Druckschrift 
12 (1856)
Entstehung
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Schon 1723 mußten unter der Pyramide ReparaturenVorgenommen werden, welche über 2000 Thaler kosteten.

Spater litten die Werke des Karlsbergs und namentlichihre Wasserkünste bedeutend durch den siebenjährigen Krieg, in-dem dieser seinen Schauplatz meherere Male iu die friedlichenHaine von Wilhelmshöhe verlegte. Die weite Aussicht über dasThal von Kassel, welche sowohl das Oktogon, als das Schloßbieten, veranlaßte öftere Besetzung dieser Posten, bald durch dieFranzosen, bald durch die Verbündeten. Es kam deshalb auchhier einige Male zu Gefechten. Schon am 12. Februar 1701hatte Herzog Ferdinand von Braunschweig von Ehlen aus dasOktogon und das Schloß durch Jäger besetzen lassen, währendandere leichte Truppen bis Wahlershausen und Kirchditmoldvordrangen. Deutlich sah mau iu Kassel, welches die Franzosenim Besitz hatten, die Wachtfeuer der Freunde aus dem Dickichtdes Waldes herüber leuchten. Am Morgen des 14. Februarsbrach ein Theil der kassel'schen Besatzung auf, um einen Ver-such zu wagen, die Verbündeten aus dem Habichtswalde zu ver-treiben. Ohne Widerstand zu finden, rückten jene Truppendurch Wehlheiden und Wahlershausen, als sie aber an demFuße des Gebirges ankamen, empfing sie ein so kräftiges Ge-schütz- und Kleingewehrfeuer, daß sie nach einem beträchtlichenVerluste schleunig nach Kassel zurück weichen mußten. An 200Mann wurden gefangen genommen, der kommandirende Majoraber wurde getödet.

Ein anderes Gefecht fand am 22. September desselbenJahres statt. Die Verbündeten hatten zu Wilhelmshöhe einenPosten von 120 Bergschotten stehen, der an jenem Tage voneiner Abtheilung Freiwilliger des stainville'schen Korps angegrif-fen wurde. Anfänglich wurden zwar die Franzosen bis nachWahlershausen zurück geworfen, als diese aber hier Verstärkungerhielten, so daß ihre Zahl sich auf 400 mehrte, drangen siewieder vor. Die Bergschotten mußten nun der Uebermachtweichen und zogen sich kämpfend zurück. Vergeblich suchten siesich an den Kaskaden festzusetzen. Immer heftiger verfolgt, ge-langten sie endlich zum Oktogon, in welchem sie empor stiegenund nur noch mit der Kolbe und dem Bajonette sich gleichWüthenden vertheidigten; denn ihre ganze Munition war bereitsverschossen. Da theilten sich die Franzosen in vier Haufen,jeder von 50 Mann, und erstiegen, gedeckt durch das Feuer voneinem seitwärts aufgestellten Posten von 20 Mann, mit aufge-pflanzten Bajonetten die vier Stiegen des Gebäudes. DasHäuflein der Bergschotten wurde dadurch gezwungen, sich zuletztauf die Plateforme zu flüchten, wo es sich noch mit Steinenvertheidigte, welche es von der Brustwehr abbrach. Aber aufder Ferse folgten die Franzosen nach und der Befehlshaber der-selben, der tapfere Verteuil, und ein Hauptmann waren dieersten, welche die Plateforme betraten. Jetzt war ein Entkom-men nicht mehr möglich; vor sich einen weit überlegenen Feind,hinter sich den jähsten Abgrund, blieb den wackeren Hochländernnur die Wahl zwischen einem nutzlosen Tode und der Gefangen-schaft. Sie wählten die letztere und streckten die Waffen, nach-dem sie ihren Hauptmanu und zwanzig ihrer Gefährten verlorenhatten.

Auch 1702 nach der Schlacht bei Wilhelmsthal lagertennoch einige Mal ansehnliche Heeresabtheilnngen der Verbündetenauf der Hochebene des Habichtswaldes.

Nachdem endlich der Frieden zurückgekehrt war, ließ Land-graf Friedrich II. die Schäden wieder ausbessern, welche durchden Krieg veranlaßt worden waren.

