Druckschrift 
12 (1856)
Entstehung
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Front sollten 48 Säulen schmücken, und eine Million Thalerwar bereits verbaut. Es wäre sicher eiues der prächtigstenFürstenschlösser Europa's gewordeu, nun wird es aber wohl sichnimmer erheben.

Die ehemals aus dem Schlosse über die kleine Fulda zurAue führende Brücke, welche unter der westphälischen Negierungan der Stelle der alten Narrenbrücke erbaut wordeu ist, liegtin Trümmern, zeigt aber noch jetzt die Spuren ihrer Pracht.

Weiter zeigt unser Bild zwei Bögen der Fnld abrückenebst dem längs der Fulda hinziehenden Theile der Unterneu-stadt. Vordem führte die ältere Brücke mehr auswärts, wojetzt die nunmehr zu Eisbrechern eingerichteten Neste ihrerPfeiler noch sichtbar sind, über den Strom und zwar durchenge und winkelige Gassen. Schon mehrfach erneuert, war siegegen Ende des vorigen Jahrhunderts wieder sehr baufällig. Esentschloß sich deßhalb Wilhelm I. zu einem völligen Neubau undzwar um der Brücke eiuen freiern Zugang zu verschaffen, ananderer Stelle. Um das letztere zu bewirken, wurden auf bei-den Ufern mehrere Häuser und in der Unterneustadt sogar diealte Kirche weggebrochen und 1788 mit dem Baue begonnenund derselbe 1794 vollendet. Diese neue ganz aus Quadernaufgeführte Brücke, besteht aus drei ungleichen Bogen und ist273 kass. Fuß laug und 42 kass. Fuß breit. Dicht an ihrerlinken Seite liegt der Altstadt gegenüber das Staatsgefängniß,das Kastell genannt. Schon im sechszehnten Jahrhundertstand hier das fürstliche Jägerhaus, die Wohnung des Jäger-meisters, welches im vorigen Jahrhunderte jedoch schon zu an-dern Zwecken diente. Erst bei dem Baue der Fuldabrücke wurdees mit Wällen und Gräben und einer Zugbrücke versehen undzu seinem gegenwärtigen Zwecke bestimmt.

Schreitet man zum Friedrichsthore hinaus, so führt linksein in einer Serpentine angelegter Fahrweg, rechts eine steinerneTreppe, zwischen üppig grünenden und blühenden Anlagen densteilen Abhang hinab in das Thal und wir befinden uns vor

dem Vrangerieschlösse und der Karlsaue.

Die vor den rauhen Nordwinden geschützte Lage, die dun-keln sich zu Dächern wölbenden Alleen, der hochstämmige, vonder seltensten Ueppigkeit zeugende und auch iu der drückendstenSommerglnth stets Schatten und Kühle spendende Hain, der steteWechsel der Baumgattungen und deren meist glückliche, nichtselten höchst malerische Gruppirung, die nach allen Richtungensich windenden Pfade, das Leben und Regen einer hier ungestörthausenden Vogelwelt und deren tausendstimmig von allen Zwei-gen herabströmender Gesang, die großen mit munter die Fluthendurchschneidenden Schwänen besetzten Teiche, die freie natürlicheHaltung der ganzen Anlage, und der stille Frieden, der beinahenmner hier waltet, wie endlich die unmittelbare Nähe der

Kassel.

Stadt, machen die Aue zu eiuer der herrlichsten Partien in denschönen Umgebungen von Kassel.

Ursprünglich war die Aue (was auch ihr Name schonandeutet) eine rings von der Fulda umflossene Insel und ge-hörte zu der Feldflur eines Dorfes Weingarten, das am Fußedes Weinberges lag, und während der Belagerung Kassels imJahre 1335 zerstört wurde. Erst Landgraf Wilhelm IV. er-kannte die Schönheit dieses Ortes und legte 1568 an demöstlichen Ende einen Lustgarten an, den er mit vielen Ge-wächsen des Südens schmückte. Hinmächst verband er densel-ben 1569 durch eiue Brücke (die Narreubrücke geuanut, weildas Hofgefängniß, das s. g. Narrenhäuschen, daneben stand)mit dem Nesidenzschlosse und erbaute 1570 (etwa da, wo dasjetzige Orangerie-Schloß steht) ein Lusthaus, das iu die süd-liche Ecke des länglich viereckten Gartens zu steheu kam. Auchdieses Haus bildete ein Oblongum; an den Ecken hatte es hohe,bis über's Dach reichende, thurmähnliche Erker, und war rings-um mit Gallerten geziert. In seinem Innern besaß es unterandern einen großen, das ganze Gebäude umfassenden, durchSchildereien geschmückten Saal mit einem Springbrunnen, undunter diesem ein mit Zinn bekleidetes Bad. Dem Hause gegen-über lag ein Schießhaus. Der übrige südwestliche Theil derInsel, welcher von dem Garten durch einen breiten Wassergra-ben getrennt wurde, über welchen zwei Zugbrücken führten, bliebdagegen noch ferner dem Obst- und Getraidebaue gewidmet,der aus einem unfern des Gartens liegenden Oekonomiehofe be-sorgt wurde.

Landgraf Wilhelm, dessen Gärten Panegpriker mit denendes Alcinou's und der Hesperiden verglichen, sammelte hierGewächse alter Zonen, denn mit allen Zweigen menschlichenWissens vertraut, gehörte auch die Botanik zu seinen Lieblings-beschäftigungen und sogar das Veredeln der Gewächse gewährteihm großes Vergnügen. Er pflegte auch hier nicht selten, wennder Himmel günstig war, in seinem Pomeranzen-Häuschen undunter dem Schatten seiner Granat.n-, Zitronen-, Pistazien-,Feigen- und Lorbeerbäume zu speisen.

Landgraf Moriz, der ebenwohlgroße Liebe zur Kräuter-kenntuiß" hatte, brachte theils durch Kauf, theils durch Tauschdie ganze Insel an sich und die Aue erhielt von ihm den NamenMorizaue, In-mln nmurilmnn. In dem Lusthause legte derselbeauch eiue Buchdruckerei an.

Doch der Mangel an Pflege, den die Stürme des drci-sigjährigen Krieges veranlaßten, brachten diesen fürstlichen Lustortsehr in Verfall, und erst dem schöpferischen Geiste des Landgra-fen Karl war es vorbehalten, nicht etwa die Anlagen blos wie-der herzustellen, sondern neue und schönere zu schaffen und zwarim größten Maßstabe, indem er die ganze Insel in einen Lust-garten verwandelte.

Nachdem Landgraf Karl anfänglich hier eine Menagerieunterhalten hatte, faßte er im Anfang des vorigen Jahrhun-