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12 (1856)
Entstehung
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Ihm folgte 1553 in der erzbischöflichen Würde Sigismund, wel-chi>r seiner Neigung für die Reformati o n um so freier folgen konnte,als nach dem Ueberfalle des Kaisers durch Moritz 1552 der PassauerVertrag aufgerichtet worden war. Nachdem er 1555 die erste eigent-liche, auf dem alten sächsischen Reckte ruhende, Prozeß-Ordnung,hauptsächlich behufs einer schnellen und wohlfeilen Erledigung der Rechts-streitigkciten, für das Erzftift erlassen hatte, führte er die Reformation1561 fast völlig durch, trat selbst zu der n e u e n K o n fe ssi o n über,und ließ 1565 eine Kirchenvisitation halten, bei welcher namentlich dieBerufung und Besoldung der Prediger näher geordnet ward. Außerden Katholischen waren auch die Bärte der Evangelischen seine Feinde,so daß er diese, ausgenommen bei den Predigern, fast in moderner rus-sischer Manier abnehmen ließ. Er starb 1566 zu Halle und ward inder Schloßkapelle der Moritzburg beigesetzt. Ihm folgte JoachimFriedrich, ein Sohn des Kurfürsten Johann Georg zu Brandenburg,als Erzbischof oder, wie man es von jetzt ab auch zu nennen pflegte,als Administrator, und führte, nachdem er sich 1570 vermählt hatte,die Reformation weiter durch. Unter seiner Verwaltung ward auchHalle von dem Streite über die Concordicnformel stark berührt.Da dem Administrator viel an ihrer Einführung lag, die meisten halle-schen Prediger aber, unter ihnen namentlich der Superintendent Majus,sich heftig widersetzten, so brachte er es dahin, daß der letztere, desCalvinismus verdächtig, l578 entlassen wurde, und die übrigen sichfügen mußten. Nachdem er 1598 seinem Vater in der brandenburgi-schcn Kurwürde gefolgt war, bewirkte er beim Domkapitel die Wahlseines Sohnes Christian Wilhelm, welcher zwar 1618 als Erzbischofresignirte, aber bald darauf als Administrator wieder gewählt ward.Unter ihm brach jetzt der dreißigjährige Krieg aus. Zwar wurdedie Stadt anfangs nicht sofort von dem Waffengetümmel berührt, aberdafür desto empfindlicher von der Theurung und der Kipper- undWipper-Noth, so daß es 1622 in der Stadt zu einem gegen dieWucherer gerichteten Aufstande der Halloren und Soldaten kam,wobei mehrere Häuser geplündert wurden, und der Administrator nurdurch sein persönliches Erscheinen die Ruhe wieder herstellen konnte.1625 trat er, gegen den Willen der Stadt, dem niedersächsischenBunde unter Christian von Dänemark bei, und ließ unter anderenStädten auch Halle in Vcrtheidigungszustand setzen. Als jetzt einekaiserliche Armee heranzog, wollten sich die Hallenser anfangs zwarbis auf den letzten Mann wehren, übergaben aber am 25. Oktober 1625die Stadt ohne Schuß und Schwertstreich, und mußten sich die sofortigeEntwaffnung und schwere Contributionen gefallen lassen, welche derStadt allein in den Jahren 1625 bis 27 an 4 Tonnen Goldes kosteten-Als der zur Entsetzung heranziehende Graf von Mansfcld am 15.April 1626 bei Dessau geschlagen wurde, stieg die Noth und die Con-tribution nur um so höher, so daß selbst der Rath in das Ge-fängniß gelegt ward, bis endlich der Kaiser selbst einen milderenBefehl erließ. Da Christian Wilhelm schon 1625 das Erzftift hatte ver-lassen müssen, so wählte das Domkapitel 1628 den kursächsischen PrinzenAugust zuin Administrator; allein diesen rekusirte Kaiser Fer-dinand II,, und setzte seinen eigenen Sohn, Erzherzog LeopoldWilhelm, zum Administrator ein, welchem die Stadt huldigen mußte,und welcher das Restitutions-Edikt von 1629 mit großer Strengedurchführte. Die Noth der Evangelischen stieg von allen Seiten. Dalandete König Gustav Adolph 1630 auf deutschem Boden, und mitihm Administrator Christian Wilhelm, welcher am 7. August desselbenJahres auch nach Halle kam, sich mit Hilfe der Halloren der Thore be-mächtigte und die kaiserliche Besatzung auf der Moritzburg zu belagernanfing. Ohne diese gewonnen und den Rath zur Huldigung bestimmt»u haben, eilte er am 16. August bei der Annäherung eines kaiserlichenHeeres wieder fort. Bald nach dem Einzüge der Kaiserlichen kamrs Zwilchen diesen und den Halloren am 13. September in der HalleZU einem blutigen Streite. Die Halloren errichteten Barrikaden undwehrten sich auf das Tapferste, mußten aber, als die von ibnen gerufenenouern aus der Umgegend am Zuzuge gehindert wurden, aus der Stadt

Hallt.

flüchten. Noch vor Passendorf wurden sie durch die kaiserlichen Reiter ein-geholt, und theils niedergehauen, theils gefangen. Wiederum mit Hilfe derHalloren drang am 8. Oktober der Obrist Christian Wilhelms, Bock,in die Stadt, machte an 200 Kaiserliche in den Straßen nieder undnahm den Rath gefangen, mußte aber schon am folgenden Tage dieStadt verlassen, als ein Schwärm Kaiserlicher herbeieilte, welcherdie Stadt zum Theil ausplünderte.

