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12 (1856)
Entstehung
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in das Gericht einzuweisen, gab sich die Stadt, welche diese Beleihunggewünscht hatte, der Hoffnung hin, in dem Burggrafen einen Beschützergegen den Erzbischof zu finden; indeß nahm das Brennen und Mor-den bald wieder seinen Ansang. Zunächst ließ der Erzbischof durch denNaubadel Hallesche Bürger auf den Straßen ermorden, den Handel derStadt durch Wegelagerung stören n. s. w., worauf die Stadt ihrerseitsRache zu nehmen beschloß, und 1426 die erzbischöflichen Dörfer undSchlösser in der Nähe, wie Rcideburg, Bruckdorf, Dieökau u. a. er-stürmte und niederbrannte. Zwar kam noch in diesem Zahre ein Ver-gleich zu Stande, allein jetzt hetzte der Hallesche Stadthauptmann HenningStrobart die Bürgerschaft dagegen auf, so daß der Vertrag halleschcrSeits gebrochen ward. Im erneuten Bunde mit Magdeburg zog jetztdie Stadt Halle namentlich gegen den erzbischöflichen Raubritter vonKotze zu Felde und trug über denselben einen entscheidenden Sieg davon.Obgleich 1427 der Friede geschlossen und gleichzeitig die Differenz überdie Salzgüter geschlichtet ward, so erfolgten doch nach kurzer Zeit neueKampfe, in deren Folge der Erzbischof wieder Bann und Interdiktzu Hilfe nahm, und die Stadt vor das Koneil zu Basel lud. DerRath versprach zwar, dein Bündniß mit Magdeburg zu entsagen, undseiner Seits der Erzbischof, Bann und Interdikt von der Stadt zu neh-men; allein die Bürgerschaft wollte nicht in den Vergleich willigen, und»ahm bei einem Aufruhr den Rath gefangen. Herbeigecilten Naths-herrcn aus Magdeburg gelang es, den Frieden Herzustellen, doch so,daß Halle mit Magdeburg im Bündniß blieb, und dein Rathe 30Männer aus der Bürgerschaft so wie der Oberbornmeister ausdem Thal beigeordnet wurden, ohne deren Einwilligung er nichts be-schließen dürfte. ('Bis dahin hatten 8 adlicke Pfänner den Rath gebil-det, obgleich von Zeit zu Zeit die 1181 eingeführten Innungenund die Berg- und Thalrichter in ihm sich einen Einfluß zu verschaffenwußten. Später wurden die adlichen Geschlechter immer mehr aus demRathe verdrängt. Der jährlich gewählte Rath mit den 30 Männernblieb bis 1688, wo seine Zahl auf 16 gesetzt ward. l7>9 wurde der-selbe lebenslänglich eingesetzt.) Da that der Erzbischof die Stadtwiederholt in den Bann, und überließ das Amt und SchloßGiebichcnstein gegen 31000 Gulden dem Kurfürst von Sachsen,mit der Vollmacht, die Stadt zu zwingen. Als sie nun diesem zu hul-digen sich weigerte, zog er im April 1435 mit 12000 Mann herbei,konnte aber trotz dem, daß die Stadt von ihren Bundesgenossen wenigZuzug erhielt, nichts ausrichten und zog wieder ab, worauf unter Ver-mittelung benachbarter Fürsten und Bischöfe (1435) ein Vergleich er-richtet, und der Bann von der Stadt gethan ward. Ein im I. 1436über die Soolgüter neu ausgebrochcner Streit ward 1430 gütlich bei-gelegt. Inzwischen führten die veränderten inneren Verhältnissezn bedeutenden Unruhen und Erccssen. Die Pfänner, zum Theilaus dem Rathe verdrängt, und Gegner der Dreißigmänner, wolltenihre Stühle im Rathe wieder gewinnen, und stürmten mit ihrem An-hange das Rath Haus. Nachdem unter Vermittelung Magdeburgs derErccß beseitigt und eine Anzahl Pfänner ausgewiesen war, brach derAufstand von Neuein los, ward jedoch bald unterdrückt.

Als im Jahre 1445 Günther in Giebichenstein gestorben war undder Rath ohne vorheriges Einvernehmen mit Magdeburg dem neuenErzbischof Friedrich III. die Huldigung versprach, verweigerten be-sonders auf Strobart's Veranlassung die Bürger dieselbe. Unvermuthctund plötzlich erschien der Burggraf Kurfürst von Sachsen im Klosterzum Neuen Werk vor Halle, jedoch ohne Armee, und brachte am 14.August 14)6 zwischen der Stavt und dem Erzbischof einen Vergleich zuAlande, welchem die Huldigung folgte, wobei der Erzbischof die ersteNelehnung umsonst gab. In diese Zeit fallen auch die Strobart'->eu vändel. Henning Strobart, von niederer Herkunft, eigenmäch-tig, selbstsüchtig, intrignant, hatte durch allerhand Mittel sich ein großesvermögen und bei dem niederen Bürgerstande einen bedeutenden Anhang^erichM, durch welchen er es 1437 nicht bloß dahin brachte, daß die^>aet ihn gegen einen hohen Gehalt als lebenslänglichen Stadt-ommandanten annehmen mußte, sondern auch den Rath oft terrorisirte.

