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12 (1856)
Entstehung
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Folgen mit gewissen Gründen im Zusammenhange stehen. Wenn in denältesten Zeiten, namentlich schon im 12. Jahrhundert, Halle als ein be-rühmter Meß- und Handelsort dastand, so sank es später in dieserHinsicht immer tiefer, und trat einen großen Theil seines Verkehrs andas benachbarte Leipzig ab, dem es vorher weit voran war, bis es in derneuesten Zeit namentlich als ein Knotenpunkt im mitteldeutschen Eisen-bahnnetze und aus andern Gründen, wohin namentlich der Zollverein,und der Bau neuer Chausseen gehört, sich wieder mehr gehoben hat.Halle's Buchhandels- und Buchdruckerei-Bet rieb ist schon seitJahrhunderten von Bedeutung. Gegenwärtig dürften die namhaftestenderartigen Anstalten die mit dem Waisenhause verbundenen, sowie dieansehnlichen Schwetschke'schen Etablissements sein.

Das unmittelbar um Halle gelegene Terrain bietet Dem, der aufder Eisenbahn vorbeireist oder bei seinem Besuche nur die Stadt berührt,das Bild einer mäßigen Hügelgegend, während sich dein Wanderer anden Saalufern eine überraschende Romantik aufschließt. Namentlichgilt dies von der nördlich an der Stadt gelegenen Saalpartie, in derenMitte sich die Burgruinen von Giebichcnstei n erheben. Der Blickvon diesen, so wie von der gegenüberliegenden Bergschenke, von derHöhe bei den Steinbrüchen, von Reil's Berge und von Schmelzer'sHöhe bietet in der That das Bild einer reizenden Felsenpartie, einesromantischen Felsenthales dar, welches durch die goldführendeSaale um Vieles an Lebendigkeit gewinnt. Da die Gruppen sehr ge-drängt liegen, so ist ihr Besuch für den Fremden wenig zeitraubend.

An der Saale nun, welche ihr Bett tief in die Porphyrfelsen ein-geschnitten hat, und oberhalb derselben eine Menge Arme bildet, undzwar auf dem rechten Ufer derselben, zum kleinen Theil auf den Saal-inseln, deren bedeutendste der sogenannte Strohhof ist, angelehnt an den,nach dem Morgen hin aufsteigenden Thalabhang, liegt die alte Salz-stadt, in einer Länge von mehr als einer halben, und in einer Breitevon reichlich einer Biertelstunde. Ihr Umfang ist im Verhältniß zuder Einwohnerzahl «nach der letzten Zählung im Jahre 1846 einigeüber 32000), ziemlich bedeutend. Nach der amtlichen Aufnahme von1846 hatte die Stadt 2133 Privatwohnhäuser, I I gottesdienstliche, ls)für den Unterricht bestimmte (die gcsammten Gebäude des Waisenhausesals eine Nr. gerechnet), 12 zu milden Zwecken dienende, 73 Commu-nal- und Königliche Gebäude, 32l Fabrikgebäude, Mühlen, Privatmaga-zine, Ställe, Scheunen und Schuppen, zusammen also 2566. Dienranfängliche Stadt, rings um die Salzquellen gelegen, war vonkleinem Umfange, wie die stellenweis, z. B. in der Schmeerstraße amSchlößchen, noch sichtbaren Ringmauern beweisen. Als die Stadt sicherweiterte, wurden auch die Mauern mit ihren Gräben weiter hinaus-gerückt, und ist ihr Zug jetzt noch überall kenntlich, selbst da, wo dieBefestigungswerke verschwunden sind. Die Ringmauern dieser zwei-ten Periode sind wahrscheinlich im >3. Jahrhundert begonnen und im14. vollendet worden. Um das Jahr 1541 hatte die Stavt 12 bis13606 Einwohner, ungerechnet die zwei Borstädte Glancha und Neumarkt,so wie die in unmittelbarer Nähe erbauten Dörfer, welche so wie jene (1814)allmälig zur Stadt gezogen worden sind. Von großen öffentlichen Plätzenist nur der Markt, mitten in der Stadt, zu nennen, und bietet nachHinwegräumung der 2 Kirchhofsmauern und der 2 Reihen von Ge-wandbuden, welche noch im vorigen Jahrhundert standen, durch seinenUmfang, sowie durch die 5 Thürme auf und an ihm einen imposantenAnblick. Die zahlreichen Gassen und Gäßchcn, welche in der Nähe deralten Salzwcrke zu einem wahrhaften Labyrinthe werden, sind meist engund krumm, und wurden erst in der neueren Zeit mit etwas besseremPflaster belegt. Der Markt hat die Eigenthümlichkeit, fast ohne allesPflaster zu sein. Während andere alte Städte durch bedeutende Feuers-brünste von Zeit zu Zeit sich modernisirt haben, ist Halle hierin zurück-geblieben. Zwar hat es nicht an dem Ausbruchc von Bränden gefehlt,allein diese sind fast nie zu einer großen Ausdehnung gelangt. Nachdem1136 und dann wieder 1312 allerdings fast die ganze Stadt ein Raubder Flammen geworden war, ist aus der späteren Zeit nur der Brandvom 13. März 1645, welcher 83 Häuser zum Opfer forderte, als ein

