besonders da wir schon am nächsten Tage wieder reisenmußten. Wir schieden von den uns liebgewordenen Freundenund Verwandten und fuhren mit der Post bis Perleberg.Bis dahin reiste mit uns die Schwester meiner Schwägerin,die Gastwirth Gcrke in Perlebcrg. Die Reise bis dahinbekam uns aber übel, so daß wir sogar aussteigen mußten, soschlecht war der Weg. Doch erheiterte uns einerseits diesehr schöne, fruchtbare Gegend der Lenzencr Wisch, wo wirauch an dem Dorfe Lanz vorbeifuhren, das durch seinenHopfenbau und als Geburtsort des Turnvaters FriedrichJahn, dessen Vater hier Prediger war, berühmt ist. InPerleberg fanden wir bei Gerkes offenen Tisch, und fuhrendann mit unserm Fuhrwerk nach Hause, wo wir unsereralten Mutter viel zu erzählen hatten.
Das neue Jahr 1861 brachte dem ganzen Prenßen-lande eine Tranerbotschaft. Der schwergeprüfte KönigFriedrich Wilhelm IV. starb am 2. Januar und alle treuenPreußen trauerten, wie auch die Natur ihr Leichentuch an-gethan hatte. Wenn so Mittags von 11 bis 12 Uhr dieTrauerglocken aus unserm und den benachbarten Dörfer»dumpf über die Schneefelder läuteten, ach, da mußte eseinem so recht vor die Seele treten, wie geschrieben stehtPsalm 146, 3. 4. Ja-
Fürsten sind Menschen vom Weib gebore»
Und kehren nm zu ihrem Staub;
Ihre Anschlüge sind auch verloren,
Wenn nun das Grab nimmt seinen Raub.
„Die Wege der Könige sind thräncnreich und thränen-werth", so hatte der Heimgegangene liebe, fromme Königeinmal gesprochen. Und Thränen der Liebe sind ihm nach-geweint, ihm, der ein Herz hatte für seine Landeskinderund als ein leuchtendes Vorbild im Glauben an den SohnGottes im öffentlichen Bekenntniß und stillen Wandel ihnenvoranging. Viele Gebete derselben sind in seiner Krankheitfür ihn zum Throne des Allmächtigen gebracht. Nun,Gottes unerforschlicher Rath hat es zwar anders gemacht,als Menschen gedachten, aber der Tag wird es einst offenbar