aber nur entfernt als Schüler von Leibnitz gelten darf. Seine Nach-folger in Halle waren die Philosophen der Aufklärung, unter ihnenAug. Eberhard (-j- 1809) und Maaß (-j- 1824), letzterer schon an-gehaucht vom kantischcn Geiste, während Spinoza, Schelling und Fichtehier keinen rechten Boden zu gewinnen vermochten. Die späteren halle-schen Philosophen sind meist Kommentatoren Kants, viele nickt ohneGlück und Gesckick, bis die hegelscke Philosophie an Hinrichs (seit1824), Rosenkranz (von 1828 — 1833), Erd mann (dem Manne der geist-reichen Paradorie), Rüge, dem muthigen und nicktmuthigenJunghegelia-ner, und Anderen ihre Vertreter fand. Unter den N a turfo rsck ern ragenhervor der bekannte Botaniker Curt Sprengel, der Physiker und Er-finder des Multiplikators Schweigger, der freisinnige Zoolog Bur-m eister, durck seine Ansickt über die Weltschöpfung ein Dorn im Auge deralten Theologie, durch seine Leistungen eine Zierde per Universität. Es sinddie Mediciner übrig: Friedrich Stahl (st 1734) ein glücklicher undgeschickter Arzt, zugleich der Begründer der ersten chemischen Theorie,welche der Lavoisier'schen weichen mußte, seine Schüler Friedr. Hoff-mann (st 1742) und Alberti, später der berühmte Begründer der Ner-ven- und Gehirnlehre, Reil (ging 1809 nach Berlin), der bekannteAnatom Meckel, der tüchtige Augenarzt Dzondi, per praktische undscharfblickende K ruke n b e rg, der Physiolog und Blutlehrer Volkma n n.
Obgleich der Etat der Universität (jetzt 70000 Thaler, meist Zuschußaus der Staatskasse) von Zeit zu Zeit gestiegen ist und namentlichFrievrick Wilhelm l!i, ihr seine besondere Gunst zuwandte, so hat sichdoch in der letzten: Zeit die Zahl der Studircndcn auffallend ver-mindert: noch in den letzten zwanziger Jahren studirten in Halle an 900Theologen, jetzt sind es deren nur 330. Uebrigens aber ist die Geschichteder Stadt seit dem 16. Jahrhundert auf das Engste an die Eristenz derUniversität geknüpft, welche vielleicht auck auf den Charakter der Hallen-ser nicht ohne Einfluß geblieben ist. Das Salz soll eine gewisse That-kraft, die Wissenschaft dagegen eine gewisse Redseligkeit geweckt haben.Wir lassen das hier dahin gestellt: wir haben es fortan mit den äußerengeschichtlichen Ereignissen zu thun, und diese sind wesentlich durch dieUniversität bedingt. Die in Halle gegründete Universität war theilwcisdie Veranlassung, daß König Friedrich Wilhelm I. das Konsi-storium und die Provinzialregierung 1714 glaubte nach Magde-burg verlegen zu dürfen; nicht sie, sondern vielmehr der Geist ver Zeitwar es, daß derselbe den nicht zur Landeskasse gehörigen Antheil derSoole aus dem Mannlehcn in erbliches Eigenthum verwandelte (1722).Dagegen spielten die Wolffischen Händel meist auf der Schaubühneder Universität, obgleich von ihnen auch die ganze Stadt auf das Leb-hafteste bewegt ward. Angestachelt nämlich durch pietistische Theologenund Generale, befahl der übel berichtete König am 8. November 1723,daß der „atheistische" Mann binnen 2 mal 24 Stunden, „bei Strafe desStranges", Halle und die königlichen Länder mit seiner schwangerenFrau verlassen sollte, was er auch dem strengen Gebieter gegenüber so-fort that und von den zahlreichen Einladungen die nach Marburg an-nahm. Von hier berief ihn der große Friedrich sofort nach seinem Re-gierungsantritte nach Halle zurück, wo er am 0. December 1740 vonUniversität und Stadt im Triumphe eingeholt ward. — Obwohl Friedrich!l, von deutscher Wissenschaft nickt viel hielt unv materiell für Hallewenig that, so förderte er die Wissenschaft dennoch ungemein durch dieZulassung neuer und freier Ideen.
