Druckschrift 
12 (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

umgebenen Dache genießt man .eine der schönsten Aussichtenüber die Stadt und deren Umgebung.

Wenden wir uns jetzt zum

/ r i e d e r i ch s t h o r e.

Dasselbe besteht aus zweien, unter der Negierung desLandgrafen Friedrich U. erbauten, mit Säulenhallen und obenmit Kriegstrophäen geschmückten Wachthäusern, welche 1824 er-weitert und durch einen hohen, im antiken Style ausgeführtenTriumphbogen verbunden wurden.

Das auf unserm Bilde dem Thore schief gegenüber ge-legene Gebäude ist die katholische Kirche, in welcher Friedrich II.beigesetzt ist; im tiefern Hindergrunde aber erblickt man dieMauern der Kattenburg und über diese hervorragend die alt-städter (s. g. Brüder-) Kirche. Rechts des Thors dagegen liegtdie schöne und breite Bellevuestraße mit dem Bellevueschlosseund der Bildergallerie.

Dicht vor dem Thore senkt sich die Höhe, auf welcher dieOberneustadt liegt, mit jenem ziemlich jähen AbHange, dessenschon gedacht ist, in's Thal, und es bietet sich deshalb hier eineder prächtigsten Aussichten dar. Ueber die Aue hin, derengrüne Wipfel sich längs des Abhangs erheben, überschaut mandas ganze weite Thal, und sogar entferntere Höhen, wie derWeißner und der Heiligenberg, werden sichtbar.

Ehe wir weiter schreiten, wollen wir noch einenBlick auf

die Kattenburg und die /utdabrucke

werfen. Unser Bild zeigt das Erdgeschoß des Schlosses, dieNeste einer Brücke, welche ehemals vom Schlosse über die kleineFulda zur Aue führte, und neben dieser die einzigen und letztenUeberreste der alten Burg, eine hohe Mauer nebst einem run-den Thurme, welche beide von der Fulda bespült werden. Zwi-schen diesem Thurme und dem Gemäuer der Kattenburg blicktder Kollegienhof (an dessen Stelle der alte Nenthof der Burgstand) herüber.

Der Ort, auf welchem sich die alte Fürstenburg erhob,hätte nicht schöner ausgewählt werden können. Obwohl nachder Stadt zu gänzlich eben, senkte sich dagegen der Boden gegendie Fulda, welche früher in einem schiffbaren Arme auf derganze» Südseite hiuzog, in einem steilen AbHange hinab, sodaß man von oben das ganze Thal Übersicht und insbesondere eineAussicht auf den unten fließenden Strom genießt, wie keinanderer Punkt eine gleiche zu bieten vermag.

Schon oben ist bemerkt worden, daß die Zeit der erstenGründung der Burg ungewiß sey; nur das ist sicher, daß Land-graf Heinrich I. die Burg, wenn nicht ganz, doch jedenfalls zumgroßen Theile erneuerte. Auch die spätern Fürsten haben vieldaran gebaut, bis Landgraf Wilhelm II. den nach der Fulda zu

gelegenen Theil 1502 völlig neu erbaute. An die übrigen dreiSeiten legte jedoch erst Landgraf Philipp die Hand, und erneu-erte dieselben in den Jahren von 1557 bis 1562. Auch erhieltdas Schloß durch denselben Fürsten neue Befestigungswerke,welche indessen erst von Wilhelm IV. vollendet wurden.

Das ganz massiv gebaute Schloß bildete ein unregelmäßi-ges Viereck zwar von gleicher 215 Fuß betragender Breite,jedoch von ungleicher Länge, indem die eine Seite 270, die an-dere aber 290 Fuß maß. Das Ganze umschloß einen nicht unge-räumigen Hofraum. Um dasselbe zog ein breiter trockener Graben;dann kam ein ringsum laufender hoher Wall mit drei Rondelen,wovon das auf unserm Bilde dargestellte noch übrig ist; ausserdem Walle aber sperrte ein Wassergraben von drei Seiten denZugang. Westlich vom Schlosse und ausser den Befestigungenlag die Nennbahn. Bereits war manches im Laufe der Zeit ge-ändert worden, namentlich hatte man schon während des sieben-jährigen Kriegs den größten Theil der Befestigungswerke besei-tigt, und den geebneten Raum vor dem Schlosse 1763 mit einerprächtigen Kolonnade umgeben, als das Jahr 1806 eintratund mit ihm der Untergang des Kurstaats. Wilhelm I. mußteflüchtend die Burg seiner Väter verlassen und an seine Stellezog der neue König Jerome, der König von Napoleons Gna-den, ein. Mag auch die geheime Geschichte der Burg schonfrüher nicht arm an Scenen gewesen seyn, welche die Geschichtemeist mit Schweigen übergeht, die wenigen Jahre, in denen sieals westphälische Königsburg diente waren jedenfalls reicher undmanichfaltiger, als früher Jahrhunderte. Doch dieses dauerte,wie schon gesagt, nur wenige Jahre; plötzlich ertönte in derNacht des 24. November 1811 der Schreckensruf Feuer undbald loderten hohe Flammen aus der Königsburg empor. Dieganze nach der Fulda zu liegende Seite, also gerade der ältesteTheil, sank gänzlich in Asche, und auch das übrige Gebäudehatte sehr gelitten. Seitdem blieb die Burg beinahe wüst liegen,denn Jerome verlegte seine Residenz in's Bellevueschloß, bisWilhelm I. zurückkehrte. Obwohl schon Greis, faßte derselbedennoch den Entschluß die Stammburg seiner Väter wieder auf-zurichten. Schnell schwanden die alten Gebäude und nach eini-gen Jahren entstieg ein großer gewaltiger Bau der Erde, grö-ßer und prächtiger, als jemals einer daselbst gestanden hatte.Ungeachtet schon 1816 begonnen worden, konnte doch erst am28. Juni 1820 der Grundstein gelegt werden, wobei dem Neu-baue der Name Kattenburg beigelegt wurde. Doch kaumwar das Erdgeschoß vollendet, als der Tod den Fürsten am28. Februar 1821 von dem Schauplatze seines Wirkens abrief,und seitdem ruhen Hammer und Meisel und die Räume, welchebestimmt waren, sich mit fürstlichem Prunke zu schmücken, sindjetzt mit dichtem Gestrüppe gefüllt.

Der riesige Bau, dessen Plan von Jussow entworfenworden, bildet ein Viereck von 552(2 kass. Fuß Länge und402^4 Fuß Breite und umschließt zwei geräumige Höfe. Seine

5, B'""

' luM

.?.

l. Ä

killln MIN ^ ^MS lkM iil kNlia,

..jklM nnk >n

ol l?K «l kW A»-Z Mlt Allt Mzsts >((H « km rHO IZ di ^

A'I.Wl 7 '

-»>. Eiden imWZM. dl Hlin 5

kl!

M M...

-dH, k" ^

-

n>il.

>'.7