Begräbnissen diente, nächst den Thürmen an die nördliche Seitelehnten. Nachdem diese, der Krenzgang schon früher, dieSchule aber 1773, abgebrochen und 1819 der Kirchhof mit einerMauer umzogen und mit Bäumen und Sträuchen bepflanztworden, wurden in den Iahren 1833 und 1834 auch die süd-östlich von der Kirche gelegenen Gebäude, das alte 1421 erbauteKauf- oder Tuchhaus, das Spritzenhans und die Hauptwacheniedergerissen, und nach Wegschaffung jener Kirchhofs-Mauerund Ausrodung der die Kirche in üppiger Fülle umgrünendenPflanzungen der ganze Raum, so viel wie es seine abhängigeLage erlaubte, geebnet, und dadurch der Kirche nicht nur einevöllig freie Stellung verschafft, sondern auch dem die Kirche aufder Südseite umgebenden Platze, der frühere Ledermarkt, durchdie Vereinigung mit dem Kirchhofe eine größere Ausdehnungund eine gefälligere und regelmäßigere Gestalt gegeben, so daßdieser Platz, der hierauf 1838 statt seines bisherigen Namens,des Gouvernementsplatzes, den Namen St. Martinsplatzerhielt, sowohl durch seine Form, als auch durch die ihn um-gebenden Gebäude, unter denen sich ganz vorzüglich der Gast-hof zum römischen Kaiser auszeichnet, zu dem freundlichstenöffentlichen Platze in den älteren Theilen der Stadt gewordenist.
Ein anderes ebenwohl dem Dienste des Höchsten geweihtesund unbestritten zu den schönsten Werken der Baukunst, welcheKassel besitzt, gehöriges Gebäude, ist
die Synagoge.
Dieselbe liegt in der untern Königsstraße, nahe dem hol-ländischen Thore. Durch den Architekten Rosengarten im Jahre1839 vollendet, wurde sie am 8. August feierlich eingeweiht.
Sie zeichnet sich ebenso sehr durch die Reinheit und kon-sequente Durchführung des angewendeten Stpls, als durch dessenEinfachheit und durch ihre gefälligen Verhältnisse aus.
Die Länge des Gebäudes beträgt 139, seine Breite 72
Fuß.
Alle Fenster- und Thürumfassungen und sämmtliche Ge-simse sind von geschliffenen Quadern ausgeführt, ebenso diehochstrebenden Eck- und Mittelverstärkungen, welche aus abwech-selnden Lagen von rothen und Hellern Quadern bestehen.
Das Innere, in welches man durch eine Vorhalle tritt,wird durch zwei Reihen achteckiger Pfeiler in drei Schiffe ge-theilt, deren ganze Länge 99 und deren Breite 59 Fuß beträgt.Das mittlere Schiff ist mit einem Tonnengewölbe überdeckt,welches sich 51'/2 Fuß erhebt. Auch die Seitenschiffe haben vonPfeiler zu Pfeiler Tonnengewölbe, welche in das Hauptgewölbeeiisichneiden. Der Hintergrund des Mittelschiffs bildet einegroße von einer Halbkuppel überdeckte Nische von 31 FußDurchmesser, in welcher hinter einem Eisengitter sich das durchseine geschmackvolle Anlage auszeichnende Tabernackel befindet.
Die zwischen den Pfeilern angebrachten Emporbühnen sind vonPfeiler zu Pfeiler in Abtheilungen geschieden, von denen jedewieder drei Kasetten enthält.
Auch die ganze innere Dekoration macht einen höchst wohl-gefälligen Eindruck; alles ist einfach gehalten, aber zugleich anchwürdig. Der erste Blick auf das Gebäude läßt es als Gottes-haus erkennen und dessen ungeachtet wird es Niemand mit einerchristlichen Kirche verwechseln.
Ueber dem Giebel erheben sich die in Stein eingegrabenenzehn Gebote. Der Volkswitz sagt, dieselben seyen deßhalb sohoch gestellt worden, damit sie nicht übertreten würden.
Links der Synagoge erblickt man auf unserm Bilde einenTheil der Jnfanteriekascrnen, sowie jener schief gegenüber dieKriegsschule.
Von diesen Gebäuden wenden wir uns zu einem andernBauwerk der neuern Zeit, zum
Stände h a n s.
Dasselbe liegt in der in neuerer Zeit angelegten 189 Fußbreiten Friedrich-Wilhelmsstraße, welche durch drei Linden-Alleen beschattet wird.
Nachdem auf dem Landtage von 1833 der Entschluß zumBaue eines eigenen Ständehauses gefaßt worden, und man sichlange mit der in vieler Hinficht ansprechenden Idee getragenhatte, das Gebäude auf der Höhe des Weinbergs mit derFront gegen die Königsstraße aufzustellen, wurde statt dessenendlich eine Erweiterung der Stadt zwischen dem kölnischen unddem Königsthore beschlossen und in dieser neuen Anlage auchdem Ständehause ein Platz angewiesen. Unter den vielen ein-gezogenen Plänen wählte man zuletzt den des Hofbau-DirektorsNuhl. Im Jahre 1834 am 24. Juni wurde mit großer Feier-lichkeit der Grund gelegt, und nach Vollendung des Gebäudesam 22. November 1836 im Beiseyn der Stände die feierlicheEröffnung und Einweihung des Gebäudes von Sr. H. den,Prinz-Regenten vorgenommen.
Der Palast besteht aus zwei Theilen dem eigentlichenHause und dem diesem sich anschließenden Versammlungs-Saale.Das erstere ist 96 Fuß breit und 79 Fuß tief, das letztere aber99 Fuß lang und 42 Fuß breit. Das Aeußere entspricht demStyle der römischen Paläste der besten Kunstepoche. Im Nezde Chaussee liegen die im gothischen Geschmacke dekorirten Zim-mer des Landesherrn, das Archiv und die Wohnung des Pedel-len. Die Beletage, zu welcher eine breite steinerne Treppeführt, enthält die Zimmer für die Berathungen der Ausschüsse,und endlich das zweite Stockwerk die Wohnung des Landsyn-dikus. Der Sitzungssaal, der etwa 399 Zuhörer faßt, wirddurch Luft erwärmt und empfängt seine Beleuchtung durch dreiin der Decke des Gewölbes angebrachte Fenster.