Druckschrift 
1 (1893) Vom Jahre 1690-1866
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

- 141 -

richtung, weil sie darin eine Beschränkung ihrer Amts-befngnisse sahen, indem gewissermaßen eine Ueberwachungdes Geistlichen dnrch den Gemeindckirchenrath stattfindet.Doch hat ja dies bei den pflichttreuen und gewissenhaftenGeistlichen eben wenig oder gar keine Anwendung. Obaber die ganze Einrichtung überhaupt ein Segen für dieKirche ist, muß erst die Zukunft lehren, da ja erst, nach-dem die Kreis-Synoden ins Leben getreten sind, auch dieProvinziell- und Landes-Synoden ihre Wirksamkeit beginnenmüssen. Doch ich komme später noch einmal darauf zurück.

Am 6. October 1860 hielt mein Schwager Carl Kochseine Hochzeit in Lenzen mit Charlotte Borchert daselbst.Als nächste Verwandte erhielten anch wir eine Einladungdahin. Wir reisten am 5. October mit einem Wagen, denwir uns ans Schönebeck gemiethet hatten, über Perlebergmit dem Omnibus nach Wittenberge, und von da mit derPost den sehr schlechten Weg nach Lenzen. Wir kamenAbends an, aber noch recht zum Polterabend, den wir sehrgemüthlich und vergnügt verlebten. Wir lernten da vieleVerwandte kennen, unter andern die lieben alten Rüpers,die Frau von Holzenbecher, Schuhmacher Plnnks, GastwirthBorchert n. a. Am andern Tage war die Trauung in deralten ehrwürdigen Stadtkirche vor dem Altar, wo einstKönig Gottschalk von seinen heidnischen Wenden erschlagenwurde. Die Tranpredigt hielt Superintendent Weinmannüber Matth. 6, 33. Die Hochzeitslente boten Alles ans,um ihren Güsten den Aufenthalt zn erheitern. So wurdeanch unter andern der 90 Fuß hohe Thurm der alten Burgbestiegen, von wo ans man eine herrliche Aussicht überdie ganze Gegend bis an die Elbe hat, die von da auswie ein breites Silberband zu sehen ist. Den hübschen,parkähnlichen Garten hatten Plnnks in Aufsicht und Be-wirthschaftnng, weshalb sie auch von den schönen Wein-svrten aus dem Garten und einer überaus wohlschmeckendenBirne spendiren konnten. Gegen Nachmittag kam auchSchwager Heinrich von Berlin noch an und es gab nunviel zu erzählen, so daß die Zeit pfeilschnell verging,