Druckschrift 
3 (1882)
Entstehung
Seite
8
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Florian hatte schon bei der Eröffnung des Conclavc dasselbe miteiner Ansprache zu begrüßen gehabt. In dieser Ansprache, welcheer lateinisch hielt, hob er besonders die schwere Lage hervor, inwelcher sich die Christenheit und der päpstliche Stuhl durch dieTürken befänden, die mit neuen Anstrengungen AllcS zu endlichemSiege aufböten und die Christenheit mit der größten Gefahrbedrohten; er ersuchte demgemäß im Namen seines Kaisers dieCnrdinälc, einen Papst zu wählen, der kräftig und den Schwierig-keiten gewachsen wäre. Zum Botschafter ernannt, hielt er am19. März 1691 einen feierlichen Einzug und begab sich darnachin das Conclavc, um seine Crcditive zu überreichen. Vom FürstenSavclli eingeführt, hielt er wiederum eine Ansprache, welche derCardinal Cibo im Namen des heiligen Collcgiums beantwortete').Die Ernennung zum Botschafter machte um so mehr Aufsehen,als alle seine Vorgänger seit längerer Zeit, obwohl sie Cnrdinälcgewesen waren, doch nur den Rang außerordentlicher Gesandtengehabt hatten. Der Aufzug war sehr großartig und feierlich.Fast alle Prälaten von Rom und mehr als zweihundert deutscheEdcllcute begleiteten den Fürsten, und die meisten Cardinälc undFürsten schickten ihm ihre Carosscn. Er selbst mußte sich nochder Carosscn und Livreen des CardinalS Medicis, ProtcctorSdes Hauses Oesterreich, bedienen, da die scinigen sich nicht so schnellzum nöthigcn Glänze herstellen ließen.

Das Conclavc dauerte sehr lange und verwirrte sich durchJntrigucn, Leidenschaften und widerwärtige Feindschaften. DieParteien standen einander so gleich gegenüber,also daß, wennnicht ein Thcil weicht, so ist keine Elcctivn zu Haffen, und weilich sehe, daß beide Theile obstinat, kann ich wohl glauben, daßdas Conclavc noch eine Weile dauern wird" 2). Gewählt wurde

') Beide Reden des Fürsten Anton Florian sind in französischer Ueber-setzung abgedruckt in: Ristoirs äss oonelavss II. 70 und 8V. Deutsch dieerste Rede im lliuzatruin IZnrox. XIV. 197. Sein Einzug ebendort 200.

2) In dem angeführten Schreiben an den Grafen Thun vom6. April IK91.