Druckschrift 
2 (1892) Bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen
 

— ^23 —

geschehen: Wolf von Tümpling ist zu seinen Vätern versammelt worden! Derheiß geliebte und dankbar liebende Sohn ist der Mutter für dieses Leben ver-loren; der trene Gatte, der sorgsame Vater der Gattin, den Kindern frühegeraubt worden; der gute Bruder von den Geschwistern geschieden; der wackereSoldat, dessen Brust das Kreuz der Helden zierte, der umsichtige Gutsherr, derMann in der Fülle seiner Kraft, ist in den Tod gesunken; das Herz, das sofrisch und fröhlich, so kühn, so inuthig im Kampfgewühl der Schlacht, unter denMühen und Sorgen der Berufsarbeit, im heitere» Freundeskreise geschlagen,es ist, von dem Murine einer tückischen Krankheit zernagt, gebrochen, währendder Geist noch hoffend Pläne für die Zukunft machte. Zerstört ist damit dasschönste Familienglück; bitteres Weh ist über dies edle Haus gekommen. Dochder Apostel ruft uns zu, wir dürften als Christen wohl trauern um unsereHeimgegangenen, doch nicht wie „die Anderen, die keine Hoffnung haben".„Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elendestenunter den Menschen; nun aber ist Christus auferstanden von den Todten undder Erstling geworden unter denen, die da schlafen." „Wir glauben an dieAuferstehung und ein ewiges Leben," wir werfen den Anker unserer Hoffnungaus in die Ewigkeit, wo den müden Lrdcnpilgcr die Ruhe der Heimat labt.Dorthin richtet das liebende Auge nun seine Blicke, dort sucht fortan die Mutterihre» Heimgegangenen Sohn, dort suchen die Kinder ihre» theurcn Vater, dortschaut die Gattin im Geiste den Gemahl; dorthin richten wir alle in dieserernsten Stunde unfern Blick, indem wir betend die Herzen zu Gott erheben:Himmlischer Vater! wir bitten in dem Namen Deines lieben Sohnes, unseresHerrn und Heilandes, vollende an dem Heimgegangenen Deinen Liebesrath,den Du über uns sündigen Menschen in Deinem vaterherzen trägst, für dieEwigkeit! — Wir danken Dir an diesem Sarge für alle die Liebe, welche Dudem Entschlafenen in seinem irdischen Leben erwiesen hast! Du bist mit ihmgewesen von den Tagen seiner Kindheit an, hast väterlich ihn geführt durchsorgsamer Eltern Hand, hast ihn reich gesegnet mit zeitlichem Gut, hast dashöchste irdische Glück in dem Besitz seiner Familie, der treuen Gattin, der ge-liebten Kinder ihm geschenkt; Du hast ihn behütet im Gewühl der Schlachtund hast Segen gelegt auf seine Arbeit im Frieden. Du hast durch reicheErweise Deiner Güte sein Herz zu Dir gezogen, Du hast ihn dann auch durchdie Schule des Leids und der Trübsal geführt und hast ihn abgerufen von dieserLrdenpilgerschaft durch einen sanften Tod. V nimm den müden Wanderernun auf in das stille Vaterhans, den todeswnnden Kämpfer laß ruhen in denHütten des ewigen Friedens! Aber sende auch, Du Vater der Barmherzigkeitund des Trostes, sende Deine Trostengel in dieses Haus, daß sie die schmerz-lichen Wunden heilen, welche der Tod den Hinterbliebenen geschlagen hat. LaßFrieden einkehren in das blutende Mutterherz, gib Muth und Kraft, zu tragen,der tief betrübten Wittwe, halte schirmend und segnend Deine Hand über denKindern, die des Vaters so frühe beraubt sind, bewahre vor fernerem LeidMutter und Kinder! Vater im Himmel! Dir befehle» wir die Seele des Heim-gegangenen, Dir das Leben der Seinen, die an seinem Sarge trauern! Laßsie, laß uns alle erfahren, daß Du Gedanken des Friedens über uns hast und