Als nach der Erstürmung Magdeburgs veu 10. Mai 1631Tillp sich vor dem Sckwedenkönige zurückzog, kam er am 25. Augustauch nach Halle, welches er jedoch am 2. September wieder verließ, umsich bei Leipzig zu lagern. Hier von Gustav Adolph am 7. Septembergeschlagen, kam er auf seiner Flucht noch am Abende desselben Tagesnach Halle, wo er sich seine Wunden verbinden ließ. Am 9. Septemberrückten die ersten Schweden ein, und am 10. folgte der Königselbst, dem sich am 11. die Moritzburg ergab. Gegen die Stadt imhohen Grade ausgebracht, weil der Rath dem Administrator ChristianWilhelm die Huldigung verweigert hatte, ließ er sich nur durch vielesBitten des Raths endlich zur Versöhnung stimmen, und nahm am 13.September die Huldigung ein, nachdem er am ll. in der Domkirche vorsich hatte predigen lassen. Als er am 17. September wieder abzog, ließer eine schwedische Besatzung auf der Moritzburg zurück, welche zwarden stürmenden kaiserlichen Obrist Hatzfeld abschlug sim Oktober); alsaber Wallenstcin kurz darnach den Grafen Pappen heim vor die Stadtschickte, drang dieser am 5. November in dieselbe ein, und verwüsteteeinen großen Theil der Häuser unter Mord und Plünderung. DieRache hätte weit schlimmere Folgen gehabt, wenn nicht Gustav Adolphwieder herangezogen wäre. Als dieser bei Lützen am 6. November1632 gesiegt, aber sein Leben verloren hatte, kam am 4. Januar 1633der schwedische Kanzler Orenftirn mit 10000 Mann nach Halle, zogaber am I I., nicht ohne manche Belästigung für die Stadt, wieder ab,worauf am 13. August der kaiserliche Obrist Breda einrückte, einestarke Contribution eintrieb und sich nur mit Mühe von der Plün-derung abhalten ließ. In Folge des Prager Friedens zwischendem Kaiser und dem Kurfürsten von Sachsen legte 1635 der schwedischeGeneral Banner seine Armee in und bei Halle ins Quartier, zogjedoch wieder ab, als der Kurfürst von Sachsen heranrückte, welcherdie Stadt besetzte, und am 22. September desselben Jahres die Moritz-burg durch Capitulation gewann. Als hierauf am 18. Januar 1636die große kaiserliche kursächsische Armee in und vor Halle an-gekommen, am 9. aber, nach Hinterlassung einer Besatzung auf derMoritzburg, weiter gezogen war, eilte wiederum Banner herbei undbegann die Belagerung der Burg, welche er indeß wieder aufhob,als der Kurfürst von Sachsen heranzog. Jetzt lagen nun die bei-den Armeen 8 Wochen sich an der Saale bei Halle gegenüber, ohnejedoch etwas Wesentliches auszurichten, die sächsische auf dem rechten,die schwedische auf dem linken Saalufer. Als Banner am 4. Märzseine Stellung verließ, wobei er die nächsten Dörfer bei Halle nieder-brannte, ging auch die durch kaiserliche Truppen verstärkte sächsischeArmee am 31. März aus ihrem Lager. Am Ende des Jahres kehrtenindeß die Schweden zurück, besetzten die Stadt und begannen am l. Januar1637 die Belagerung der Moritz bürg, welche am 7. Januar durchdie Unvorsichtigkeit der Besatzung in Brand gerieth und noch an dem-selben Tage sich ergab. Nach vielen Bedrückungen und Gewaltthätig-keiten zog Banner am 5. Mai von der Stadt wieder ab, ließ aberauf der Moritzburg unter dem Hauptmann Wancke eine Besatzung von150 Mann zurück, welche sich eine lange Zeit gegen den, zur Eroberungabgeschickten sächsischen Obrift-Lieutenant von Ponickau tapfer wehrte,bis er sich am 27. Oktober, und zwar nur in Folge einer List, ergab,und freien Abzug nach Hamburg zugesichert erhielt, ein Versprechen,welches man aber nicht erfüllte, indem man ihn in ein Gefängniß legte,aus welchem ihn indeß die Halloren bei nächtlicher Weile befreiten.Man fand in der Burg nur noch 19 gesunde Soldaten. Die Burgblieb indeß nicht lange in dem Besitze der Sachsen; am 21. März >639ward sie durch die Schweden wieder mit stürmender Hand erobert.