Druckschrift 
2 (1719) Worinne das alte und neue Asia
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

Von der grossen Tarearey.

4?

.>.!

Weiber, da sich denn einer von ihnen gantz ausgestreckt zur Erden leget, um wel-chen die ander!; herum treten,und ein grosses Geschrey machen. Andere schlagenauf gewisse Trommeln, und wenn diese ein wenig auffhören, so fangen jene ihrGeschrey wiederan, welches zuweilen zwey Stunden lang wahret, bis derjeni-ge, so aufder Erden lieget, gantz ausser sich selbstverrückt und verwirret zu seynscheinet, nach einem langen Geschrey sich auffrischtet, und denen andern crzehlet,wo er gewesen, und was er gesehen und gehöret habe; dabey er auchdas ver-meldet, was einer oder der andere von zukünfftigen Dingen zu wissen verlanget.Ihre Todten lassen sie drey Tage im Hause stehen, hernach setzen sie selbige in einerhabenes Grab, in einen Garten, oder auf das Feld. Nach diesem gehen dienächsten Freunde täglich zu dem Grabe, an dessen Ober-Ende ein Loch gemachetist, und bringen dem Todten allerley Speise und Tranck, legen die Speisemiteinem darzu gemachten Löffel aufdes verstorbenen Mund; das Geträncke aber,so von unterschiedener Artist, setzen sie in kleinen zinnernen Schüsselchen ringsum das Grab, und dieses thun sie einige Wochen, hernach pstegen sie die stin-ckendeLeiche tieffer zu vergraben. Sie wohnen in elenden Leimen-Hausern, somit dünnen; Schilffbedecket sind, wie bey uns kleine Brau-Häuser. Die Wän-de sind inwendig mit weissem Kalck bestrichen. Um einen Pfeiler im Hause, derohngefehreine Kiaffter hoch von der Erde ist, haben sie die Gedärme von einemThiere gewunden, dabey ein kleiner Bogen, mit Pfeilen, Spießen und andern?Gewehr hänget, denen sie jezuweilen mit Bücken göttliche Ehre erweisen. DieHäuser sind in gewisse Gemächer abgetheilet, und haben keine Böden, sonder»das halbe Hauß ist rund herum an denen Wänden mit einer Banck einer Ellenhoch und ohngefehr zwey Ellen breit persehen,die miteinerDecke, aus Schilf ge-flochten, beleget wird. Unter diesen Bäncken ist ein Schornstein, darinne dasFeuer von aussen an der Thüre gemachet wird, und der sich an der andern Seitendes Hauses wiederum endiget. Dieser muß an statt des Ofens dienen, wiewohles wenig warm davon wird; ausser daß die, so des Tages darauf sitzen, und desNachts darauf schlaffen, in etwas dadurch erwärmet werden. Es stehen auchjederzeit in denen Häusern zween gegossene, und in etwas ausgezierete Kessel be-reit, in deren einem sie jederzeit warmes Wasser haben, zum Tl)ee trincken, undin dem andern werden die Speisen gekochet. Das Hauß hat rund herum grosseCreutzweise gemachte Fenster, welche an statt des Glases mit Papier betleidetsind, und wenn es warm ist, so heben sie dieselbe mit einem Stocke in die Höhe,damit der kühle Wind von aussen durch das Hauß wehe. Diese Menschen sindsonst wohlgestaltet , sonderlich die Weibes - Personen. Die Schreiber der^lsnclzr^nen, welche in des Lbamz Diensten hieher gesendet werden, haben dieFreyheit, daß sie, wenn sie sich in dem Venuz.Garten erlustigen wollen, sowohlFrauen, als Jungfrauen , die ihnen anständig, denen Einwohnern wegneh-memdürffen. Viele bilden sich darauf etwas ein , daß sie solche vornehmeAnderer Theil. G Herren