geringe Summe zusammen, aber kein Heller ward gegen die Türkenverwendet, alles ward verjubelt und verpraßt.
War schon unter Ernst dessen Kirchen-Visitation und Kirchen-Ord-nung vom I. 1505 ein Zeichen der gräulichsten Verweltlichung undVerderbniß der katholischen Kirche, so zeigte sich dies noch mehr unterseinem Nachfolger Albrecht V,, einem Sohn des Kurfürsten Albrechtvon Brandenburg, welchen das Domkapitel nur unter einer sehr be-engenden Capitulation wählte. Als ihm Papst Leo X. zur Aufbringungdes KaufgeldeS für daS Pallium erlaubte, Ablaßbriefe auszugeben,wählte er zu diesem Geschäft den berüchtigten, aber vielgewandtenTetzcl, welcher 1517 auch nach Halle kam, und seinen Ablaßkram aufdem Martinsberge, dem jetzigen älteren Stadtgottesacker, aufstellte.Wie die Blitze schlugen auch in Halle Luthers Worte ein, welcherden bekannten demüthigenden Brief an Albrecht 1521 schrieb. Schon imJahre 1523 waren hier die meisten Bürger der neuen Lehre zugethan.Die Mönche verließen ihre Klöster, die Pfarrer, unter ihnen derProbst vom Neuen Werk, Demuth, nahmen Weiber. Ja >524 theilteder Prediger an der neuen Domkirchc, Winkler, zum l. Male dieKommunion unter beiderlei Gestalt aus. Die Bauernkriege berührtendie Stadt nicht. Albrecht war wüthend, wollte aber mit Gewalt nichteinschreiten, da man katholischer Seits die Hilfe der Protestanten gegenFrankreich brauchte. Er wählte daher andere Mittel: ließ mehrereBauten ausführen (siehe Topographie), nahm sich des Gottesdienstespersönlich an und traf Anstalten, der protestantischen UniversitätWittenberg eine dergleichen katholische in Halle entgegenzustellen.Schon hatte er vom päpstlichen Legaten Campegius den Stiftungsbrief(1531) ausgewirkt, und mehrere Mitglieder des neuen Stifts in Hallezu Professoren bestimmt und dotirt, als die letzteren fast alle für dieEhre dankten und lutherisch wurden. Da kam er 1531 vor Osternwieder nach Halle, verrichtete die Ceremonien im Dom persönlich undforderte, daß namentlich die Mitglieder des Raths seinem Gottesdienstebeiwohnen sollten. Als diese nicht erschienen, ließ er mehrere von ihnenentsetzen und andere aus der Stadt jagen. jDie so Gestraften wandtensich meist an den Kurfürsten Friedrich von Sachsen, als Burg-grafen von Halle, welcher sich ihrer auck annahm, besonders gegen den-jenigen Theil des Rathes, welcher ihre Vertreibung mit bewirkt hatte.Als Cardinal Albrecht 1530 endlich den Ständen des Erzstifts diefreie Uebung der augsburgischen Religion nachließ, weit erGeld brauchte, jedoch die Klöster und Stifter im früheren Stande er-hielt, nahm er Halle ausdrücklich von der freien Religionsübung aus,und befahl dem Rathe, die katholische Religion aufrecht zu erhalten, undnamentlich das Hinausftrömcn der Halleuser nach den benachbarten kur-sächsischen Dörfern zu dem lutherischen Gottesdienste bei Strafe zu verbie-ten. Luther selbst brachte es dahin, daß der Kurfürst von Sachsen denJustus Jonas, welcher zugleich Professor in Wittenberg war, der StadtHalle auf 4 Jahre überließ, wo dieser am Charfreitage 1541 in der Kir-che zu U. L. F. den ersten lutherischen Gottesdienst hielt. Da derRath nicht ohne Furcht vor dem Zorne des (abwesenden) Erzbischofs war,welcher 1541 sich nach Mainz begeben hatte, so übergab er die Stadtdem Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, unter demVorwandeseiner Burggrafschaft, für jährlich 1000 Gulden in Schutz und Schirm.Dieser nahm das Anerbieten an nnd ertheilte der Stadt in seinemSchutzbriefe vom 6. Nov. 1542 die Versicherung, daß er sie gegen alleFeinde, selbst gegen den Cardinal, schützen werde. Albrecht unternahmum so weniger etwas mit Gewalt, als er abwesend war und das In-teresse der katholischen Stände, namentlich des Kaisers, Friede in Deutsch-land erheischte, um gegen Frankreich gerüstet zu sein. Nachdem er schonvorher die meisten Kleinodien aus Halle und dem ganzen Erzstsst Mag-deburg nach Mainz hatte bringen lassen, starb er am 24. Sept. 1545 zuAschaffenburg. In Halle hatte unterdeß die Reformation immer mehrFortschritte gemacht, selbst bis zu den leidenschaftlichsten Sckimpfredenauf den Kanzeln und zur Intoleranz gegen anders Denkende. Lutherkam 1545 zum ersten Male nach Halle und hielt am 5. August in derMarienkirche die erste Predigt gegen die „lausichten und schäbichtcn
Münche." Seine zweite Predigt hielt er am 6. Januar 1546,dritte am 26. Januar desselben Jahres, beide in derselben Kirche. Dieletzte hielt er, als ihn die Saale auf seiner letzten Reise nach Eislebeneinige Tage aufhielt. Am 20. Februar kam er nach Halle zurück, aberals Leiche, welche die Nacht über, von mehreren Bürgern bewacht inder Sakristei zu U. L. F. beigesetzt ward.
