Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
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ihm der Speer des Gegners einen Finger zerbrach und er denKampf aufgeben mußte. Alle Ritter beklagten ihn, er aberfrcntc sich, daß er wenigstens im Dienst der Liebe die Wundedavongetragen habe. Der Finger hing kaum noch an der Hand,und zu allem Unglück verband ihm ein Wundarzt denselbennoch so schlecht, daß er nach wenigen Tagen, als der Verbandabgenommen wnrde, schwarz war. Da entließ er den Arzt undritt zu einem anderen nach Bötzen, der ihm angerühmt wurde.Unterwegs fand er noch Stimmung und Lust zu einem neuenGedicht.

Es scheint, als ob sein Leid einigen Eindruck auf seinekalte Herrin gemacht habe. Wie er aufs Neue verbunden war,kam von ihr ein Bote, der den Auftrag hatte, ihm ihr Beileidfür sein Unglück im Dienst der Frauen zu überbringen. Sicsandte ihm zugleich durch denselben vier Büchlein, die wohlritterliche, poetische Erzählungen enthalten haben mögen, umsich mit ihnen die Langeweile zu vertreiben. Am nächsten Tagekam der Bote noch einmal und brachte ihm von der Herrineine fremde, in Deutschland noch unbekannte Weise, welche sieihn deusch zu singen bat. Er machte in derselben ein deutschesLied von dem Werthe schöner Frauen, die frohen Muth ge-währen und alles Herzeleid zum Weichen bringen, wie Wasserdas Feuer löschet und wie die Sonne die Finsterniß vertreibt.Dafür sandte ihm die Herrin ein schönes Hündlein zum Lohne.

Aus diesem Verkehr scheint hervorzugehen, daß die er-wählte Dame seines Ritterdienstes in der Nähe von Bötzengelebt haben muß; die Weise, welche sie ihm sandte, dürfteeine italienische gewesen sein.

Ein neues Turnier, das nach Friesach ausgeschriebenwar, trieb Ulrich wieder von Bötzen fort. Es ließ ihm keineRuhe dort und er nahm den Arzt mit sich. In Friesach trauerteer, daß er zuschauen solle, und um wenigstens nicht thcil-namslos zu sein, so nahm er sein Hündlein, einen Gürtel,einen Ring und eine Spange und stellte das im Namen einer