— 135 —
Sachen unserer Brüderschaft und machten dann noch einePartie in das herrliche Bodethal, besuchten den Bvdekesscl,stiegen die Treppe hinauf nach der Noßtrappe und denHexentanzplatz und waren überaus fröhlich und vergnügt.Am andern Tage reisten wir ab; ich über Gcrnrode,wo ich manchmal den freundlichen Stnfenberg bestieg, unddann mit der Post über Harzgerode durch das lieblicheSelkethal, mit dem reizend gelegenen Alcxisbade und denSilberhütten, nach Stolberg mit seinem hochgelegenen Grafen-schlosse, von dem ein alter Chronikreim sagt:
55t)
Stolbcrg das Schloß ward fundirt,
Wider die Thüringer aufgeführt;
Und Kiffhauscu rcucwiret fein,
Am Harz erbaut der Sachscustein.
Und nicht weit davon das Kirchdorf Schwende, der Stammortmeiner Voreltern. Wir waren inmitten des herrlichen Harz-gebirges und ich fuhr der Heimath zu, um meine liebenEltern zu besuchen. Bald zeigten sich die Thürme meinerVaterstadt; ich stieg schon vor der Stadt ans und eiltedurch die Straßen der Oberstadt nach der Neustadt, wodie Wohnung meiner Eltern war. Ich war ein Fremdlinggeworden, und das ist solch ein eigenthümliches Gesühl,wenn man einmal wieder durch die Straßen und über diePlätze geht, wo man in den Tagen der Kindheit mit seinenFüßen gewandelt hat.
Die Freude meiner Eltern und Geschwister war großund herzlich. Mein Vater, den ich damals zum letztenMale hier auf Erdeil gesehen habe, wurde wieder ganzverjüngt ; es ging ihm wohl, wie dem alten Erzvater Jacob,als er seinen Sohn noch einmal wiedersah. Meine liebeSchwester Friederike sah ich nicht mehr, die war schon vormehreren Jahren gestorben, aber noch immer trauerte unsereMutter um sie. Und damit ich doch auch noch ein kleinesAndenken von ihr haben sollte, bekam ich ihre silbernenOhrringe von meiner Mutter. — Mein Bruder Augustwar damals schon Meister und verheirathet, und arbeitete