Druckschrift 
Frankfurter Bürgerbuch
Entstehung
Seite
165
Einzelbild herunterladen
 

Akten, welche auf die Gründung und die erste Zeit des Bestehens der BörseBezug haben, sind weder im Stadtarchiv noch bei der Handelskammer zu finden, undlassen sich Nachrichten nur mühsam aus gelegentlichen Erwähnungen in Münz- undMeßangclegenheiten, Wechsel- und Aaufmannsordnungen, zusammenlesen.

Gin Protokoll über die Sitzungen und Beschlüsse der Börsenvorsteher wurdezum ersten Mal am 23. Ami s770 geführt. Aus älterer Zeit findet sich nur ein imJahr s7s3 begonnenes Aassenbuch der Deputirten der löblichen Aaufmannschaft überdie Einnahmen aus dem „Boeurs-Parere" und über die gemeinschaftlichen Ausgaben.Hiermit sind die direkten Nachrichten erschöpft und ich gehe nunmehr zu den gelegent-lichen Erwähnungen über:

Ein in Lersncrs Ehronik Theil II, Buch s, Seite 566 abgedrucktes Lobgedichtaus die Frankfurter Messen vom Jahr s6ß^ hebt hervor, wie der Fremde die „Börschvoll Aaufleute und hin und her laufender Wechselmaklcr" finden werde. Bei Erlaßder Wechsel- und Aausmannsordnung im Jahr s666 wird den zwei Wechselnotarenaufgegeben, die Auflösung von Handelsgesellschaften an der Börse anzuschlagen; ausdem vorgehenden Jahr wird ein Börsenanschlag über die Verlängerung der LeipzigerMesse erwähnt, im Jahr s6HH ist von einer Anhörung der „Aeltesten Herrn" übereine Eingabe der Stadt Nürnberg die Rede. Aus den Iahren s625 und s62fi findensich sodann bei Verhandlungen wegen des Wechselkurses sMeßkonto) und des Zahltageseine Reihe von Nachrichten über Ausrufungen und Anschläge aus der Bocurse, oderwie sie auch genannt wird „in 1c>cc> publica". In dem ausgezeichneten Werk vonOv. Ehrenberg über das Zeitalter der Fugger, dessen zweiter Land mir noch in letzterStunde zu Gesicht gekommen ist, wird weiterhin aus dein Jahr s6s6 ein auf dasMaklerwesen bezüglicher Börsenanschlag und schließlich ein Meßgedicht aus dem Jahr s6s5mit einem Hinweis aus die Börse angeführt.

Wenngleich diese letztere Nachricht den ersten sicheren Nachweis über die Existenzder Frankfurter Börse enthält, so wird man doch hierbei nicht stehen bleiben können,sondern aus der Art und Weise, wie die Börse in den ältesten Nachrichten von s6s5,s6s6, s625 und s62ß erwähnt wird, den Schluß auf ihr längeres Bestehen zu ziehenhaben. Denn bei den Verhandlungen des Jahres s625 wegen Verlängerung derZahlungsfrist bei Wechseln wird ausdrücklich bemerkt, daß die Festsetzung des Wechsel-kurses sMeßkonto) durch das Zusammenwirken der kontrahirenden Uausleute undWechselmakler an einem bestimmten Platz von vielen Iahren Herkommen und ge-wöhnlich gewesen sei.

Der Brauch, bedeutende Zahlungen nicht in baar, sondern durch FrankfurterMeßwechsel, d. h. durch Wechsel, welche auf Frankfurt als Zahlungsort ausgestellt und inder Zahlwoche der Messe fällig waren, zu übermitteln, hatte sich zwar schon im Mittel-alter eingebürgert und es verdient als ein charakteristischer Nachweis für diesen Brauchnamentlich die interessante Thatsache hervorgehoben zu werden, daß die Wechsel in:Gesammtbetragc von 350,000 fl., welche die Fugger und Genossen zu Gunsten der deutschen