Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
58
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und Poet, Turnierritter und ein Diener der Frauen, soübcrschwänglich, hingebend und aufopfernd, wie ihn der strengsteCodex der Minne nur ersinnen konnte; dabei aber erscheint ersodann als Staatsmann und Patriot, als Krieger und Thcil-nchmer an allen Landeöangelegenheiten.

Das sind zwei Seiten des Nittcrthnms, die schwer miteinander vereinbar scheinen und die sich dennoch im zwölftenund dreizehnten Jahrhundert öfter zusammen finden, wenn sieauch nicht grade immer so ausgebildete, ins Extrem gehendeGestalt angenommen haben, wie es bei Ulrich der Fall ist.Es mildert sich aber das Auffällige, wenn wir bedenken, daßdiese zwei Seiten seiner Thätigkeit eigentlich nicht nebeneinan-der liegen, sondern einander folgen. Das phantastische Ritter-thum bildet die erste Hälfte seines Lebens, das praktische diezweite, und nur der Dichter liegt allenfalls dazwischen. Mitder poetischen Erzählung seiner jugendlichen Abenteuer undritterlichen Liebes- und Tnrnicrfahrtcn und der Sammlungseiner während derselben verfaßten Minnelicder darin schließter diese erste Hälfte seines Lebens ab, um sodann, nachdemer kurz darauf nur noch ein, man möchte sagen social-politi-sches, den wirklichen Zuständen gewidmetes Gedicht hat folgenlassen, ganz der politischen Thätigkeit anzugehören.

Dieser Scheidung entsprechen auch die Zeitumstände. Dieerste Hälfte seines Lebens fällt in die vcrhältnißmäßig fried-lichen Zeiten der letzten Babcnbergcr, als unter Leopold undFriedrich dem Streitbaren in Oesterreich und Steiermark Dich-tung und Rittcrthnm vereint einen ihrer Hauptsitze aufgeschlagenhatten; die zweite gehört der herrenlosen Zeit an, als mitdem Streit um die Herrschaft dieser Lande Roth und Elendüber sie kam und jeder Mann von Thatkraft und Bedeutungin den Streit der Parteien hineingezogen wurde. In diesezweite Periode rettete Ulrich nur soviel von dem Geiste derersten hinüber, als eben nöthig war, seine Thaten in derselbenniederzuschreiben.