Nachdem der 1. schlesiscke Krieg die Stavt nur sehr indirekt berührthatte, brachte der 2te die preuß. Armee unter dem Fürsten von Dessauin ihrer Nähe, wo sie vor dem Siege bei Kessclsdorf ein Lager bezog.Vor der Schlacht bei Roßbach, am 29. Okt. 1737 sah sie in der Reichs-armee des Prinzen Soubise, welcher eine an ihn abgesandte Deputationnicht ohne Galanterie behandelte, die ersten Feinde, die indeß noch vorder Schlacht abzogen und sich mit einer mäßigen Kontribution begnügten.^ Der 4. August 1738 brachte ein östreichisches Korps unter dem ObristCtwös nach Halle: dasselbe trieb jedoch von den geforderten 200000Thalern nur 10000 ein und verließ die Stadt am 7. Okt. SchwererWille das Jahr 1739 werden. Am 1. August desselben rückre ein starkes
h feindliches Korps unter General Weezey ein, und mit ihm kam derkaiserl. Kriegs-Kommissar Koschin von Freidenfeld in die Stavt, welcher! sofort binnen 48 Stunden eine Summe von 300000 Thalern forderte,i Da man nur geringe Posten auf einmal abliefern konnte, so ward am2. August der Rath eingekerkert, a n 4. August mit ihm eine Anzahl vonNotabeln. Zwar setzte General Rosenfeld, welcher am 7. August fürWeezey das Kommando übernahm, die Kontribution auf >30000 Thalerherunter, setzte am 9. aber, da nicht Alles bezahlt werden konnte, dieHäupter der Universität und 38 Kaufleute, unter ihnen Wittwen, in denKellerräumen des Rathhauses gefangen, und entließ die Professoren erstam 12. August ihrer Haft, wogegen er 3 Geißeln fortführen ließ. Fasttäglich rückten neue Truppen ein unp forderten Beköstigung. Das Ge-traide stand überreif auf dem Halme, aber man hatte keine Wagen undPferde mehr, um es einzubringen, bis der Markgraf von Baden-Durlach^ diesem Mangel in Erwas abhalf. Am 28. August zog endlich ver Feinv! ab, nahm aber mehrere Geißeln mit, meist alte, gebrechliche Männer. -I Jetzt trat eine Panse von gerade einem Jahre ein; denn am 28. Aug.1700 rückte mit verschiedenen Völkern der General Luzinsky heran undforderte sogleich 50000 Thlr. rückständiger Kontribution. Als man diesenicht sofort aufbrachte, erfolgte von Neuem Plünderung und Arrestationdes Raths, bis endlich Luzinsky durch General Varel und dessen Gattinsich zu einem menschlicheren Verfahren bewegen ließ. Bis zum 0. Sept.waren mit Noth 33000 Thaler eingetrieben; aber die Erekutions-Ein-quartirung gegen die Restanten ward nur umso drückender; und als dieStadt am 7. Sept. die verlangte Summe abgetragen zu haben glaubte,trat Kosckin mit einer Nachforderung von 43000 Thlrn. auf, wozu außer-dem noch eine ungeheure Quantität von Brod, Heu u. s. w. geschafftwerden sollte. Am 7. Sept. zogen die Peiniger zwar ab, allein Koschinschickte der Stadr eine neue Forderung von 230000 Thlrn. zu, und kamam 12. Sept. zum Entsetzen ver armen Stadt zurück, bald nach ihm derHerzog von Würtemberg, welcher binnen einiger Stunden 100000 Thlr.verlangte. Da man nur wenig abliefern konnte, rückten am 13. Sept.die angedrohten Erckutionstruppen ein, von denen manches Haus 40Mann aufnehmen mußte. Obgleich bis zum 16. Sept. 51000 Thlr. ab-geliefert waren, ließ sich dennoch Koschin in seiner blutsaugerischen Wuthsogar zu thätlichen, persönlichen Mißhantlungen des geängstigten Raths-meisters Möschel fortreißen. Nachdem am 19. Sept. wieder 28000 Thlr.gezahlt waren, zogen die Peiniger am folgenden Tage ab. Bald indeß,am 11. Okt., rückten die Otto'schen Jäger ein und hausten entsetzlich.Ihnen folgte am 12. Koschin und forderte 200000 Thlr. Da Noth undEntsetzen auf das Unerhörteste stieg, flüchteten nicht nur viele Bürgerheimlich aus ver Stadt, sondern gaben sich auch mehrere den freiwilligenTod. Endlich unterdrückte General Kleefeld die Plünderung, so daß manam 24. Okt. wieder 29000 Thlr. zahlen konnte. Am folgenden Tageverließen die Feinde plötzlich die Stadt, welcher nun ein Jahr der Er-holung gegönnt ward, nachdem vom August 1739 an über 300000 Thlr.waren erpreßt worden. Am 7. Okt. 1761 erschien Weezey wieder undmit ihm Koschin, der eine Forderung von 208000 Thlr. stellte, von wel-chen bereits am 8. Okt. 32000 Thlr. abgeliefert wurden. — Noch ein-mal, im April 1762, sollte die ausgemergelte Stadt heimgesucht werden,als einzelne Abtheilungen der Otto'schen Jäger nicht bloß bedeutendeBrandschatzungen eintrieben, sondern auch mehrere Geißeln fortschleppten,von welchen 4 aus Gram und Elend zu Nürnberg starben. Endlichschloß der Hubertsburger Friede 1763 das grausame Trauerspiel; dieStadt erhielt 1764 und 1766 zusammen 80000 Thlr. Kriegsentschädigung.Als nach Beendigung der Kriege der große König seine Sorge der ma-teriellen Wohlfahrt des Landes die Hauptsorge zuwendete, geschah esauch, daß die sogenannten Königlichen Salinen errichtet wurden, inwelche die Brunnen der Stadt ein bestimmtes Quantum an Soole zuliefern haben. — Sofort aber nach Friedrich's 1l. Tode brach eine Zeitder geistigen Drangsale über Universität und Stadt herein, indem derneue König Friedrich Wilhelm II., durch die orthodore Hofparteibestimmt, unter dem 9. Juli 1788 das sogenannte Religions-Edikt,in Verbindung mit anderen Maaßregeln, erließ, wobei es vorzugsweise