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Stürmen schwanken die Spindeln wie die Pappeln hin unv her. DasSchiff der Kirche ist sehr geräumig, bietet aber, außer etwa dein vonHübener im Dresden gemalten Altarbilde: Christus und die Lilie, keineMerkwürdigkeit dar. Dagegen ist das von 20 freien Säulen getragenesteinerne Gewölbe von einer eigenthümlich schönen Konstruktion, indemes die Zweige der als Palmen gedachten schlanken ausgekehlten Säulendarstellt. Zu der genannten Kirche, bei welcher 3 Geistliche angestellt sind,gehören das Nicolai- und das Marien-Viertel, mit nahe an 11000 Ein-wohnern. Der Kirche gegenüber, neben den Predigerhäusern am Markte,befindet sich die ihr zugehörige Marienbibliothek, mit etwa 14000 Bän-den, welche meist der historisch-vaterländischen und theologischen Lite-ratur angehören, mit einer Todtcnmaske von Luther u. s. w.; das Ge-bäude ist 1609 errichtet. — Dein Rangenach folgtdieSt. Ulricbskirche.Auch diese stand früher an einer anderen Stelle, nämlich in der jetzigengroßen Ulrichsftraße, dem Blasius'schen Hause gegenüber. Sie erisrirtebereits im Jahre 1210, es ist aber ungewiß, wann der Bau begonnenhat. Der Cardinal Albrecht ließ sie 1531 abbrechen, und trug ihrenNamen auf die Kirche des Servitenklosters über, welche im Jahre 1339zu bauen angefangen, 1310 vollendet ward, und bei der Umwandlungdes Namens einige Erweiterungen erfuhr. Sie ist ohne Thurm, hatnur einen Säulcngang an der Seite und außer einigen kostbarenGesäßen nichts besonders Ausgezeichnetes aufzuweisen. Au ihr sind 3Geistliche angestellt, von denen einer das Filial Diemitz (Dorf) zuverwalten hat. Das Ulrichsviertel hat ca. 0000 Seelen. — Die dritteKirche im Range ist die St. Moritzkircbe, dem heiligen Moritz ge-widmet, dessen steinernes Bild sich im Innern befindet lind von Conradvon Eindecke 1411 — 1414 vollendet worden ist. Sie ist von den dreiStadt- oder Pfarrkirchen die älteste, denn ihr Anfang soll in das Jahr1130 zurückreichen, und war bereits eine Pfarrkirche, als ErzbischofWichmann 1184 ein Kloster neben ihr erbaute, dem er sie einverleibte.Anfangs kürzer, ward sie 1383 um den jetzigen hohen Chor verlängert,und hat nun ungefähr dieselbe Größe wie die Marienkirche. Sie ist,wenigstens thcilweis an der Außenseite, in einem edlen gothischen Stilegebaut und in dieser Hinsicht die schönste Kirche der Stadt, besonders nach-dem die Reparatur der Jahre 1841 bis 1840 hinzugetreten. Der im Jahre1097 vollendete Thurm an der Westseite steht jetzt nicht mehr, so daß sietburmlos ist. Von den 2 Geistlichen an ihr besorgt der zweite den Gottes-dienst und die Pfarrgeschäfte in dem St. Cpriakus-Hospitale. In demMoritzvicrtel wohnen ungefähr 0000 Menschen. Die Kirche ist arm undmuß die Stadt die fehlenden Gelder zuschießen, während die beiden vor-genannten Kirchen einiges Vermögen besitzen. Die Verwaltung anallen drei Stadtkirchen besorgen die drei Kirchenkollegien, welche sichselbst ergänzen und namentlich die Geistlichen und die niederen Kirchen-diener wählen. Der Magistrat hat als Patron die Controle des Ver-mögens und die Bestätigung der gewählten Geistlichen.
