Geschichte der Burg Haustein.
Demüthigung Heinrichs in Canossa, die Schilderhcbung dcs Ge-gcnkaifcrs Nudolph, Schlachten, Verwüstungen, Mord und Branderfüllten in jener Zeit Deutschland und begleiteten die Lebensjahredeö unglücklichsten aller Könige.
Unserem Otto leuchtete noch einmal der Glücksstern, als erim Jahre 1075 sich mit Heinrich versöhnt hatte und zum Statt-halter über ganz Sachsen bestellt wurde; aber es folgten neueKämpfe bis das Jahr 1083 seinem unruhigen und merkwürdigenLeben ein Ziel setzte.
Die Frage, ob die von Heinrich IV. zerstörte Burg auf der-selben Stelle gestanden habe, auf welcher die nachfolgende erbautwurde, kann unbedenklich bejaht werden. Die oben erwähnte so-genannte alte Burg ist zuverlässig keine Burg gewesen, denn nichtauf dem Rücken eines Gebirgszuges, sondern wo möglich auf einerisolirtcn Bcrgkuppc, auch nicht auf der höchsten Höhe, sondern aufeine gut zu vertheidigenden, wenn auch mäßigen Anhöhe, legte manBurgen an. Nun wird sich aber in der ganzen Umgegend keinPunkt finden, der sich zur Anlegung einer Burg besser geeignethätte, als der worauf die Ruine jetzt steht. Von drei Seiten leichtzu vertheidigen und fast uncrstciglich, steht der Berg mit den frucht-baren Niederungen in angemessener Verbindung, um die Lebens-bedürfnisse, Holz und Wasser auf eine leichte Art an sich zu ziehen,was auf der Höhe dcs Höhbergcs gar nicht möglich gewesen wäre,und gewährt bei dieser Lage dennoch die ausgedehnteste Fernsicht,namentlich in die Gegend, von wo die größte Gefahr zu befürchtenwar, in das Thal der Leine. — Endlich darf nicht unbeachtet ge-lassen werden, daß die Pietät der Vorfahren einen einmal bebautenPlatz nicht gern und nie ohne dringende Ursachen verließ. Mochtenauch immerhin Brand und Verwüstung, Wasserfluthen und Erd-beben die Wohnplätzc von der Erde vertilgt haben, die Vorfahrenwurden nicht müde, sich auf demselben Boden wieder anzubauen,und diese Pietät zieht sich eigentlich durch die ganze Geschichte dcsMenschengeschlechts; auf den Lavaströmcn des Aetna, auf derGrabcSdccke von Pompeji und Herculanum, auf dem durch Erd-beben zerrissenen Boden von Lissabon, an den Ufern dcs Meeres,das in einer Nacht hundert taufende verschlungen hat, in den sum-