— 124 —
setzte den Angreifer in unzweifelhaften Vortheil über den Ver-theidiger, während es bis dahin umgekehrt gewesen war, ihrTrotz demüthigte sich, der landesherrlichen Macht gegenübermußten sie sich fügen, und die Hohenzollern wußten die gro-ßen Vortheile, welche ihnen die neue Erfindung zur Befesti-gung und Ausbreitung ihrer Herrschaft, und zur Unterdrückungdes damit nicht verträglichen starren und stolzen Geistes desAdels und der Städte, darbot, mit Kraft und großem Geistezu benutzen. Das Ritterthum verschwand, wenn auch seinehemaliger Glanz als letzte Abendröthe noch das Adelthumbestrahlte, die Freiheiten der Städte waren dahin und mitihnen der Reichthum und die Macht derselben, die Stellungder Stände, den Fürsten gegenüber, hatte an Bedeutung garsehr verloren. Nur die Kirche behauptete noch auf einige Zeitihre frühere Stellung, und der geistliche Stand hatte anMacht nichts eingebüßt; aber nur zwei Generationen hindurchvermochte die Kirche ihr Ansehen zu erhalten, da trat jenegroße geistige Bewegung ein, welche die Geschichte unter demNamen der Reformation kennt, durch welche der Landesherrder oberste Bischof wurde, die Prälaten aufhörten, und dieRechte des geistlichen Standes nicht minder unscheinbar wur-den, wie die der übrigen Stände. Inzwischen war die Buch-druckerkunst allgemeiner geworden, das Studium der altenLitteratur hatte eine Menge begeisterter Verehrer und Bear-beiter gefunden, eine neue Welt war entdeckt voll unermeßlicherSchätze edlen Metalls, das, nach Europa geführt, die so langefeststehenden Preise aller Dinge allmälig gänzlich veränderte,und den Werth des bisherigen Geldes so tief herabsetzte, daßdie bisherigen Besitzer desselben dabei unendlich verloren, na-mentlich auch der Adel; die Geldleistungen der Gutsunter-thanen waren zwar dem Namen nach noch die früheren, deinWerthe nach aber waren sie unter der Hälfte herabgesunken.Mit diesen mannigfacheil Wirrnissen hatten noch die folgenden