Bon den lutherisch - unirten Kirchen sind noch übrig die zu St.Georg ii in der Vorstadt Glaucha und die zu St. Laurentii inder Vorstadt Ncumarkt. Die erstere, ursprünglich zum NonnenklosterSt. Georgii gehörig, ist sehr alt und cristirte bereits zu Anfang des12. Jahrhunderts, brannte aber 1740 bis auf den Grund nieder, woraufsie in der jetzigen Kreuzform wieder aufgebaut ward. Ohne bedeutendeGröße, ist sie auch ohne besonders merkwürdige Denkmähler oder Alter-thümer. Der bei ihr angestellte Geistliche hat eine Gemeinde von un-gefähr 3—4000 Seelen, unter diesen die Bewohner des Waisenhauses.Bon gleichem Alter ist die Laurentii-Kirche, aber von noch kleineremUmfange und unscheinbarerem Aeußeren, welchem auch das Innere ent-wricht. Die etwa 3000 Seelen starke Gemeinde hat ebenfalls nur einenGeistlichen. Beide Kirchen sind königlichen Patronats. — Während dievorstehenden Kirchen, resp. Gemeinden einen bestimmten Pfarrbezirkhabcn, sind die folgenden, welche sich erst später gebildet haben, ohneeinen solchen. Voran steht die Domkirche, wie sie jetzt allgemeingenannt wird. Wie die Marienkirche ist sie von dem Cardinal Albrecht,welcher ihr einen großen Theil der Güter des, von ihm aufgehobenen--R'en Klosters zum Neuen Werk zuwendete, von 1520 an erbaut und
im Jahre !523 eingeweihet. Sie ward von ihm zur Hauptkirche derStadt bestimmt, und war es auch eine Zeit lang, namentlich als ihr1535 die Marien- und die Ulrichskirche untergeben wurde. Im Innerngut ausgestattet, macht sie in ihrem Aeußeren keinen wohlthuenden Eindruck.Man kann sagen, daß die Außenseite wie keinen Geschmack, so auch über-haupt keinen Stil zeige. Ein nicht eben großartiger Thurm mußte 1540abgebrochen werden, unv bewies gleich anderen Bauten des Cardinals, daßderselbe die Kunst, fest zu bauen, nicht eben in einem hohen Maaße besaß.Sie hatte, wie das damit verbundene Stift den Zweck, der einbrechendenReformation einen Damm entgegenzuwerfen, und sperrte unter allenhallescheu Kirchen dem neuen Lichte am längsten ihre Pforten. Ausdiesem Grunde, und weil sie keine eigentliche Gemeinde hatte, blieb siemit wenigen Ausnahmen von 1541 bis 1589 verschlossen, ebenso von1030 bis 1644. Als in den achtziger Jahren des >7. Jahrhundertsviele deutsch und französisch Reforinirte nach Halle kamen, ward sie ab-wechselnd diesen unv dem lutherischen Hofstaate des verstorbenen Ad-ministrators August zum Gebrauche überwiesen, kam aber bald (>692)in den ausschließlichen Besitz der Deutsch - Reformirten, denen siebis jetzt unter der Bedingung gehört, daß in ihr auch der Uni-verfitäts - Gottesdienst gehalten wird. Obgleich der Cardinal beiseiner Ucbersiedcluug nach Mainz die meisten Kostbarkeiten mitnahm, soverfügt die Kirche immer noch über nicht unbedeutende Mittel. DieZahl der, im eigentlichen Sinne Deutsch-Reformirten in Halle mag kaum500 betragen, indessen halten sich viele Andere zu der Gemeinde, welchein mancher Hinsicht als eine aristokratische gilt. Die kirchlichenAemter an ihr verwalten 3 Geistliche, deren Patron der Königist. — Die französisch-reformirte Gemeinde erhielt 1690die restaurirte Kapelle auf der Moritzburg, ist aber 1800 mit der deutsch-rcsormirtcu vereinigt. — Die sehr kleine altlutherische Gemeindebenutzt einen Privatsaal und hat keinen eigenen Geistlichen. — Die etwa300 Seelen starke römisch-katholische Gemeinde hält ihren Got-tesdienst seit t759 in dem ehemaligen großen Saale des sogen. Residenz-Gebäudes, hat 1 Geistlichen und steht unter dem Bischof von Paderborn.Seit 1728 wegen der katholischen Soldaten und Studenten geduldet,benutzte sie bis 1759 einen Saal auf dem Kühlen Brunnen. — Derseit 1845 bestehenden deutsch-katholischen, jetzt freien vereinig-ten christlichen, Gemeinde ist ein städtischer Schulsaal eingeräumt,und halten die Prediger der freien Gemeinde von Magdeburg gegen-wärtig von Zeit zu Zeit den Gottesdienst. Sie besteht aus ungefähr300 Mitgliedern. Etwa dieselbe Zahl von Theilnehmern hat die freieGemeinde, welche im Jahre 1840 von Wislicenus gestiftet ward, undin der Volkssprache die wislicen'sche Gemeinde heißt. Dieselbebesitzt keinen Gottesdienst und keine Kirche, weil sie keine Kirche sein,sondern lediglich den Kultus der Menschheit üben will. — Die jüdischeGemeinde, welche gegenwärtig 40 Familien stark ist, hat eine I70>>erbaute Synagoge, deren Dimensionen der geringen Zahl der Gemeindeentsprechen.
Von den im engeren Sinne städtischen Gebäuden ist zunächstdas Rathhaus am Markte ncnnenswerth, ein alterthümliches Gebäude,dessen ersten Anfänge sich in das Dunkel der früheren Zeiten verlieren.In ihm befinden sich die Büreau's der gesammten städtischen Central-verwaltung (1 Oberbürgermeister, 10 Stadträthe, 27 Stadtverordneteu. s. w.) und der Polizei, so wie das Landwehrzeughaus. Nicht weitvon ihm steht das Rathskcllergebäude, in welchem sich ehemals nebendem Wein- und Bierschank des Raths auch die Pfännerstube befand. —Der auf einem eichenen Roste ruhende rothe Thurm, so genanntvon der Kupferbedachung, oder wie Andere, wahrscheinlich mit mehrGrund, wollen, von dem, ehemals bei der an ihm befindlichen Rolands-säule gehaltenen Blutgerichte, ist städtisches Eigenthum und enthält dasGeläute für die Marienkirche, sowie in seinen unteren Räumen dieMilitär-Hauptwache und mehrere Kaufläden. Die große Glocke auf ihm,1480 zum letzten Male umgegossen, wiegt 130 Ctr., steht in .V undgibt einen herrlichen Ton. Die Höhe des Thurmes beträgt ca. 270rhein. Fuß. Das jetzige steinerne Rolands bild an dem 1503 für den