Scin Kaiser hat ihn geschätzt und geliebt, hat ihn auf seinem Krankenlagernoch durch sein kaiserliches Wort hoch geehrt und erquickt, und darum: scinKaiser steht als erster Trauernder hier an seinem Sarge im Geiste mittenunter uns. Und mit dem Kaiser das ganze s. Armee-Corps, das der Ent-schlafene Jahre lang hat führen dürfen in Friedens- und in Kriegszciten— das Regiment auch, dessen Chef der verstorbene gewesen ist. Wir stehenalle hier tief trauernd und mit uns — ich weiß es — draußen viele, die imGedanken jetzt bei uns sind, stehen trauernd um den Sarg unseres langjährigenkommandircnden Generals, des ritterlichen Klanncs, des erprobten Führers,des wohlwollenden und gerechten vorgesetzten, der das Wohl und Wehe seinerUntergebenen mit peinlicher Gewissenhaftigkeit allezeit auf dem Herzen ge-tragen hat.
Ja, er hat einen guten Kampf gekämpft, er hat den Lauf vollendet.Sein Leben ein Kampfeslebcn draußen, ein Pilgerlebeu drinnen. Der Soldathat keine Heimath, er ist Fremdling und pilgrim wie seine Väter alle, er istüberall zu Hause, wo des Kaisers Wille ihn hinstellt. Km so mehr soll er dasStück Heim, das sein eigenes Haus ihm bietet, mit ganzem Herzen umfangenhalten, und wohl dem, dem scin Hans nicht bloß hicnicden das liebste Heim,sondern auch ein Stück von der ewigen Hcimath ist! Der thcuro Entschlafenewar auch darin vor vielen Andern hoch begnadigt. Wie der Segen des Vaters,zu dem er mit hoher Pietät allezeit emporblickte, ihm das Haus gebaut hat,so war ihm durch Gottes Gnade in diesem seinem Hause an der Seite dertheuern Gattin Jahrzehnte hindurch ein wahres, reines eheliches Glück be-schiedcn. Wie ihre Herzen frühe sich gefunden hatten, so ist ihre Liebe mitden Jahren nur tiefer und innerlicher und verklärter geworden, so haben siewahrhaft nicht nur für einander, sondern auch in einander gelebt. Da habensie getreulich die Aufgaben ihres hohen Bernfes mit einander gethcilt, da wares ihrer beider Freude, die Roth des Lebens zu lindern, wo und wie siekonnten, und manche Thräncn im verborgenen zu trocknen; da haben sieihre gemeinsame Freude an den: Wachsen und Emporblühen ihrer Kinderhäuscrgehabt, da auch manches Kreuz und Leid des Lebens getreulich mit einandergethcilt, zinnal das Leid dieser letzten langen und bangen Seit. Da hat treueLiebe bis zur Erschöpfung der Kraft bei dem Entschlafenen ausgeharrt, da hater in seinen letzten Tagen noch einmal seinen Arm um die geschlungen, diesein Bestes auf dieser Erde war und die ihr Bestes in ihm für diese Erdeverloren hat, und mit der tiefgebeugten Wittwe stehen trauernd hier um dengeliebten Vater die Kinder, um den alten Stamm noch einmal die Zweigeund Zweiglein, um den Senior der Familie Glieder derselben. Und diese ihreTrauer findet aufrichtigen Wicdcrhall weithin in der Provinz, mit der derEntschlafene durch so lange Jahre in seiner hohen Stellung innigst verbundenaewesen ist. Wie mar ihm scin Schlesien an's Herz gewachsen, die schlesischeErde seine Heimathscrdc geworden! Wie der theure Heimgegangene es ver-standen hat, auch über den nächsten Soldatenbcrnf hinaus auf die weitestenKreise des bürgerlichen Lebens fördernd, helfend, theilnchmend einzuwirken,davon legte sein Jubelfest beredtes Icuguiß ab, davon Zeugnis; auch die