Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
59
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Auch dic Quellen, die uns zu Gebote stehen, sind ganzdieser Scheidung gemäß. Während uns für dic zweite Periodedic Nachrichten der Urkunden und Chroniken reichlich fließen,finden sich für die erste nur zerstreute und vereinzelte Angabendieser Art, und wir sind dafür fast allein ans Ulrichs eigeneErzählung beschränkt.

Diese Erzählung seines Lebens, wie er sie uns in seinemersten und größeren Gedichte, dem Frauendienst ^), gicbt, istaber in mancher Beziehung ebenso ausführlich, als sie durch-aus zuverlässig ist. Nicht bloß trägt sie vollkommen denCharakter einfacher, ungeschminkter, naiver Wahrheit, sondernes stimmen auch alle erwähnten Personen und Begebenheitenmit der Geschichte überein. Uebcr manche Punkte läßt sie unsfreilich auch absichtlich im Dunkeln.

Ulrich war ohne Zweifel der ältere der beiden Brüder,da er alle Stammsitze hatte und sein, ohnehin wie es scheint,ärmerer Bruder Dietmar einen anderen Namen annahm undsich von Offenberg nannte.

Ulrichs Geburt fällt etwa um das Jahr 12CO. SeineJugend und erste Erziehung gehört also der eigentlichen Blüthe-zcit des idealen und schwärmerisch gehobenen Rittcrthums an.Dies müssen wir uns gegenwärtig halten, um seine eigenenThaten, die ganz im Geiste der Zeit geschaffen, sind, begreiflichzu finden.

Damals war dic Welt noch erfüllt von dem Drangenach dem Morgcnlande, zum Kampfe für das heilige Grab,den ebensowohl religiöse Schwärmerei wie Abenteuerlust erregteund wach hielt. Die Ritter, welche aus dem gelobten Landezurückkamen, hatten die Köpfe voll von der Pracht und denSeltsamkeiten des Orients, von den Wundern und Wnnderthatcn,

si Vronnwn ciienesk, herausgegeben in Ulrich von Liechten-stein. Mit Anmerkungen von Theodor von Karajan, herausgegeben vonKarl Lachmann. Berlin 1841. Aeltcre hochdeutsche Bearbeitung von LudwigTicck, Stuttgart n. Tübingen, 1812.