Inzwischen wurden mehrere Scheunen neben derJnspcctvrwohnung ausgebaut und damit das eigentlicheRettnngshans, in dessen Mitte der schaue geräumige Bct-saal sich befand. Zu beiden Seiten des Betsaals waren4 Wohnungen für die Kinder und zur Aufnahme derBrüder bestimmt. Das war im Jahre 1851 am 16.October, Ivo der neue Betsaal vom General-SuperintendentenMaller eingcweihct wurde, und am 14. März 1852 wurdedie dritte Familie begründet, deren Familienbrudcr ichwurde. Diese Stellung erforderte schau mehr Einsicht undErfahrung und war zugleich die praktische Ausbildung fürunsere zukünftige Thätigkeit. Ein solch Familienleben hatetwas Eigenthümliches und ich kann sagen, daß ich michglücklich fühlte, denn die Kinder erwiesen mir viel Liebe.Besonders erfuhr ich dies in einer Nervenkrankheit, wo ichsechs Wochen nicht bei ihnen war; wie waren sie da sofroh, daß ich wieder einige Stunden unter ihnen weilenkonnte, und wie erwiesen sie und die lieben Brüder undder Jnspector mir so viel Liebe zu meinem Geburtstage,den ich diesmal nach Gottes Willen ans dem Krankenbetteseiern sollte.
In diesem Jahre wurde ich auch zum letzten Malezur Stellung auf dem Quedlinburger Schlosse einberufen,da ich das Jahr vorher das Bett hüten mußte wegen einerverstauchten Hand, womit ich auf einem Spaziergange ver-unglückt war; ich wurde aber gänzlich vom Militär frei.Dabei trug sich noch der sonderbare Vorfall zu, daß unserNciustedter Schulze, der gar keine Papiere von mir auf-zuweisen hatte, vom beisitzenden Major den laconischcnBescheid erhielt: Der Mensch existirt gar nicht. Ich waralso auf einmal durch diesen gewaltigen Machtsprnch durchdie Schuld eines Schulzen um mein ganzes Dasein ge-kommen.
Abwechselnd kam auch so manches Vergnügen zwischendie Arbeit und das Lernen, wie denn überhaupt ein frischesfröhliches Leben unter den Luidenhofen: herrschte. ImSommer wurden kürzere und längere Reisen unternommen