etwas bedeutender bekannt, und von diesen» Jahre bis jetzt sind aaseinmal kaum mehr als drei Häuser dem Feuer erlegen. Wenn nach demGrunde dieser ausfallenden Thatsache gefragt wird, so liegt dieserwiederum in der Lokalität der Stadt, welche das Salzwasser liefertDieses nämlich löscht nickt bloß außerordentlich kräftig die Flammesondern scheint auch durch die, beim Versieden entwickelten Dämpfe dasHolzwcrk in der Stadt so zu durchziehen, daß es weniger brennbarwird. Obgleich die Stadt aus diesem Grunde schon seit langer Zeitjährlich vielleicht viermal so viel an die Fenerkasse zahlt, als ihr fürBrandschäden vergütet wird, so können dock, wiewohl die Sache schonmehrfach angeregt ist, begreiflicherweise die auf sie fallenden Versicherungs-summen nicht ermäßigt werden.

Da die Stadt ausgezeichneter Privathäuser fast ganz entbehrt, sogehen wir sofort zu den öffentlichen Gebäuden und den damit ver-bundenen Anstalten und Kollegien über. Zwar sind mehrere Privat-korpora ti o neu im Besitze von gemeinsamen Baulichkeiten; es sindindeß hier nur drei von Bedeutung zu nennen. Dies ist erstlich dasHans der Loge zu den drei Degen, welche im Jahre 1743, damalsunter den» Namen der drei Schlüssel, gegründet ward. Das jetzige, seh?bequem eingerichtete und an einer Erhöhung des Saalufers höchst au-muthig gelegene, Hans ist anstatt des früheren weit unbedeutciiderenerrichtet unv in» Jahre 1823 fertig geworden. In ihn» hat auch der ge-sellige Verein der Berggesellschaft seinen Sitz. Von den beiden Bahn-hofs - Gebäuden verdient das der Thüringer Eisenbahn, welchebei Halle in die Magdeburg-Leipziger einmündet, eine Erwähnung.Obgleich nicht in eine»»» leichten und gefälligen Stile erbaut, sondernetwas plump und schwerfällig, imponirt es dennoch durch seine Massen-hastigkeit. Seine Vollendung fällt in das Jahr >847. Das etwa!WZuschauer fassende und auf Actien gegründete Schauspielhaus ward1837 fertig. Das ältere Schauspielhaus in der ehemaligen Schul-,Universitäts- und Garuisonkirche hatte Prof. Reit 18l l für seine Bade-gäste (deren höchste Zahl 10 Fainilicn 1812 betrug) einrichienlassen. Unter den lutherisch - unirten Kirchen ist zunächst dieObcrvsarrkirche zu Unser Lieben Frauen, auch die Marien-Kirche oder gewöhnlich die Marktkirche genannt, zu erwähnen. Die alteKirche dieses Namens, welche zwischen der jetzigen und dem rothenThurme stand, führt ihren Ursprung in ein hohes Alterthum hinausohne daß jedoch dieser sicher ermittelt werden kaun. Indeß steht so vielfest, daß in ihr schon 12l0 Gottesdienst gehalten wurde, und daß sie1275 noch nicht ganz vollendet war. Sie wird als ein schönes Gebäudegerühmt, und läßt sich annehmen, daß sie in» gothischen Stile gebautwar. Sie hatte 3 Thürme, von welchen 2, die sogenannten Hausmanns-thürme, in die neue Kirche eingefügt wurden. Den dritten Thurm, denjetzt isolirt aus den» Markte stehenden rothen Thurm, ließ der Magistratim 15. Jahrhundert (von 1418 bis 1506) des Geläutes wegen in derNähe der Kirche erbauen. Diese selbst, mit Ansnahme ihrer vreiThürme, ließ der Erzbischof Cardinal Albrecht iin I. 1529, man weißnicht mehr gewiß, aus welchen Gründen, abbrechen unv zu gleicher Zeitdie an dem Orte der jetzigen Marienkirche stehende Gertrudeukirche,deren beiden Thürme jedoch, die sogenannten blauen Thürme an derAbendseite, blieben stehen. Wann der Grundstein zur Gertrudeukirche»welche eine Zeit lang auch die Laurcutiuskirche hieß, gelegt sei, ist un-bekannt, man weiß jedoch, daß sie im Jahre 1295, wenn auch unaus-gcbauet, vorhanden war. Großentheils aus den» Material der beidenabgebrochenen Gebäude ließ jetzt (vom 27. Mai 1529 an) der Cardinaldie neue, im Jahre 1554 durch Nicolaus Hoffmann vollendete, Kirchezu U. L. F. errichten, welche nach dem Vorangehenden 4 Thürme hat,näinlich die beiden blauen Thürme in» Abend und die beiden Haus-mannsthürme in» Morgen. Auf diesen wohnt der Thürmer, welcherbei Feueröbrünften an die Feuerglocke zu schlagen und andere Sicherheits-dienste zu verrichten hat. Beide Thürme sind durch einen Brücken-gang verbunden. Die spindelförmigen blauen Thürme (blau genannt wahrscheinlich wegen der Sckieferdachung) haben eine Höhevon ungefähr 272 Rhein. Fuß und tragen »nehrere Glocken. Bei großen

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