Druckschrift 
3 (1882)
Entstehung
Seite
256
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cr in Ungnade fallen wegen cincö Mißverständnisses, wegen desVerdachtes, daß er mehr Rücksicht für den Sohn als die Mutterhabe. . . Sic erzählte dem Fürsten Wenzel die Angelegenheit,dieser aber nahm die Sache nicht tragisch und gab den Rath,Fürst Karl solle sofort nach Wien reisen und die Kaiserin selbersprechen; in keinem Falle solle cr austreten, denn cr habe dasrechte Zeug zu einem tüchtigen General und müsse nach seinemTode die Familie Liechtenstein in der Armee vertreten, da FürstFranz ihm mehr ein vortrefflicher Amtmann und Landwirtherscheine.

Fürst Karl befolgte den Rath. Im Lager hatte cr Ge-legenheit gehabt, seine Tüchtigkeit als Reitcrführcr aufs Neuezu bewähren, und seine Regimenter hatte er im besten Standegezeigt. Kaiser Joseph war zufrieden und sagte zu Lach, wascr später dem Fürsten wiederholte, Fürst Karl könne eine Armeecommandircn. Er versprach ihm auch, seinetwegen an dieKaiserin zu schreiben und ihn für eine der erledigten Jnhabcr-stellen vorzuschlagen. Sobald Fürst Carl aber aus dem Lagerabkommen konnte, ging er nach Schönbrunn und nahm eineAudienz. Als er sich vor der Kaiserin entschuldigen wollte, unter-brach ihn diese mit den Worten, sie denke nicht mehr daran.So war die Sache beendet; Kaiser Joseph aber gab ihm imFebruar 1767 sein eigenes Dragonerregimcnt. Er sagte ihm, crkönne das Regiment in keine besseren Hände legen.

Trotz der Aussöhnung mit der Kaiserin scheint diese dennoch dem Fürsten Karl noch länger gegrollt zu haben, wennanders cr sich nicht durch weitere Unvorsichtigkeiten erneuert ihrMißfallen zugezogen. Die Ungnade zu beheben, reichte er imSeptember 1770 eine schriftliche Erklärung ein >), doch ohne Er-folg, denn bei dem großen militärischen Avancement am l. Januar1771 wurde er ganz übergangen^). Mehrcrc Feldmarschall-

>) Arneth, a. a. O. IX. 489 u. 613.-) Wolf, a. a. O. 107.