dende Waldwege, und führen allmälig zu dem Hügel hinan,auf welchem das Schloß sich erhebt.
Dasselbe liegt am Rande eines vorspringenden zum Theilerst künstlich hergestellten Plateaus auf dem Fuße des Gebirgs,485 rh. Fuß über dem Spiegel der Fulda. Stolz wie ein Herr-fcher erhebt sich hier das mächtige im altrömischen Style aus-geführte und aus einem Mittelgebäude und zwei sich in einemsanften Bogen dem Gebirge zu wendenden Flügeln bestehendeGebäude. Das Hauptgebäude ist 202 rh. Fuß lang und 73 rh.Fuß hoch und enthält ausser dem Souterain drei Etagen undeine Frisetage. Die Mitte der gegen das Thal gekehrten Fayadeschmückt ein Portikus, welcher von sechs 42V- rh. Fuß hohenjonischen Säulen getragen wird, und ein gleicher Portikus mitder Inschrift: >ViIImImn« I. Llaetor eomllllit, ziert auch dieandere Seite gegen das Gebirge. Ueber der Mitte des Gebäu-des erhebt sich, 37'/^ rh. Fuß hoch, eine mit Kupfer gedeckteKuppel von 57 rh. Fuß Durchmesser, die von 12 korinthischenSäulen getragen, die Bildnisse aller Regenten des hessischenFürstenhauses von Heinrich I. an enthält. In demselben einfachgroßartigen Style, wie das Hauptgebäude, sind auch die Flügelerbaut, so daß diese mit jenem ein durchaus harmonisches Ganzesbilden. Früher wurden dieselben nur durch Gallerien verbunden,die aber 1829 bis zum Dachstuhle der Flügel erhöht wordensind. Jeder der Flügel hält 157V» rh. Fuß Länge und 59^rh. Fuß Höhe und zeigt an seiner Fayade acht 24^ rh. Fußhohe jonische Säulen, deren sechs andere die abgerundete, gegendas Gebirge gewendete Breite zieren.
Der großartigen Pracht, welche dem Aeußern dieses Ge-bäudes aufgedrückt ist, entspricht auch das Innere desselben, woköniglicher Lnrus sich mit der Kunst verbunden hat, um demfürstlichen Aufenthalt einen Schmuck zu verleihen, vor dem dasAuge des Neulings voll scheuer Bewunderung zurückbebt.
Unübertrefflich reizend ist die Lage des Schlosses. Währendnördlich neben demselben ein räumliches Plateau mit einem präch-tigen Speisesaale von mächtigen Kastanienbäumen beschattet wird,breitet sich gegen das Gebirg ein schönes Bowlingreen aus, ge-schmückt mit den herrlichsten Blumenpartien, die sorgsam ge-pflegt und nach ihrer Blüthenzeit wechselnd, vom ersten Erwachendes Lenzes bis zum Entschlummern der Natur, fortdauernd invollster Farbenpracht prangen, während hohe Pyramideneichen,Pinien, Platanen, Tulpenbäume :c., mit ausgezeichnetem Ge-schmacke gruppirt, den frischen Rasenteppich umrahmen. Erhebtsich das Auge, so erblickt es das ganze Gebirge vor sich ausge-breitet: hoch au dem Berge emporsteigend die Kaskaden, aufdem luftigen Gipfel das gewaltige Niesenschloß und tiefer, linksam Gebirgsabhange, die malerische Löwenburg. Schroffe Ab-hänge umschließen dagegen den südlichen Schloßflügel, welcherdie Stelle des alten Klosters einnimmt und unter dem auch jenerweiße Stein, ein mächtiger Felsenblock, liegt, der einst demOrte den Namen gab. Jäh stürzen jene Abhänge bis zu dem
klippenreichen User eines See's herab, dessen Umgebungen un-streitig zu den malerischsten Partien von Wilhelmshöhe gehören.Gegen Morgen aber entfaltet sich dem Auge das ganze weiteFuldathal. Nördlich vom Schlosse liegen das Wachthaus, der Mar-stall und das große Gasthaus, sowie zur Seite des Bowlin-greens das große Gewächshaus.
Bevor wir die übrigen Anlagen besuchen, wenden wiruns zur Löwenburg. Will man einen kleinen Umweg nichtscheuen, so kann man erst noch das südlich vom Schlosse liegendechinesische Dorf M u Lang aufsuchen, eine Spielerei aus derZeit Friedrich U., wo indessen nur der aus buntem Glase ge-baute Saal von Interesse ist.
Die L ö w e n b u r g.
Die Löwenburg, mit welcher die Anlagen von Wil-helmshöhe sich auf der Westseite schließen, liegt in der Mittedes Gebirgs - Abhangs, auf einem vorspringenden Plateau, dasunter ihr jäh und wild sich zum Thale hinabsenkt, 232 rh. Fußüber dem Schlosse und 7l7 rh. Fuß über der Fulda. DieseLage, wie der rings sie umschließende frisch grünende Wald,und die einer fernen Vergangenheit entlehnten fremdartigen For-men des Gebäudes mit seinen mannichfaltigen Thürmen undThürmchen, Erkern und Spitzen verbreiten über das Ganze soeigenthümlich romantische Reize, daß es keiner besonders erreg-baren Phantasie bedarf, um hier stets den reichlichsten Stoff zuGebilden zu finden. Dieser Stoff beschränkt sich freilich nurauf die großartige Natur und auf die grotesken Formen desGebäudes, denn diese Burg, die weder von blutigen Kämpfennoch heitern Spielen zu erzählen weiß, hat als Burg keineGeschichte, weil sie selbst nichts anderes, als nur eine verkör-perte Dichtung ist.
Nachdem nämlich Kurfürst Wilhelm I. schon mit dem Bauedes Schlosses zu Wilhelmshöhe begonnen hatte, faßte er auchdie Idee zur Erbauung eines, den mittelalterlichen Burgen nach-gebildeten Gebäudes, und beauftragte mit dessen Ausführungden wackern Jussow. Schon im Jahre 1793 wurde die Handan das Werk gelegt, und nach wenigen Jahren das Ganze vol-lendet. Der erste Plan beabsichtigte zwar nur eine, nach demVorbilde der Trümmer von Löwenstein und Jesberg zusammen-gesetzte kleine Burg, welche den Namen der Felsenburg er-halten sollte; aber dieser Plan wurde während des Baues all-mälig erweitert, und das Werk endlich bis zu der Ausdehnungund Großartigkeit gebracht, in welcher es jetzt unsern Augenentgegen tritt.
Die Muster zu diesem Baue scheint Jussow vorzüglich aufseiner Reise durch Großbrittanien gesammelt zu haben, denndie Konstruktionen der Löwenburg entsprechen weniger der deut-schen, als der brittischen Bauweise der Burgen. Ueberhanptdarf man die Löwenburg nicht als ein treues Bild einer Mittel-