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12 (1856)
Entstehung
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tung kaum durchzusetzen seyn würde, so legte er selbst Hand an,bezeichnete die wegzuräumenden Bäume, und ließ sie schnell fäl-len. Als Steinhöfer erschien, war die Arbeit vollendet, und esblieb ihm nun nichts übrig, als sich in das Geschehene zu fügen.

Steinhöfer starb 1829 nach fünfzigjährigen Diensten inseinem 83sten Lebensjahre und ruht auf dem Friedhofe zu Wil-helmshöhe. Auch nicht durch das kleinste Erinnerungszeichenwird sein Grab geschmückt. Wohl sind seine Schöpfungen ge-nügend, um sein Andenken der Nachwelt zu bewahren; aberdem Menschen genügt nicht immer der Name, er sucht auchden Mann und wenn dieser nicht mehr ist, wenigstens dieStätte, wo die Asche desselben ruhet, und findet sich dann umso freudiger berührt, wenn ein Zeichen der Dankbarkeit überdem Hügel des Entschlafenen an dessen Wirken erinnert. Ein-fach und schlicht, wie Steinhöfer gewesen, müßte auch dasDenkmal für ihn seyn. Keines Künstlers Hände dürften dasselbeberührt haben, es dürfte nur aus einigen aneinander gefügtenBasaltsäulen bestehen; denn nur so könnte es den Mann, derhier ruht, treffend bezeichnen, schöner, als ein kunstvoller durchden Meißel geformter Stein es jemals vermöchte.

Nachdem die Gewässer des Wasserfalles sich in einemTeiche wieder gesammelt haben, werden sie mittelst Röhren ge-theilt, und während die eine Hälfte zur Speisung der großenFontaine dient, eilt die andere in reißendem Sturze in einemFelsenbette hinab, bis sie plötzlich in einer Breite von 24 Fußin eine 36 Fuß tiefe Felsenkluft schäumend hiuabbraust. Ueberdieser Kluft wölbt sich eine leicht geschwungene eiserne Brücke

die Teufelssiru cke

genannt. In so hohem Grade lieblich diese durch die schönstenBaumgruppen umrahmte Partie auch ist, so hat uns dochimmer eins gestört, nämlich der Name; denn die durch densel-ben unwillkürlich sich aufdrängende Vergleichung mit jener groß-artigen Namensschwester in den Alpen muß den Eindruck un-endlich mindern, welchen unsere Brücke mit ihrem Wassersturzeerzeugt.

' Auch die Teufelsbrücke ist eine vom Kurfürsten Wilhelm I.unter Steinhöfer's Leitung hervorgerufene Anlage, welcher zu-nächst die Pluto sgrotte liegt.

Noch oft sich wendend, um das malerische Bild, welchesdie Teufelsbrücke gewährt, von verschiedenen Standpunkten auszu betrachten, folgt der Schaulustige den in einem Bassin wiedergesammelten und von da in einein Bache weiter fleißenden Ge-wässern und gelangt so nach kurzer Wanderung zum

A q n a c d n K t.

Es ist dieses eine nach der Idee des Kurfürsten Wilhelm I.im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhundert ausgeführte, ansgroßen Quadern gebaute, anscheinend verfallene etwa 486 Fußlange römische Wasserleitung, welche von 14 Bogen getragenwird. Da wo das Gebäude zusamengebrochen scheint, stürztdie Wassermasse mit wahrhaft erschütternder Gewalt in einenvon Felsen zerrissenen Abgrund von 166 Fuß Tiefe, und gleitetdann weißschäumend in einem felsigen durch Kaskaden unter-

brochenen Bette zu dem, im Angesicht des Schlosses liegenden,Bassin hinab.

Wie große Fontaine.

An dem Fuße des Karlsbergs, nach der Seite des Schlos-ses hin von dem schönen vor demselben ausgebreiteten prächti-gen Nasenteppich bekränzt, liegt jener Teich, welcher kurzwegdas Bassin genannt wird, und zu dessen lieblichen Umgebungenein runder von 12 Säulen getragener Tempel gehört, welcherauf einem kleinen von den Wassern umspülten Hügel sich erhebt.

Dieses Bassin nun verbirgt die große Fontaine. LandgrafFriedrich II. hatte dieselbe zuerst in der Mitte des Teiches an-gelegt, doch Kurfürst Wilhelm I. legte sie näher an das Uferund hob ihren Strahl bis zu einer Höhe von 196 Fuß. DerWasserstrahl hat 14 Zoll Durchmesser und besteht aus einemBündel von einzelnen Strahlen, welche sich aber sofort zu einerMasse vereinigen.

Noch hallt aus der Ferne der dumpfe Donner der Wasserdes Aquaedukts, und weiß schäumende Fluthen brausen über diezahllosen Felsen herab und stürzen sich zürnend in's Bassin, alsplötzlich aus einer Felsenklippe desselben ein gewaltiger Wasser-strahl zischend hervorbricht, und in immer höhern, immer ge-waltigern Sätzen endlich bis zu schwindelnder Höhe emporsteigt.Gleich einer Säule von Krystall voll Leben und Regen schwebter hoch in der blauen Luft. Und wie er nun oben in Millio-nen Perlen zerstiebt, die vom Winde getragen, wie feinerRegen über die Landschaft ziehen, und wie jede Perle einenSonnenstrahl einsaugt, und in den bunten Farben des Regen-bogens schillert und blitzt, wähnt das Auge eine Erscheinungaus der Wunderwelt zu sehen. Aber dem feurigen Jünglingeähnlich, der seine Kräfte überschätzend im eilenden Fluge überdie Menschen des Alltaglebens sich emporschwingt, nicht mehrfern vom ersehnten Ziele seine Kräfte verzehrt fühlt, und dann,vergeblich gegen das Unabwendbare kämpfend, verzweifelnd undmit der Welt und den Menschen und sich selbst hadernd, wiederin's Nichts zurückstürzt, ist auch der stolze Strahl nur eine baldwieder verschwindende Erscheinung. Kaum hat er seinen Gipfelerreicht, so beginnt auch schon wieder sein Sinken; immer schwä-cher wird seine Kraft, immer tiefer neigt sich sein Haupt, biser endlich wieder am Ausgange angelangt, nur noch einemkochenden Strudel gleicht. Der Raum zwischen seiner Geburtund seinem Ende faßt kaum eine halbe Stunde.

Den letzten Theil der Wasserkünste bietet

der neue Wasser fall.

Derselbe schließt den nördlichen Theil der Anlagen undwurde erst 1828 vom Kurfürsten Wilhelm II. angelegt und1856 zum Theil erneuert. Ungeheuere Felfenmassen sind aneiner jähen Bergwand aufgethürmt und über dieselben stürzt ein56 Fuß breiter Wasserstrom an 136 Fuß hoch herab undschäumt dann in einem Bette von Basaltfelsen von Kaskade zuKaskade zum Thale hinab. Dieser Wasserfall ist nicht nurgrößer, sondern auch schöner als der ältere. Sein Bild istwahrhaft großartig und malerisch. Von seiner Höhe, wo einTempel mit einer Bildsäule des Merkurs steht, genießt maneine unübertreffliche Aussicht.

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