Druckschrift 
12 (1856)
Entstehung
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Am 14. Juli standen die sämmtlichen Bundesgenossen vorKassel. Ohne das Fußvolk zählte man an 2400 Ritter undKnappen. Bereits am nächsten Tage unternahm man einen all-gemeinen Sturm, aber sowohl dieser, als auch noch ein zweiter,welchen man versuchte, war erfolglos, und ebenso wirkungslosüberschüttete man die Stadt mit Steinkugeln und Feuerpfeilen.Dessen ungeachtet hätte die Stadt doch zuletzt der Uebergewaltunterliegen müssen, da an eine Hülfe von Aussen nicht zu den-ken war. Das mochte auch die Landgräsin Margarethe einsehenund fie schritt deßhalb hinaus in das thüringische Lager undtrat vor ihren Verwandten uns Brautwerber, den LandgrafenBalthasar, und machte demselben die bittersten Vorwürfe. Sieerinnerte ihn an die Zeiten, wo ihr Gemahl ihm beigestandenhabe und warf ihm den Undank vor, den er jetzt an demselbenbegehe; auch mahute sie ihn daran, daß er es gewesen sey, dersie in's Hessenland geführt, aus dem er fie jetzt wieder ver-treiben wolle und behauptete, daß ihn nur die Gier nachden hessischen Landen zu diesem Kriege treibe. Durch ihre Redesoll der Laudgraf so überwältigt worden seyn, daß er das Ver-sprechen gegeben habe, sich von den Feinden zu trennen. Abermehr als dieses scheint doch die getäuschte Hoffnung, bereiteFreunde zu finden, welche die Thore der Stadt öffnen würden,und der schlechte Fortschritt der Belagerung auf den Entschlußder Fürsten gewirkt zu haben. Die Belagerung wurde aufge-hoben und schon am 19. Juli brachen die Heere von Kasselwieder auf und zogen nach der Diemel. Noch an demselben Tagewurde dort das Städtchen Jmmenhausen erstürmt und nieder-gebrannt; ein Sturm auf Grebenstein aber wurde zurückge-schlagen.

Der Landgraf, von allen mächtigern Bundesgenossen ent-blößt, vermochte sich nur zu vertheidigen und sah darum keinenAusweg, als einen Frieden einzugehen, wie seine Feinde ihnverlangen würden. Und dieses geschah denn auch schou am22. Juli, aber nur mit dem Erzbischofe von Mainz und dessenBundesgenossen, dem Erzbischofe von Köln, so wie den vonAsberg, von Buchenau, von Eisenbach, von Baumbach, vonSchlitz, von Boineburg, von Padberg, von Malsburg und demkühnen Ritter Konrad Spiegel. Unter andern Bestimmungen die-ses Friedens, denen sich der Landgraf unterwerfen mußte, warauch die, daß er dem Erzbischofe bis auf nächste Weihnachten20,000 Gulden Kriegskosten zahlen und daß er dafür die StädteGrebenstein, Jmmenhausen und Wolfhagen als Pfand einsetzensollte. Weiter mußte Hermann auf die vou Mainz in Anspruchgenommenen Territorien verzichten und versprechen die Geistlichkeitfernerhin nicht mehr zu bedrängen.

Mit Braunschweig und Thüringen wurde dagegen nurein Waffenstillstand geschlossen, in welchem der Landgraf Bal-thasar auch seine Eroberungen an der Werra und die vertrie-benen kasselschen Bürger mit aufnahm. Erst nach zwei Jahrelangen Verhandlungen und mehrmaliger Verlängerung der

Waffenruhe einigten sich Thüringen und Hessen dahin, ihregegenseitigen Beschwerden dem Ausspruche eines Schiedsgerichtszu unterwerfen. Dieser Ausspruch erfolgte dann auch am 2. Julil387. Darnach sollte die Erbverbrüderung zwischen Thüringenund Hessen wieder hergestellt, die eroberten Städte wieder zurück-gegeben und die aus Kassel Vertriebeneu volle Verzeihung er-halten, daselbst wieder aufgenommen und in alle ihre Güterwieder eingesetzt werden. Nur 20 Bürger wurden vorerst nochvon der Amnestie ausgeschlossen, über welche das Schiedsgerichtsich noch einen besonderen Spruch vorbehielt.

Obwohl Landgraf Hermann gleich nach seiner Rückkehrnach Marburg, wo er meist seinen Sitz hatte, die Städte zueinem Tage entbot, welcher am 16. Juli statt fand, und dreiTage nachher eine Einigung derselben mit den Würzburgischenund fuldischen Städten zu gegenseitiger Hülfe bestätigte, sokam er jenem schiedsrichterlichen Spruche denuoch nicht nach.

Die unmittelbare Folge dieses Bruchs war, daß die Für-sten von Thüringen, Mainz und Braunschweig in einer Zu-sammenkunft zu Eschwege ein neues Bündniß schlössen.

Von beiden Seiten wurde von Neuem gerüstet. Um ins-besondere die thüringische Straße nach Kassel zu decken, hatteder Landgraf schon 1386 zu Lichtenau eiue neue Burg aufge-richtet und diese dem Ritter Werner von Hanstein zur Verthei-digung übergeben.

Bereits Mitte August 1387 erfolgten die Kriegserklärungenund damit zugleich auch der Aufbruch der Heere.

Am 26. August wurde Notenburg, am 27. Messungengenommen und am 28. vereinigten sich die drei verbündetenHeere vor Kassel und schlugen unter dem Weinberge ihr Lagerauf. Aber wiederum waren alle ihre Anstrengungen vergebensund schon am 2. September sahen sich die Fürsten genöthigt,die Belagerung wieder aufzuheben. Der Erzbifchof griff aufseinem Rückzüge noch an demselben Tage Gudensberg an, aberer vermochte nur die Stadt und die Wenigenburg zu gewinnenund zu zerstören, die Oberburg, durch deu tapferen Eckabrecht vonGrifte vertheidigt, trotzte aber seinen Angriffen. Dagegen wur-den am 3. September Burg und Stadt Niedenstein erobert unddie erstere niedergebrannt.

Es folgten nun neue durch ein ganzes Jahr sich hinzie-hende Friedensunterhandlungen, aber sie führten zu keinem Zieleund wiederum begannen die Kriegsrüstungen. Zum drittenmalesehen wir am 6. Oktober 1388 den Landgrafen Balthasar undden Herzog Otto und mit ihnen auch Kurt Spiegel, den Ritter,15,000 Mann Fußvolk und 2500 Ritter zählend, vor Kassel erschei-nen. Die unglückliche Stadt wurde wieder bestürmt, wiederbeschossen, aber mit nicht größerem Erfolge wie früher undschon nach drei Tagen hob man die Belagerung wieder auf.

Dessen ungeachtet mußte Landgraf Hermann einen neuenFrieden eingehen und 20,000 Gulden Kriegskosten übernehmen.