Das Bestreben, gleich von Anfang an dem Baue schondurch das Material ein alterthümliches Ansehen zu geben, hatdemselben vorzüglich geschadet, indem der ohnehin leicht verwit-ternde Tuckstein, welchen man zu diesem Zweck angewendet hat,in dieser allen Einflüssen des Wetters ausgesetzten Höhe unmög-

Kassel,

lich die Dauer bieten kann, welchen anderes Gestein, und namentlichein fester Sandstein gehabt haben würde. Schon Kurfürst Wil-helm II. fand sich veranlaßt, einen Theil der rechten Seite desOktogons zu erneuern; aber auch die andern Seiten begannenseitdem mehr und minder zu verfallen und immer dringenderwurde eine völlige Wiederherstellung. Die Landstände fandensich bereit, die dazu erforderlichen Mittel zu bewilligen und sosind auf Kosten des Landes nicht nur die Kaskaden wieder völ-lig hergestellt, sondern es ist auch mit der Reparatur des Okto-gons bereits begonnen, und nur die Ereignisse der letzten Jahrehaben den weitern Fortbau wieder in'ö Stocken gebracht. Nurder Herkules mit seiuer Pyramide steht noch unverletzt und so-gar der Blitz, der ihn schon mehrere Male berührt, hat keinesichtbare Spuren hinterlassen.

Von den Kaskaden wendet sich die schaulustige Mengerechts zum

jlein h ö fersch e n W a sse rfal! e.

Zwischen dem Riesenschlosse und der Löwenburg erblickt maueinen Theil des steilen Bergabhanges mit einer Saat mächtigerFelsenblöcke bedeckt, die, in kecker wilder Gestaltung dem Bodenentwachsen, unter dem Schatten des kräftigen Hochwalds einwahrhaft düsteres Bild gewähren. Wild brausen dichte Wasser-massen herab und stürzen sich schäumend von einem Felsengeklüftzu dem andern, bis sie, gleichsam siedend, den Fuß des Abhan-ges erreichen. Wir stehen bewundernd hier an dem Werke ei-nes Mannes, dessen Andenken mit der Geschichte der herrlichenAulagen von Wilhelmshöhe auf das Innigste verwoben ist. Wererinnert sich nicht bei dem Namen dieses Wasserfalles nochjenes kleinen Greises, der ungeachtet seiner Silberhaare stetsunbedeckten Hauptes, und mit einem weißen Tuche in derHand, ordnend und anweisend, emsig von einem Punkte derweitläufigen Anlagen zu dem andern schritt, und der als eineso nothwendige Zubehör von Wilhelmshöhe betrachtet wurde,daß kein Maler es unterließ, seine charakteristische Gestalt inden Vordergrund seines Bildes zu stellen. Steinhöfer ist derAnordner und Schasser aller Anlagen zu Wilhelmshöhe, welcheunter Kurfürst Wilhelm I. entstanden sind. Er gehörte zu jenenMenschen, welche die Weihe der Kunst schon im Schooßc derMutter empfingen, und durch nichts als nur den Trieb ihresInnern geleitet, ungepflegt und ungehegt, wie die Eiche desWaldes, sich entwickelten. Nach einem vorgeschriebenen Planeoder einem auf Papier entworfenen Nisse verstand er nicht zuarbeiten; aber um so klarer und lebendiger glühte der Plan inseiner (seele. Er hatte dabei kein anderes Vorbild, als nurdie Natur; ihre Schönheiten mit behutsamem Finger zu benu-tzen, ihre Gebilde zu veredlen und da, wo er selbst schaffenmußte, ihren Gestalten treu nachzubilden, war das Ziel seinerKunst. Und welche Vollendung er darin erlangt hatte, davongeben seine Werke das schönste Zeugniß. Auch jener Wassersattgehört ihm ganz eigentlich. Er begann mit der Anlage dessel-ben im Jahr 1792 und zwar ohne Wissen seines Herrn. Andem steilen dicht bewaldeten Bergabhange thürmte er Felsenüber Felsen. Ungeachtet der großen Beschränktheit seiuer Mit-tel war das Werk doch schon so weit vorgeschritten, daß es denWirkungen des Wassersturzes ausgesetzt werden konnte, ehejener davon hörte. Steinhöfer darüber befragt, führte stattder Antwort seinen Fürsten zur Stelle seiues geheimenSchaffens und dieser wurde durch den schönen Gedanken soüberrascht, daß er nicht nur sofort reichere Mittel anwies, umdas Werk großartiger auszuführen, sondern dasselbe auch mitdem Namen seines Begründers belegte. Nur eins war noch,was dem Fürsten nicht behagte, der zu dichte Waio.Da er aber einsah, daß bei Steinhösers zähem Sinne eine Lich-

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