Da die Stadt dem neuen, sehr eifrig katholischen, Erzbischof Jo-hann Albert nickt huldigen wollte, bevor er ihren Beschwerden ab-geholfen, so legte sich der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen da-zwischen, und brachte endlich über die angehäuften Beschwerdepunkte denWittenberger Vertrag (1546) zu Stande, welcher den meistenBeschwerden der Stadt abhalf, und im Besonderen die Reformationsicherte, wie auch den Magistrat als Patron der drei Hauptkirchen be-stätigte. Jetzt erst, am 25. Mai 1546, erfolgte die Huldigung. Aber! der Friede sollte nicht lange dauern; noch in demselben Jahre brach der! schmalkaldische Krieg aus, bei dessen Beginn der Erzbischof den^ Herzog Moritz von Sachsen zum Schutzhcrren des Erzstifts ernannte.Als dieser am 22. Nov. 1546 in der Stadt eingezogen war (man hattenicht gewagt, die Thore zu versperren), und sich das Gerücht verbreitete,er habe seinen Soldaten die Plünderung der Stadt versprochen, so gingam folgenden Morgen früh 3 Uhr eine Rathsdeputation mit brennendenKerzen zu dem Herzog auf die Moritzburg und bat fußfällig um Gnade.Die Plünderung unterblieb zwar, allein der Herzog forderte die Aus-weisung des Superintendenten I. Jonas und des Syndikus Goldstein,so wie mehrere Geißeln und für seine Soldaten große Lieferungen. Einabermaliger Fußfall half nichts, und so mußten denn obige Forderungenerfüllt, und außerdem das Hallesche Kontingent von der Armee des Kur-fürsten von Sachsen abberufen werden. Der Gottesdienst erlitt keineStörung. Bald nachdem Moritz abgezogen war, rückte KurfürstJohann Friedrich's Armee heran, an welche sich die Stadt den 3>.Decemb. 1546 ergab. Am folgenden Tage kam der Kurfürst selbst nachHalle, erklärte den Erzbischof auf der Moritzburg für gefangen, zwangihn unterm 6. Januar 1547, ihm das Erz st ist förmlich abzutreten,ließ Jonas und Goldstein zurückrufen und nahm die Huldigung ein.Leider kam es auch zu Tumulten, wobei die Häuser mehrerer katholischerEinwohner der Plünderung preisgegeben waren, welche erst der Kur-fürst durch sein persönliches Erscheinen zu stillen vermochte. Den Erz-bischof ließ man mit aller fahrenden Habe abziehen. Doch bald wandtesich das Schicksal abermal. Als Johann Friedrich die Schlacht beiMühlberg mit seiner Freiheit verloren, verließ auck seine Besatzungdie Stadt Halle, welche Moritz besetzte und sich huldigen ließ. Indeßauch der Kaiser Karl V. forderte die Huldigung, und diese leistete ihmdie Stadt durch Deputirte in seinem Lager vor Wittenberg. NachdemHalle durch kaiserliche Truppen besetzt worden war (Karl V. undMoritz lebten schon jetzt in gegenseitiger Spannung), kam der Kaiserden 10. Juni 1547 selbst nach Halle, nahm auf der „Residenz" einI2tägiges Quartier, wohin er auch den gefangenen Kurfürsten vonSachsen sowie den Landgrafen Philipp v. Hessen mitbrachte, welcherhier vor ihm am 10. Juni den bekannten Fuß fall that, und ließ ucheine Contribution von 15000 st. zahlen. Fast wäre der Kaster nichtlebendig aus Halle hinausgekommen, indem er am 12. Juni einen bluti-gen Streit zwischen den Deutschen und Spaniern in seinem Lager vorder Stadt nur mit Lebensgefahr zu dämpfen vermochte. Dem am 22.Juni abziehenden Heere folgte er am nächsten Tage selbst, nachdem erder Stadt einen Cchutzbrief ausgestellt hatte. Als demnächst dasAugsburger Interim 1548 aufgestellt worden war, setzte der Kaiserauch den Erzbischof Johann Albert wieder in seine Besitzungen ei»,und dieser traf am 24. August 1548 in Halle ein, wo man ihm bereitsvor der Huldigung die Schlüssel zu einem Stadtthore übergeben mußte.Sckon am 17. Mai 1550 starb Johann Albert auf der Moritzburg, undwurde auf derselben beigesetzt — ein bis an den Tod eifriger Katholik,der sich trotz seiner Gebrechlichkeit Sonntags unter das Schloßthor »eyti,und seine aus den lutherischen Kirchen zurückkehrenden Diener daseid»j höchsteigenhändig züchtigte.