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1 (1893) Vom Jahre 1690-1866
Entstehung
Seite
108
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mir die Hand als Lebensgefährtin reichen und mit mirFreud und Leid theilcn wolle nach Gottes Schicken undFügen.

Ich machte mich also mit herzlichem Gebet, nicht ohneBeklommenheit, aber doch freudig mit der Frage auf denWeg nach Kolrcp, sagte den lieben Gräfes meinenEntschluß und alsvbald stand sie allein vor mir, einfachund schlicht, und ich that die entscheidende Frage und erhieltein freudiges Ja! und mit einem Kuß und Händedruckwar der Bund besiegelt und wir hatten uns verlobt, ohneuns eigentlich vorher gekannt zu haben, aber Gott sah, daßes gut war. Eine kleine, fröhliche Abendmahlzeit beschloßunser Zusammensein, und höchst glücklich kehrte ich Abendsheim und dankte Gott, der es so wohl gemacht hatte. Daswar am 24. October 1854.

Nur kurz war unser Brautstand, und das ist docheigentlich die seligste Zeit, die mau auf Erden hat, weiles ein Abbild des Himmlischen ist. Ich konnte meineBraut nur selten besuchen und in den ersten drei Wochenging ich gar nicht hin, weil ich auch die Zustimmung ihrerMutter haben wollte, au die ich deshalb geschrieben hatte.Die war aber von ihrem Sohne, der Lehrer auf derGlashütte bei Rheiusberg war, nach Berlin gereist wegeneines kranken Fußes, und so hatte sich die Antwort ver-zögert. Die Mutter war mit dem Entschlüsse ihrer Tochtereinverstanden und auch meine lieben Eltern gaben mir ihreZustimmung, und so stand unserer Verbindung nichts mehrim Wege. Drei Wochen vor Weihnachten wurden wir zumersten Male aufgeboten und am dritten Weihnachtsfeiertagesollte unsere Hochzeit in Kolrcp gefeiert werden. Und alsogeschah es.

Die freundliche Kirche war voll Menschen, die jaimmer bei solchen Gelegenheiten neugierig sind, und dieGlocke läutete zur Trauung. Begleitet vom Vorstande desRettungshauses und unfern Nettungskindern zogen wir zumHause Gottes, wo wir vom lieben Pastor Gräfe empfangenund unter dem Gesänge: In allen meinen Thaten u. s. w.