber wies den Boten mit entschie-denen Worten ab, obwohl er sie bei ihrer Jugend und Hcr-zensgüte beschwor, Ulrich gnädig zu sein. Nichtsdestowenigerverzagte Ulrich nicht und gelobte ihr seinen Dienst bis an desLebens Ende.

Als der Sommer vorüber war, zog Ulrich nach Romund nahm den Knappen mit sich. Dort blieb er sechzig Tageund kehrte im Frühling nach Ostern (1227) wieder in dieHcimath zurück. Wie er im Liebesdienst nicht ermattete, sowurde er auch nicht müde in der Dichtung. Er dichtete Liederans der Fahrt nach Rom und im Sommer, als er zurückge-kommen war, und schickte sie wieder durch den Knappen zurHerrin. Diese wies ihn noch mit härteren Worten wieder abund strafte ihn Lügen, als er versicherte, daß Ulrich einenFinger in ihrem Dienst verloren habe. Als der letztere dashörte, ließ er sich den verkrümmten Finger, den er ohnedieswenig brauchen konnte, abhauen und sandte ihn der Damezugleich mit einem nen gedichteten Liederbüchlein, das er ingrasgrünen Sammt binden ließ. Auch ließ ex vom Goldschmiedzwei goldene Deckel machen, woran die Sperre ans zwei klei-nen Händen bestand, und gab auch den Finger da hinein ^).

>) Frauendienst 116.2) Fraucndienst 140.