die sie gesehen und erlebt zu haben glaubten, und wußten mitihrer Erzählung die gleiche Erregung der Phantasie in denHcinigcblicbcncn zu entzünden. Von Westen her waren dagegendie brctonischcn Sagen, die Abenteuer von König Artus undseiner Tafelrunde, die Kampfe mit Zauberern, Niesen und Un-geheuern, die kühnen Hcldcnthatcn um gefangene und belei-digte Prinzessinnen, die von religiöser Schwärmerei getränktenFahrten nach dem heiligen Grab, sie waren ostwärts vor-gedrungen und hatten im Verein mit den heimischen Helden-sagen eine blühende, epische Poesie hervorgerufen, welche sichauf allen Ritterburgen eingebürgert hatte und in der Zeit desFriedens und in der Einsamkeit des traurigen und verhaßtenWinters die Langeweile tödtcn mußte. Mit ihnen schlich sichUcberspannthcit in die Phantasie und Abenteuerlust in die Herzenein. Dem jungen angehenden Ritter schwebten die Helden vonArtus' Tafelrunde, die Iwan, Gawan und Lanzelot, dieParzival und WigaloiS als nachahmenswürdige Beispiele desHcldcnthums vor den entzückten Sinnen.
Vor allem war es aber die Stellung und Bedeutungder Frau, welche auf das jugendliche Gemüth in phantastisch-romantischer Richtung einwirkte. Alle Welt, vom Kaiser an-gefangen, sang von der Liebe schöner Frauen; die Minnelicdergingen durch Aller Mund und priesen den Dienst der Frauenals das höchste Glück des Ritters auf Erden. Er wäre keinrechter Ritter, hieß es, und könne nimmer Ehre erwerben, wenner nicht sein Leben den Frauen widme, für sie die Lanze imTurnier, das Schwert in der Schlacht führe. Der Codex derMinne verlangte diese Dienste in vollster Hingebung, nichtum des Lohnes willen, darauf der Ritter völlig und vonHerzen Verzicht leisten müsse. Die epischen Erzählungen hattenBeispiele genug von solchen entsagenden Rittern aufgestellt,an deren Wahrheit man wenig zweifelte, und daß es Ritterund Dichter gab, die das Beispiel befolgten, das lehrt dieGeschichte der provenxalischen Troubadours.