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14. August dess. I., faud die feierliche Enthüllung statt. Die vondem Erbmarschalle, dem erblichen Präsidenten der Stände, ge-haltene Rede, begann mit den Worten: „Unvergeßlich ist derTag uns immer, der unsern Wünschen den geliebtesten undhuldreichsten Fürsten gab: doppelt heilig aber wird uns heuteseine Feier; denn heute errichtet Hessen seinem Friedrich, einDenkmal der Liebe und Dankbarkeit. Friedrich, dessen Namejedem seiner Unterthanen mit Wohlthaten in's Herz gezeichnetist; Friedrich unser Stolz und unsere Wonne, vergönnt es sei-nem gerührten Volke, Ihm an diesem glücklichsten der Tage, seineigenes Bild, zum Opfer der innigsten Verehrung zu weihen." ?c.Es war eine Nede würdig für einen Titus und Mark Anrel,und dem entsprechend ist auch die am Piedestale prangende In-schrift: briüerieo II. putria. Es ist wahr, Kassel hat diesemFürsten viel zu danken: er hat seine Festungswerke geschleiftund es vielfach verschönert. Aber das Land? — Man denkenur an das Heer von Abentheuerern aus allen Nationen, welchesich von dem Marke des Volkes nährten; an seinen glänzendenHof- und großen Militärstaat; an die Einführung des Lottos;an die Amtspachtnngen und an — Amerika. Friedrich war eingütiger Fürst, er glaubte wirklich sein Volk glücklich, währenddasselbe unter vielfachem Drucke litt. Schmeichler und derGlanz seines Hofes, in welchem er die Größe des Fürstenthumssah, verdunkelten sein Auge.
An dem Friedrichsplatze noch verweilend, betrachten wirdessen schönstes Gebäude
das AI usen m.
Unter allen öffentlichen Gebäuden, welche Kassel besitzt,feßelt keins in demselben Grade durch die Großartigkeit undEinfachheit seines Stples, als das Nuseum brimlerwmnum,welches durch seine Lage am großen Friedrichsplatze zugleich dengünstigsten Vordergrund erhält, um seine herrlichen architektoni-schen Formen unbeengt entfalten zu können.
Das Museum besteht aus einem zweistöckigen Hauptgebäudevon 290 Fuß Länge und zwei 150 Fuß langen dreistöckigenSeitenflügeln. Sein stolzes Frontispiee springt 18 Fuß vorund wird von sechs 36 Fuß hohen und vier Fuß im Durch-messer haltenden jonischen Säulen getragen, welche auf einer70 Fuß langen Erhöhung stehen, zu der man ans fünf Stufenhinaufsteigt. An dem Frontispiee stehen mit großen übergoldetenBuchstaben die Worte: Nuseum briocltzrimsnum, und über dem-selben erhebt sich eine 18 Fuß hohe Attike mit sechs 8 Fuß hohenallegorischen Figuren: der Philosophie, der Baukunst, derMalerei, der Geschichte und der Astronomie. Die Fenster wer-den durch jonische Pilaster geschieden, und das im italienischenGeschmacke gebaute Dach wird durch eine mit Vasen geschmückteBallustrade dem Blicke entzogen, welche rings an den äußernSeiten des Gebäudes herumzieht.
Nachdem die Schleifung der Festungswerke vollbracht,wurde dieses Gebäude 1769 unter der Leitung du Ny's begon-nen und 1779 vollendet. Bei diesem Baue waren indeß man-cherlei Schwierigkeiten zu bekämpfen, da der Grund, woraufderselbe sich erheben sollte, zum großen Theil aus dem zuge-worfenen Festungsgraben bestand. Es war deßhalb ein sehrtiefer Grundbau erforderlich.
Leider hat das Gebäude, zum Theil in Folge des ab-hängigen Bodens, in seiner Front einen zu niedrigen Sockelerhalten, ein Fehler, welchen früher allerdings das Frontispieeverdeckte, der aber seitdem auch rechts und links an der Stelleehemaliger Gärten hohe Gebäude aufgeführt worden sind, umso mehr hervortritt, und den Eindruck, welchen das schöne Ge-bäude macht, wesentlich beeinträchtigt.
Unter der wcstphälischen Regierung, wo der größere Theilder im Museum aufbewahrten Schätze nach Paris wandern mußte,wurde das Gebäude der westphälischen Neichsversammlung über-geben, zu welchem Zwecke die Haupttreppe weggcbrochen undauf dem Hofranme, in gleicher Höhe mit dem Hauptgebäude,ein Sitzungssaal, in der Form eines Halbzirkels, angebaut wurde.Diese veränderte Bestimmung des Gebäudes änderte dann auchden Namen desselben, und das Museum hieß während dieserZeit I'uluis «los ötuts. Dieser Anbau, welcher sein Licht durchein in der Kuppel angebrachtes Fenster empfing, wurde 1828in zwei Stockwerke geschieden und mit Fenstern und einer frei-stehenden Treppe versehen.
Der Haupteingang des Museums befindet sich unter demPeristpl der Fa^ade, wo drei Bogenthüren zu einem 56 Fußlangen und 43 Fuß breiten Vorsaale führen. Zu beiden Seitendieses Vorsaals öffnen sich zwei Gallerien, jede 82 Fuß lang,38 Fuß breit und 18 Fuß hoch, welche durch eiue doppelte Reihedorischer Säulen getragen werden. In diesen Gallerien sindsowohl die Statuen, als alle sonstigen plastischen Arbeiten auf-gestellt. Der linke Flügel des Gebäudes enthält die Sammlun-gen der Münzen, Gemmen, Antikaglien, Pretiosen, Mosaikenund eine Menge anderer Kunstwerke; der rechte Flügel aber dieSammlungen der naturhistorischen Gegenstände.
Das ganze obere Geschoß des Hauptgebäudes besteht auseinem einzigen wahrhaft imponirenden Saale, welcher 280 Fußlang, 40 Fuß breit und etwas über 30 Fuß hoch ist, und inwelchem sich die jetzt an 33000 Werke zählende Landesbiblio-thek befindet.
Der linke Flügel des Gebäudes enthält in seinem obernGeschosse das Staatsarchiv und schließt sich an die Sternwarte,wozu man einen der Thorthürme der Festungswerke eingerichtethat, der deßhalb im Munde des Volkes auch noch immer nach sei-nem alten Namen (der Zwehrenthurm) genannt wird. DieserThurm besteht aus fünf Geschossen und Säulen, die theils zurAufbewahrung der Instrumente, theils zu den Beobachtungenselbst bestimmt sind. Auf dem platten, mit einer Ballustrade