schen Landgrafen an die Erfüllung ihrer übernommenenVerpflichtungen und wußten sogar die benachbarten Fürsten, dieHerzöge von Braunschweig und die geistlichen Fürsten vonMainz, Köln, Trier, Münster w. für sich zu gewinnen. DieMittel, durch welche ihnen das gelang, waren leider nicht dielautersten. Die schweren Unbilden, welche sie erfahren, derVerlust von Hans und Hof, die Trennung von Weib undKind, die unversöhnliche Verfolgung, welche sie auch selbst ausserden Gränzen der Heimath keine Nnhe finden ließ, alles dieseshatte anch in ihnen die Leidenschaft aufgeregt; es galt ihnennicht mehr ihre alten Rechte und Freiheiten, höher als diesenoch stand ihnen schon die Rache und als ihr nächstes undhöchstes Ziel galt ihnen nur noch die Vernichtung ihres Zwing-herrn und seiner Anhänger. Um dieses Zieles willen setzten siealles aus den Augen und schracken deßhalb auch nicht vor demUntergange ihres Vaterlandes zurück. Das Mittel aber, wo-durch sie jene Fürsten für sich gewannen, war kein anderes, alseine in Aussicht gestellte Theilung des Hessenlandes.
Bereits im Herbste 1384 waren die Vorzeichen des nahen-den Sturmes zu erkennen. Allenthalben ringsum war rührigeBewegung zu bemerken. Während man von Kassel aus diehessischen Städte mahnte ihre Einigungsbriefe in die Hände desLandgrafen zu liefern und alles aufbot auch in den Besitz derin den Händen der Flüchtigen befindlichen Urkunden zu gelangen,waren letztere bemüht ihre Anhänger im Lande und insbesonderein Kassel zu sammeln.
Noch vor dem Ablaufe des Jahres 1384 sagten die Land-grafen von Thüringen die mit dem hessischen Hause einge-gangene Erbverbrüderung auf und frei und offen wurden nunvon allen Seiten die Rüstungen zu dem bevorstehenden Kampfebetrieben.
Daß man es auf nichts geringeres als auf seine Vernichtungabgesehen habe, war dem Landgrafen Hermann nicht verborgengeblieben. Verathungen darüber, welche einer seiner Beamtenbehorcht, waren ihm schon frühe mitgetheilt worden. Er hattedeßhalb volle Ursache sich im größten Maße auf das drohendeUnwetter vorzubereiten und das um so mehr, als er allermächtigen Bundesgenossen entbehrte. Alle Städte und Burgenwurden mit Kriegsbedarf reichlich versehen, vor allen aber Kas-sel. Dieses wurde stärker befestigt, ein Theil der Thore wurdevermauert, auch alle Gebäude, welche vor der Stadt lagen,wurden niedergerissen. Aber damit begnügte sich Hermann nochnicht. Um den Adel, überhaupt um die Kleinen leichter fesseln zukönnen, erwirkte er vom Kaiser die Vollmacht für sich den inWestphalen bestehenden Landfrieden auch auf Hessen auszudehnenund einen Landrichter einzusetzen, der im Namen des Kaisersrichte.
Bereits im Frühjahre 1385 begann der kleine Krieg; derHauptsturm aber erhob sich erst im Sommer.
Nachdem gegen Ende Juni die Fehdebriefe seinerGegner in des Landgrafen Hände übergeben, brachen diefeindlichen Heere von allen Seiten über die hessischenGränzen herein. Dieselben zogen in drei Hauptgruppen heran,deren Führer Thüringen, Braunschweig und Mainz waren.Unter dem mainzischen Banner standen die Erzbischöfe vonKöln und von Trier, viele Grafen und Edelherren, fuldischeund Hersfeldische Hülfstruppcn, und aus den hessischen Landenunter andern auch die von Lisberg, von Buchenan, von Eisen-bach, von Baumbach, von Schlitz, von Boineburg, von Mals-burg ?c., also die mächtigsten Geschlechter. Als Ursache desKrieges bezeichnete Mainz Territorialstreitigkeiten am Neinhards-walde und um Amöneburg und daß der Landgraf die Geistlichkeit be-dränge; Herzog Otto von Brannschweig entnahm den Grundzu seiner Kriegserklärung einem Streite der von Kolmatsch,seiner Diener, mit dem Landgrafen. Unter seinem Banner zo-gen die Bischöfe von Münster und von Osnabrück, die Grafenvon der Mark w. Nur der Landgraf Balthasar von Thüringenerklärte, daß er komme, um den bedrängten Eidgenossen die ihmals Pflicht obliegende Hülfe zu bringen.
Der Feldzug schien einen um so sicherern Erfolg zu ver-sprechen, als eine ansehnliche Partei in Kassel nur das Erschei-nen der Heere erwartete, um sich der Thore und Thürme zubemächtigen und mit den Belagerern gemeinsame Sache zumachen. Aber diese Absicht wurde verrathen und noch vor ihrerAusführung vereitelt.
Inzwischen näherten sich die feindlichen Heere ihrem Ver-einiguugspuukte, der Hauptstadt des Landes. Am 8. Juli trafenvon Münden her der Herzog von Braunschweig, von Fritzlarher ziehend der Erzbischof von Mainz vor Kassel ein, währendan demselben Tage das thüringische Heer die Werra überschritt.Das letztere eroberte sofort das Städtchen Sontra und das indessen Nähe liegende Schloß Berneburg; Eschwcge dagegen öff-nete dem Landgrafen Balthasar freiwillig seine Thore und be-grüßte ihn als Befreier.
Der eschwegische Stadtrath that dieses noch an demselbenTage den übrigen Städten kund und forderte sie aus, seinemBeispiele zu folgen. Er zählte bei dieser Gelegenheit alle Be-schwerden gegen den Landgrafen auf. Daruuter werden manich-fache und sehr bedeutende Gelderpressungen, die gewaltsameEinsetzung eines neuen Stadtraths, der Aufbau einer Burg inder Stadt, die Verurteilung von Bürgern durch nicht zustän-dige Gerichte, die Schlagung von Münzen unter dem Nenn-werte und noch viele andere Klagen aufgeführt. An der Spitzeaber stand die Vertreibung der eidgenossischen Brüder aus Kassel.Man habe — erklärte der Stadtrath weiter — die Bcdrücknn-^ gen des Landgrafen nicht länger ertragen können und deßhalb! sich von demselben losgesagt und dem Landgrafen von Thürin-gen zugewendet, dem man ja ohnehin schon durch die Erbver-j brüderung zu Gehorsam verpflichtet sey.