Dcn Finger sende er ihr, sagte er in dem Büchlein, als einPfand seines anfrichtigen Gemüths, weil er ihn in ihrem Dienstverloren; er würde ihr aber ebenso gern sein Gut und seinLeben opfern und für alle Zeit ihr getreuer Dienstmann blei-ben. Die Herrin zürnte nicht mehr und beklagte seinen thö-richten Einsall sich seines Fingers zu berauben; sie wolle ihnannehmen und taglich betrachten; doch würde es ihm zu Weite-rem nicht helfen und wenn er ihr auch tausend Jahre diente.
Dennoch beglückte Ulrich diese Antwort und er beschloßin seiner Freude, zu ihrer Ehre ein Abenteuer zu unternehmen.Als er durch dcn Boten ihre Einwilligung dazu erhalten hatte,machte er sich noch in demselben Winter (1227—1228) daran,nahm Tasche und Stab und verließ Lichtenstcin an der Mnr,vorgebend, daß er als Pilger nach Rom fahren wolle ^).
So verließ er das Land und kam nach Venedig. Hierverschwand er den Blicken aller Bekannten, indem er als FrauVenns wieder erscheinen und in dieser Gestalt durch die Landefahren wollte. Heimlich begab er sich in eine entlegene Herbergeund ließ sich prachtvolle Franenklcidcr machen, zwölf Röckeund dazu noch dreißig Acrmel, die an feine Hemden zu legenwaren, und drei Oberkleider von weißem Sammt, auch zweischöne mit Perlen umwundene Zöpfe. Er ließ sich ferner silber-weiße Sattel machen, mit langen und weiten Tuchdecken dazu,und ebenso für seine Knappen Gewänder von weißem Tuch.Weiß wie Schnee war auch alles klebrige, was er und seineKnappen führten, Helm, Schild und die Wappenkleider fürMann und Roß. Die Pferde ließ er sich heimlich bringen, undalle Knappen waren aus fremden Landen.
Als alles fertig war, sandte er, dreißig Tage bevor eraufbrechen wollte, einen Boten mit einem Brief in alle Ländervoraus, welche er durchziehen wollte. Durch diesen Brief ver-kündete allen Rittern in der Lombardei, in Friaul, Kärnthen,