Vorwort.
Es sind fünfzehn Jahre verflossen, seitdem ich Euch, meinen liebenVettern und Stamms-Genossen, meine erste Sammlung von Regesten undUrkunden übergab, und die hier folgende zweite bis auf die Gegenwartfortgesetzte Sammlung möge Euch sagen, dass ich mit gleicher Liebe zurSache mich befleissigt habe, Materialien zu einer Geschichte unsers Ge-schlechts herbei zu schaffen.
Jene erste Sammlung ist im Kreise der mit der Geschichte des Deut-schen Adels und der Thüringenschen Landes-Geschichte insbesondere sichbeschäftigenden Geschichtsforscher nicht ungünstig aufgenommen, und istfür mich der Schlüssel gewesen, welcher mir in den Archiven zu Gotha,Weimar, Dresden, und Magdeburg durch die zuvorkommende Güteder hochverehrlichen Vorstände dieser Archive reiche Fundgruben eröffnethat, welche keineswegs von mir vollständig haben erschöpft werdenkönnen.
Auch aus dem Kurfürstlichen Archive zu Cassel sind mir durch dief reundliche Vermittlung des leider zu früh verstorbenen Archivars Lan-dau, sowie aus dem Erfurter Stadt-Archive durch den Herrn Archiv-rath a. D. Beyer einige äusserst werthvolle Urkunden zugänglich ge-worden, welche diese Sammlung jetzt schmücken.
Es trat nun die grosse Versuchung an mich heran, diese archivali-schen Forschungen noch immer weiter auszudehnen, wobei die Gefahr nahelag, sich durch interessante Einzelheiten in ein Labyrinth von historischenFragen zu verirren; doch das heranrückende Greisenalter und meine zit-ternde Hand erinnerten mich daran, dass es Zeit sei einen Abschluss zumachen, wenn ich die Früchte meiner Studien auch Andern zugänglichmachen, und sie nicht untergehen lassen wollte, wenn Gott der Heermich vielleicht bald aus dieser irdischen Welt sollte abrufen wollen.
Bei Weitem die Mehrzahl der jetzt unter 462 Kummern geliefertenRegesten und Urkunden sind unmittelbar den Archiven entnommen undnoch nicht gedruckt. Zum Theil werden durch dieselben mehrfache Irr-thümer, welche mir bei der frühern Sammlung, namentlich auch in derGenealogie der ältesten Generationen des Geschlechts, begegnet sind, be-richtigt, zum Theil gereichen sie aber auch zur dokumentirten Bestätigungfrüher nur auf Wahrscheinlichkeit beruhender Conjecturen. Ficht wenigerals 374 Kummern erweitern unsere Kenntniss von demjenigen Zeitraumvor 1532, mit welchem die erste Sammlung sich befasste, und wenn ausden seitdem verflossenen 340 Jahren verhältnissmässig nur wenige Doku-mente, 88 an der Zahl, hinzu gekommen sind, so war der mich dabeileitende Gedanken der, nur solche Aktenstücke aufzunehmen, welche be-sonderes Interesse zur Charakterisirung ihrer Zeit, oder wegen ihrer fort-dauernden Bedeutung für die Familie und den alten Stamm-Besitz der-