S e est st e r T st e i U
Die -Frankfurter Börse und die Bankhäuser vor zsod.
Wenn ich in dein vorliegenden Bürgerbuch schon wiederholt den Mangel anVorarbeiten über die Geschichte des Frankfurter Handels hervorgehoben habe, so machtsich derselbe wohl nirgends so deutlich fühlbar als bei der Frage nach dem Alter unsererBörse. Sollte wirklich Herr Albert Schrotzenbcrger, der Verfasser des Nachschlagebuchs„Francofurtensia", mit seiner Mittheilung Recht haben, daß die Börse hier am Sitz derberühmten Abessen und ihres großen Wechselverkehrs erst seit s. Juli s?39 bestehe und daserste Rursblatt nicht vor den: 2. Januar s85s ausgegeben worden sei, daß mithin unsereHandelsstadt erst nach Jahrhunderten dem Beispiele von Antwerpen, Augsburg, Nürn-berg, Hainburg und anderen Städten gefolgt sei? Wie eine innere Nothwendigkeitdrängt sich dem Geschichtskenner die Unrichtigkeit dieser Angaben aus uud das Bestreben,dieselbe nachzuweisen, hat zu dem ungeahnten Resultat geführt, daß die FrankfurterBörse mit großer Wahrscheinlichkeit nach dein Vorbild von Antwerpen unter wesent-licher Betheiligung der aus dieser Stadt eingewanderten Geschäftsleute bis zum Jahrsö3ö gegründet worden ist.
Das Wort „Börse sRausmannsbörse)" oder „Burse" findet sich zwar bereits inmittelalterlichen Frankfurter Urkunden, bezeichnet jedoch allgemein eine gesellige Zusammen-kunft, ein Trinkgelage auf gemeinschaftliche Rosten, und hat sich in dieser Bedeutung inmehreren Redewendungen, so namentlich in der Bezeichnung „Bürstenbinder" für einRneipgenie erhalten. Wenngleich die Annahme sehr nahe liegt, daß sich aus einerderartigen geselligen Zusammenkunft von Raufleuten allmählich eine geschäftliche ent-wickelt habe und wenngleich wohl schon im Mittelalter die Meßsremden nach dem Vor-bild der Lombarden und Florentiner eine Art Wechselbörse abgehalten haben werden,so bemerkt doch bereits Vv. (Orth in seiner zuverlässigen und gründlichen Abhandlungvon den zwei Reichsmessen, daß sich der Name und die Ginrichtung der Börse immodernen Sinne zuerst in der Welt-Handelsstadt Brügge im Mittelalter entwickelt habeund von da nach Antwerpen übertragen worden sei,' woselbst die Stadtbehörde schonim Jahr eine Börse anlegte.
Seit Beginn der niederländischen und französischen Religionskämpfe verpflanztendie Antwerpener Flüchtlinge ihren Handel und ihre Bärseneinrichtungen nach verschiedenenanderen Hlätzen und so auch nach Frankfurt.