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12 (1856)
Entstehung
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über dem Thurme hänge, wurde 1824 aufgesteckt. Derdritte Thurm steht über dem Chöre und ist nur von Holz.

Der Bau der Kirche begann mit dem Aufbaue des neuenStadttheils, die Freiheit genannt, und zwar an dem höchstenPunkte desselben, 71 rh. Fuß über dem Spiegel der Fulda.Im Jahre 1343 war wenigstens der Bau so weit gediehen,daß der Gottesdienst darin gehalten werden konnte. ZwanzigJahre später (1364), nachdem auch die neue Stadt schon vollen-det war, verwandelte der Landgraf die Kirche in ein Kollegiat-ftift, dessen Größe er auf zwölf Chorherren festsetzte, von deneneiner Dechant und ein anderer Scholaster seyn sollte. Mit die-ser Stiftung wurde die Kirche zugleich erweitert und nach dreiJahren an dem Sonntage voeem juounlliwtis von Neuem ein-geweiht. Dennoch war das Gebäude nur theilweife vollendetund sowohl der Chor, als die Thürme waren noch nicht vor-handen, mit deren Ausbaue nur langsam und mit öftern Unter-brechungen fortgefahren wurde.

Eine neue Belebung des Baues wurde durch eine Wall-fahrt veranlaßt, welche Landgraf Ludwig I. von Hessen imJahre 1420 nach dem heiligen Lande unternahm. Derselbeerwarb hier ein Stück des heiligen Kreuzes und erwirkte aufseiner Rückkehr in Rom vom Papste Martin einen reichen Ab-laß für seine Kirche. Jene wunderthätige Reliquie und dieVerkündigung des Ablasses, den das Konzilium zu Basel undspäter der Pabst Eugen erneuten, zogen viele Gläubige heran,denen die Last ihres Gewissens zu schwer wurde, und die from-men Gaben mehrten sich so reichlich, daß nicht nur für deuSplitter des Kreuzes eine silberue Lade gemacht, sondern auchin dem Baue der Kirche mit regerem Eifer fortgeschritten wer-den konnte. So wurde dann 1434 der Chor mit seinemThürmchen vollendet und das noch gegenwärtig vorhandeneKreuz mit dem Hahne darauf gesteckt. Als aber 1440 ein Theildes Kirchengewölbes einstürzte, wodurch viele Menschen theilsbeschädigt, theils getödtet wurden, konnte nur ein neu aus-gewirkter Ablaß und die unermüdliche Thätigkeit eines Neube-kehrten, des Arztes Leonhard von Schweinfurt, der Almosensammelnd Deutschland durchzog, die Mittel zum Wideraufbauherbeischaffen. Aber weiter reichten auch diese Mittel nicht, undman sah sich genöthigt, den einen Hauptthurm liegen zu lassen,um nur den andern aufführen zu können. Dessenungeachtet gediehdieser erst 1483 bis zum zweiten Umgang und erst zu Endeder Regierung des Landgrafen Philipp des Großmüthigen zuseiner gegenwärtigen Höhe, indem 1564 nicht nur das Geländerdes zweiten Umgangs, sondern auch der oberste achteckige Theil,gleichsam der Kopf des Thurmes, begonnen und im Jahre 1565vollendet wurde.

Im Jahre 1517 wurde mit dem Baue der noch heute vor-handenen Sakristei und der darunter befindlichen Gruft begonnenund noch 1519 damit fortgefahren, nachdem die frühere, das

sogenannte Gerbehaus, sowie auch ein nördlich sich an dieKirche lehnender Kreuzgang weggebrochen waren.

Die durch Landgraf Philipp in Hessen eingeführte Refor-mation machte auch dem St. Martinsstifte in seiner seitherigenVerfassung ein Ende und mit der 1525 erfolgten BestellungJohann's von Campis als Stiftspredigers eröffnete sich eine neuePeriode für die Kirche, welche anfänglich nur mit einem Geist-lichen bestellt, später drei Geistliche erhielt, welche noch bis zurGegenwart den reformirten Gottesdienst in derselben pflegen.

Während der Belagerung von Kassel im Jahre 1761wurde die St. Martinskirche von der französischen Besatzungerst als Lazareth und hernach als Mehlmagazin gebraucht, undder Gottesdienst bis zum November 1762 in der unterneustädterund zuletzt in der Schloßkirche gehalten.

Die gegenwärtige Einrichtung des Innern der Kircherührt aus den Jahren 1840 1842 her, wo dasselbe durch-aus restaurirt wurde.

Außer vielen andern Personen ruhen in der St. Martins-kirche, und zwar in zwei verschiedenen Grüften, auch die hessi-schen Fürsten von dem Landgrafen Philipp dem Großmüthigen,dem großen Fürsten der Reformation und dem Stammvater derbeiden hessischen Hauptlinien, an bis auf den Landgrafen Wil-helm VIII., dem Fürsten des siebenjährigen Krieges, von derenGrabmälern sich vorzüglich das Philipp's und seiner Gemahlin aus-zeichnet, welches ihnen von ihrem Sohne dem edlen Landgrafen Wil-helm IV. oder Weisen im Jahre 1570 errichtet wurde. Dasselbesteht an dem Ende des Chores, wo es sich bis zum Gewölbeerhebt und ist durchweg aus Marmor und Alabaster gearbeitet,aber, was dem Effekte des Werkes Eintrag thut und doch inBerücksichtignng des Geschmacks der Zeit seiner Entstehung ihmauch nicht gerade zum Vorwurf gemacht werden kann, zu sehrmit Allegorien und biblischen Schildereien überladen. Zu denSeiten eines großen marmornen Sarkophags stehen in Säulen-nischen die beiden lebensgroßen Statüen Philipps und seinerGemahlin Christine von Sachsen, und hoch an der Spitze desGanzen prangt über dem hessischen Wappenbilde der knochigeTod, als der allmächtige Gebieter über alles Lebendige, mitStundenglas und Pfeil.

Das Vermögen des Stifts St. Martin, welches durch eineneigenen Stiftsrentmeister verwaltet wird, ist ziemlich ansehnlich,und die jährlichen Einkünfte werden, nach Abzug der ständigenBesoldungen, in zwölf Kanonikate vertheilt, von denen elf vonGeistlichen bezogen werden, das zwölfte aber zur Unterhaltungder kirchlichen Gebäude bestimmt ist.

Die zur Martinskirche eingepfarrte Gemeinde, die soge-nannte Freiheiter-Gemeinde, ist unter den sieben GemeindenKassels die größte und zählt etwa 10,000 Glieder.

Früher wurde die Kirche noch von andern Gebäuden um-schlossen, von denen sich die schon im vierzehnten Jahrhundertvorhandene Schule und ein Kreuzgang, welcher vorzüglich zu

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