- 109 -
zum Mar geleitet wurden. Zum Trautexte hatte derselbeApost.-Gesch. 26,22 gewählt und zeigte aus demselben: wiedie Gnade Gottes uns so wunderbar geführt und bis aufdiesen Tag für einander erhalten; und wie er mit seinerGnade bei uns sein wolle in unserm Stande und Beruf,wenn wir forthin uns unter seine Gnadenobhut stellenwollten. Eben diese Gnade hätte uns auch unsere Kinderzugeführt und mit seinem Gnadenbcistandc sollten wir siehelfen retten.
Die lieben Gräfes hatten es sich vorbehalten, unsereHochzeit zu besorgen, und so schloß sich der kirchlichenFeier eine fröhliche Mahlzeit an und wir verbrachten denNachmittag in heiterer Stimmung, zumal auch die Sonnemild schien und mitten im Winter war ein Frühlingstag,denn der Schnee war bis dahin ausgeblieben. Abends 10Uhr wollten wir nach Hause fahren. Herr Pastor Gräfehatte nns sein Fuhrwerk zur Verfügung gestellt, aber seinFuhrmann wollte nicht fahren, weil es in den zwölf Nächtenwar und er so abergläubisch war, daß er meinte, seinenPferden könne etwas Ungeheuerliches begegnen. Endlich,nach vielen Zureden und nachdem auch seine Frau sichentschlossen hatte mitzufahren, war er, wiewohl mit höchstbedenklichem Gesicht, bereit dazu. Wir gelangten ohneUnfall glücklich an, wurden von der alten Frau Schulzempfangen und — ich hatte zum heiligen Christ eineFrau, und meine Frau ein Hans voll Kinder, und dieKinder eine Hausmutter; für das Uebrige wollten wirGott sorgen lassen, und das Nöthigstc, was wir brauchten,war da.
Von unfern Verwandten hatten wir die Freude, unsereliebe, alte Mutter Koch und meinen Schwager, den jetzigenStellmachermeister Carl Koch, der damals als Artillerist inMagdeburg stand und auf einige Tage Urlaub bekommenhatte, bei unserer Trauung gegenwärtig zu sehen. Unsereanderen Verwandten wohnten theils zu weit von uns,thcils hatte sie wohl auch die Winterszeit abgehalten, unsmit ihrem Besuche zu erfreuen.