Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
61
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Dieser schwärmerische, Poetische Geist des RittcrthumS,der zuerst in Frankreich entstand, sodann auch besonders dassüdliche Deutschland erfüllte, wurde mit lebhaftester Zustim-mung in den österreichischen Landen und am Hof der Babcn-bcrgcr aufgenommen, zumal nachdem der einst von Sängernund fahrenden abenteuernden Rittern so vielbesuchte Hof derLandgrafen von Thüringen zu Eiscnach und auf der Wartburgverödet war.

Beide Höfe, der thüringische, wie der österreichische, sindauch als Dichtcrhöfe in die poetische Sage übergegangen underscheinen wetteifernd imSängerkrieg der Wartburg". Wasdort Landgraf Hermann, ist hier Herzog Leopold vi. (1198bis 1230), genannt der Glorreiche. Bei ihm waren die hei-mischen und die wandernden Dichter alle willkommen, wurdengastlich aufgenommen, sangen und spielten und verherrlichtenseine Feste. Seinem Beispiele folgte sein junger Nachfolger,Friedrich der Streitbare (12301246), der in jugendlich rit-terlichem Eifer zu allen Abenteuern aufgelegt war und mitden Sängern und Rittern auf alle ritterlichen Spiele undScherze einging.

Wie die Herzoge, so war auch die ganze österreichischeund steirische Ritterschaft von dem gleichen Geiste beseelt. Eswaren nicht bloß die fremden Sänger, wie Walthcr von derVogclwcidc, die, gastlich aufgenommen, durch diese Länder hin-durchzogen, sondern sie selbst haben aus ihrer Mitte zu demzahllosen deutschen Dichtcrwald jener Zeit ein nach Anzahlwie innerem Werth höchst bedeutendes Contingcnt hinzugcstcllt.Ihrer Mitte gehört der Nürnberger an, einer der ältesten derDichter, Herrand von Wildon, der Tannhäuser, NcithardFuchs, wahrscheinlich Heinrich von Oferdingen und selbst derDichter des Nibelungenliedes und unser Ulrich von Liechten-stein. Der österreichische und steirische Adel war aller fröh-lichen Nittcrlnst zugethan und strömte zu Festen und Turnicr-spiclcn von allen Seiten herbei und ans Kriegen und Schlachten