Die Kosten dieses Gebäudes belaufen sich auf etwa132,400 Thaler.
Das Ständehans hat übrigens schon viele bittere Beurthei-lungen erfahren und es ist nicht zu leugnen, daß es den Ein-druck nicht macht, welchen man von einem solchen Gebäude er-wartet. Ein einfacher, aber mehr großartigerer Styl wärejedenfalls der Bestimmung entsprechender gewesen.
Was Hoftt)eater und die Königsstraßc.
Die längste und schönste Straße, welche Kassel besitzt, istdie vom holländischen bis zum wilhelmshöher Thore ziehende,5100 Fuß lange und 60 Fuß breite Königsstraße. Bis aufeinen stumpfen Winkel, welchen sie in ihrer untern Hälftemacht, ist sie schnurgerade und mit einer großen Zahl ausge-zeichneter Gebäude besetzt. Das was die beigefügte Abbildunggibt, ist ihr oberer Theil, welcher mit einem fünfeckigen Platzeendet, an welchem sich das nach Wilhelmshöhe führende Thor be-findet.
Das den Mittelpunkt des Bildes einnehmende Gebäude istdas Hoftheater, dessen eine Seite an den Opernplatz stößt,der durch einen erst jüngst aufgestellten Gaskandclaber mit siebenFlammen des Abends erleuchtet wird.
Das Theatergebände wurde 1769 nach dem EntWurfe destrefflichen du Ry erbaut und war zuerst nur für die italienischeOper bestimmt, bis 1787, wo das alte in der Nähe desSchlosses gelegene Schauspielhaus abbrannte, auch das Schau-spiel in dasselbe verlegt wurde.
Da das Gebäude sich an andere Häuser anlehnt, alsokeine selbstständige Stellung hat, und ohnehin auch sein Aeußeresweder durch einen reichen architektonischen Schmuck, noch durchGroßartigkeit seiner Verhältnisse sich auszeichnet, so macht esnur einen geringen Effekt. In seiner Länge mißt es 160, inseiner Breite aber 125 Fuß. Erst im Jahre 1821, wo esdurchweg rcstaurirt wurde, erhielt es den auf der Seite derKönigsstraßc vortretenden von dorischen Säulen getragenenBalkon, sowie an der Nebenseite den zu den Eingangsthürenführenden bedeckten Gang. Die Bühne selbst hat 40 FußBreite, 43 Fuß Höhe und 155 Fuß Tiefe. Das sehr geräu-mige Amphitheater besitzt zu beiden Seiten vier übereinanderangebrachte Logenreihen, und in der Mitte, der Bühne gegen-über, die prächtig dekorirte fürstliche Loge. Ein kostbarer Kron-leuchter senkt sich in den Zwischenakten aus der Decke nieder,und verschwindet wieder auf demselben Wege, sobald der Vor-hang sich wieder hebt.
Die Glanzperiode des kasselschen Theaters fällt in dieZeit von 1821 — 1830. Von den vielen Sternen erster Größe,welche damals hier wirkten, ist aber jetzt nur noch einer übrig,Ludwig Spohr, der hochgefeierte Meister der Töne.
Zunächst dem Theater liegt
der / r i e d r i ch s p 1 a h.
Unter den vielen öffentlichen Plätzen Kassel's nimmt derFriedrichsplatz den ersten Rang ein; ja es möchten wohl auchausserhalb Kassel nur wenige Plätze sich finden, welche den-selben in der Größe seiner Ausdehnung und in der Prachtseiner Umgebungen übertreffen. Er bildet ein längliches Viereckvon 1000 Fuß Länge und 450 Fuß Breite und ist jetzt wie-der, wie ehemals, von drei Seiten mit Linden-Alleen um-kränzt. Das Bild, welches er von der Königsstraße, an welchesich seine nordwestliche Breite lehnt, dem Auge gewährt, istwahrhaft erhaben. Während rechts sich eine Reihe der freund-lichsten Häuser hinzieht, prangen diejer gegenüber, zur Linken,großartige Paläste. Zuerst erblicken wir die 1769 erbaute kur-fürstliche Winterresidenz (das ehemalige landständische Haus) mitihrem 1821 begonnenen, bis zum Dachstuhl aus Quadern aufge-führten großartigen Nebenbane. Die Mitte dieser Seite schmücktdas Museum mit seinem herrlichen Frontispiee. Weiter folgtdas Hofverwaltungs-Gebäude und, an dieses sich schließend, diekatholische Kirche. Die südöstliche Breite hingegen, auf welchersich nur das schöne Friedrichsthor befindet, liegt offen und ge-währt eine der herrlichsten Aussichten in's Fuldathal.
Ein großer Theil des Friedrichsplatzes gehörte ehemalszu den Festungswerken, namentlich zu der Bastion Zwehren-berg, während der übrige Theil nebst dem Raume, welchenjetzt die Oberneustadt einnimmt, mit Gärten bedeckt war. Nachdem Aufbaue der letztern entstand ein, die neue von der älternStadt trennender Platz, welcher mit Linden bepflanzt und dieEsplanade genannt wurde. Es war dieses der längs derOberneustadt und der jetzigen Königsstraßc sich hinziehende Theildes Friedrichsplatzes, welcher erst später, in Folge der Schlei-fung der Festungswerke auch nach der ältern Stadt hin erwei-tert wurde und dadurch seine gegenwärtige Gestalt erhielt.
In der Mitte des Platzes erhebt sich auf einem von einemEisengittcr umgebenen 22 Fuß hohen Piedestale das 15 Fußhohe Standbild des Landgrafen Friedrich II. Es besteht dasselbeaus weißem karrarischen Marmor und zeigt den Fürsten imrömischen Kostüme. Im Anfange der westphälischen Regierungwurde die Statue entfernt, nach Wiederherstellung des Kurstaatsaber, im Jahre 1818, wiederaufgestellt und mit einer daraufbezüglichen Inschrift versehen.
Gemeinlich werden fürstliche Standbilder erst nach demTode der betreffenden Personen und zwar von deren Nachfol-gern gesetzt; dieses jedoch entstand auf Kosten des Landes undnoch bei Lebzeiten des Fürsten. Es war im Jahre 1774, alsdie allergetreuesten Landstände eine Summe von 20000 Thalerbestimmten, um ihrem Fürsten ein Denkmal zu errichten. Mitder Ausführung wurde der Professor Nahl beauftragt und imJahre 1783 war es vollendet. Am Geburtstage Friedrichs, am
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