Druckschrift 
1 (1893) Vom Jahre 1690-1866
Entstehung
Seite
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Haupt nicht, daß sie zu einem Vergnügen ausgegangen wäre.War Besuch da, so unterhielt er sich, sonst konnte er auchrecht schweigsam sein, vom Erzählen war er überhaupt keinFreund und obwohl ich ihm die meisten der Nachrichtenüber unsere Familie verdanke, so mußte ich doch jedeGelegenheit abpassen, wo er so gestimmt war, daß er etwaserzählte. Tändeleien liebte er nicht, dazu war er viel zuernst, aber doch hat er uns Kinder zärtlich gepflegt undgewartet, wenn Mutter beschäftigt war, und das ließ ersich auch nicht verdrießen, wenn er es nach Feierabend thnnmußte. Vor unserm Hause lag ein alter Taufstein von deralten Kirche, da war gewöhnlich der Spielplatz der Kinderund auch unsere Stube war oft voll von ihnen. Aber ersah es nicht ungern, wiewohl er alle gehen ließ in ihremfröhlichen Wesen. In manchen Fällen war er zu nach-sichtig und weichherzig, während doch sonst in seinem Wesenmehr Strenge als Gemächlichkeit lag.

Obwohl er einen guten Schulunterricht genossen hatte,so las er doch nur wenig, ebenso schrieb er nur das Noth-wendigstc. So z. B. schrieb er genau seine Einnahme auf,während er dies bei der Ausgabe unterließ, so daß er sichoft wunderte, wo das Geld hingekommen war, während erdoch ganz allein die Kasse führte. Das gab oft zu Streitig-keiten Anlaß zwischen ihm und meiner Mutter, aber sieschwieg stille und so wurde die Sache bald beigelegt. Ermußte auch das Geld zusammenhalten, denn es kamen oftZeiten, wo er nur wenig Verdienst hatte und die Bedürf-nisse waren fast immer dieselben, und in der Stadt mußdie Hand fast immer den Geldbeutel erfassen, denn auchdie kleinsten Bedürfnisse müssen gekauft werden und oft istalles theuer. Von Sparen und viel übrig haben konntedeshalb auch nicht die Rede sein, abermit Gott und ehr-lich durch die Welt kommen" ließen sich meine Eltern beiderseitsangelegen sein. Mußte er manchmal kleine Schulden machen, sonahm er die erste Gelegenheit wahr, sie wieder zu bezahlen,es wäre ihm eine Schande gewesen, sich von Jemandemmahnen zu lassen. Aber lieber lebte er karg, ehe er borgte.