Als sein und seiner Söhne brutaler Uebermuth auf das Höchste gestiegenwar, so ermannte sich endlich der Rath, und ließ ihn, trotz der Gönner-schaft des Kurfürsten von Sachsen, welcher ihn zu seinein GeheimenRathe ernannt hatte, festnehmen. Obgleich die Söhne Alles in Be-wegung setzten, selbst die Universität Leipzig, um den Vater zu befreien,so mußte er dennoch alle seine Güter herausgeben, und starb 1455 zuRochlitz in der Gefangenschaft feines früheren Gönners. Um jeneZeit kam auf feinen Zügen behufs der Einführung des Fr ohn leich-namsfestes und der Agitation gegen die Türken der BarfüßermönchJohannes Eapiftranus auch nach Halle (1452), und wußte eine solcheZerknirschung und Buße bei vielen zu bewirken, daß nicht wenige Män-ner ihre Spielkarten, die Frauen ihren Schmuck in das Feuer warfen.Gleichzeitig veranstaltete er in Halle eine große Prozession gegen diedamals grassi'rcnde Pest. Nachdem der Erzbischof Friedrich 1464 zuGiebichenstein gestorben war, und die Stadt seinem Nachfolger Johan-nes nicht huldigen wollte, entschloß sich dieser, die erste Beleihung um-sonst zu thun, die Gefällt von der Soote auf eine mäßige Höhe festzu-stellen, so wie zu anderen Koncessionen, so daß 1466 ihm die Huldigunggeleistet ward. Als >474 sich neue Jrruugen zwischen Halle undJohannes erhoben, besonders über das Berggericht (die Salzbrüver-schaft hatte ein eigenes, das Thalgericht), gab der letztere endlich nachund versprach, den jedesmal von der Stadt gewählten Schultheiß(Gerichtspräsidenten) zu bestätigen. Johannes starb 1475 zu Gie-bichenstein.

Als der neue Erzbischof, der l Ijährige Sohn Ernst des KurfürstenErnst von Sachsen, nach vielem Hin- und Herschreiben 1476 die Huldi-gung der Stadt einnahm, kamen die Parteien übcrein, die Streitpunkte,namentlich über die erste Belchnung, einem späteren Arrangementvorzubehalten, welches aber besonders durch diejenige unpatriotischeFraktion der Hallenser verzögert wurde, die, dem Rathe wegen derEinsetzung des Vierherrcnaintes zürnend, den Erzbischof heimlich in derAbsicht zu bestärken suchte, die erste Belehnung nicht umsonst zuthun, was er aber doch durch Vermittelung seines Vaters 1478 that, undgleichzeitig wegen der Strci igkeiten über die Thalgütcr sich mit derStadt verglich. Als auch die Pfänner mit dem Rathe sich gütlich zueinigen strebten, suchte er die ihm gefährlich scheinende Einigkeit derParteien zu hintertreiben, und sendete deshalb an die vier Autori-täten der Stadt: Rath, Innungen, Pfänner, Bürgerschaft, je einSchreiben. Die Pfänner forderten, daß darüber die gemeine Bürger-schaft entscheiden möge; die Rathsmänncr der Innungen und der Ge-meinheit dagegen forderten, daß jedes Stadtviertel für sich abstimmenmüsse. Der eine von den beiden Rathsmeistern, Böthe, von der pfän-nerschaftlichen Partei, läßt seine Leute auf dem Rathhause zusam-menkommen, Verändere, Schuhmacher-Obermeister Weißack, die Schuh-macher ihre Rüstung anlegen, unv zieht mit ihnen und anderenBewaffneten in das Barfüßerkloster. Als sich jetzt auch die Pfännerbewaffnen (17. Sept. 1478), wird der blutige Zusammenstoß noch durchAbgeordnete der Städte Magdeburg, Halbcrstadt, Braunschweig verhütet.Bei dem hierauf getroffenen Vergleiche unterlag die pfännerschaftlichePartei; aber ihre Niederlage sollte bald die Niederlage der Stadtwerden. Die Pfänner mußten den 4. Theil ihrer Thalgüter und den5. aller anderen Besitzungen an den Erzbischof abtreten, und wurdenzum Theil verwiesen, zum Theil ihrer Aemter entsetzt. Der Erzbischofgriff jetzt weiter: er begann 1484 die Moritz bürg innerhalb der Stadtzu bauen, um Meister der Stadt zu bleiben, änderte den Rath und diestädtische Verwaltung und gab eine, in vielen Stücken noch jetztgültige, Thalo rdn ung. Am 25. Mai 1503 bezog er zum ersten Matedas neue Schloß, auf welchem er ineist residirtc, und starb auf dem-selben ain 3. August 1513. Sein Leichnam ging nach Magdeburg, seinHerz blieb in Halle, weil er dieses das Herz des Erzstifts zu nennenpflegte. Er hatte in der That die Stadt in das Herz getroffen.Während seiner Negierung kam der päpstliche Protonotarius von Bunan1502 auch nach Halle, um die Feier des Jubelfestes besonders zu Ab-laßgeldern gegen die Türken zu benutzen. Er brachte in Halle keine