Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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Fortuna auf dem Gipfel, Der Fürstbischof Maximilian Friedrich ließ »dasselbe durch den bauverständigen General v, Schlun an der Ostseitcder von Bernhard v Galen errichteten Citadelle erbauen; es wurde imJahre 1767 vollendet. I» dem südlichen der vorspringenden Flügel be-findet sich die dem Erzengel Michael gewidmete Schloßkapclle miteinem recht schöne» Oelgemälde, Christum am Kreuze vorstellend; einmalim Jahre, am Michaelistage, wird in derselben Gottesdienst gehalten, lAuch in der Hauskapelle ist ein sehr schönes Gemälde von Tischbein, !Christum in Gethsemane vorstellend. Der große Saal, der fich inder Mitte des Schlosses über dem Eingange befindet, ist ein Oval, nimmtdie Höhe von zwei Stockwerken ein, und ist mit einer Gallerte und ko-rinthischer Säulen-Verzierung versehen; im Hintergründe ist ein Gemäldebefindlich, welches den verstorbenen König Friedrich Wilhelm lll, inLebensgröße vorstellt. Der anstoßende Fürstensaal enthält die Bild-nisse sämmtlicher Fürstbischöfe Münsters von Bernhard von Galen bis aufMaximilian Franz. Sehr sehenswert!) sind die an der westlichen Seite,nach dem Schloßgarten hin ausgehauenen Larven, ei» Werk des genia-len Bildhauers Pfeil. Das Schloß war Anfangs die Wohnung derbeiden letzten Fürstbischöfe, hierauf der preußischen, dann der französischenBehörden; seit den Freiheitskriegen dient es zur Wohnung für den kom-mandirendcn General des 7. Armeekorps und des Obcrpräsidenlcn derProvinz Westfalen, Der Schloßgarten, den größeren Theil dervormaligen Citadelle einnehmend, bildet ein fast regelmäßiges Fünfeck,und ist auf den Seitenllnien mit einer vierfachen Baum-Reihe bepflanzt,durch welche zwei Fuß-Alleen mit eingeschlossenem Fahrwege gebildet wer-den, Den inneren Raum des Fünfeckes füllt fast ganz der botanischeGarten mit Treib- und Gewächshäusern, sowie mit vielen seltenenBäume» und Pflanzen. Die Außenseite des Fünfeckes zwischen den Alleenund dem einschließenden Graben ist mit buschigen Gängen angefüllt, diein mannigfaltigen Windungen auf- und absteigen, Der Schloßgartenbildet durch seme Schönheit und geschmackvolle Einrichtung einen der an-genehmsten Spazicrgänge; auch bietet eine unweit des botanischen Gartensliegende Restauration zu jeder Tageszeit alle möglichen Erfrischungen.

Unter den Privatgebäuden der Stadt zeichne» sich u. a. aus:Die Wohnung des Grafen v. Droste Vischering, unweit der Clc-mcnskirche; des Freiherrn v. Romberg und des Grafen v. Schmi-sing auf der Neubrücken-Straßc; des Freiherr» v. Bevcrförde aufder Königsstraße, und des Grafen v. Merveldt auf der Ludgeristraße, Ein sehr schenswerthes Kunstwerk ist die Statue des Johannes v.Nepomuck, bei der sog. Plettenberger Mühle, am Uebergange vomSpiekerhof auf die Rosenstraße, auf der nördlichen Seiteuwand der Brücke;sie ist ein Meisterwerk des genialen Gröninger. In altert ml ich erHinsicht ist der sog. Sentenzbogen merkwürdig, an dem Gebäudedes jetzigen Civilklubs sfrllhercm Stadt-Wciuhause), in dessen unterenRäumen sich die Hauptwache befindet. Von diesem Sentcnzbogen herabwurde früher den zum Tode verurtheilte» Verbrecher» ihr Todesurtheilvorgelesen und der Stab über sie gebrochen. Ein früherer Betaltarder Wiedertäufer eristirt noch in dem Hause Nr. 37 der Martini-Laischast auf dem Spiekerhof; die goldne Halskette Johanns v. Lcy-den ist noch im Besitze des Grafen v, Merveldt; sie wurde nach der Ein-nahme der Stadt im Jahre tb35 dem damaligen Drosten von Wolbeck,Theodorich v. Merveldt, einem der Ahnherren der Familie, vom FürstbischofFranz von Waldeck geschentt. In der Umgegend Münsters befanden sichfrüher viele Grabhügel der alten Deutschen und auch der Römer mitUrnen voll Asche und Thräncnnäpfchen, auch zuweilen mit Waffen; vor-züglich reich an ihnen war die Haide zwischen Hiltrup und Alberslvh, etwazwei Stunden südlich von Münster, welche den NamenHohe Wart"führt; in der neuesten Zeit sind sie durch die Theilung der Gemeindeflächcnfast ganz verschwunden.

Von den vormaligen Kirchen und Klöstern der Stadt, die nochjetzt stehen, aber ihre Bestimmung als Gotteshäuser verloren haben,verdienen genannt zu werden: 1) die Kirche und das Ordcnshausder deutschen Herren, oder die St. Gcorgs-Commende (platt-deutschJürgerei" genannt), im südlichen Theile der Stadt, auf dem

Grunde des Bispinghofes, unweit des Eintrittes der Aa in die Stadt,Beide dienen jetzt zum Lokale für das königliche Proviant-Amt und dieWohnungeii der Beamten. 2) Ein Rest der früheren Fraterherren-Wohnung, auf der Südseite der Neuen-Straße, unweit des Neuen-Platzes, jetzt in ein modernes Wohnhaus umgewandelt. 3» Die St, Jo-Hannis-Comniende der Malteser-Ritter, auf der Bergstraßenordwestlich von der (oben erwähnten) Aa-Jnsel. Sie ist jetzt eine Privat-besitzung des Fürsten von Bentheim-Steinfurt; Kirche und Ordenshausscheinen in ihrer jetzigen Gestalt kaum in das 17. Jahrhundert zurückzurei-chen. 4; Das Observanten-Kloster, gegenüber der Johannis-Com-inende, und früher mit diesem durch einen besonderen quer über die Berg-straße unweit der Brücke führenden Gang verbunden; Kirche und Klosterdienen jetzt zum Lokale für das Garnison-Lazareth und als Kakerne derreitenden Artillerie. Zu der letztere» ist auch ein früher hier befindlichesArmenhaus gezogen, welches im Jahre 1542 durch die BürgerfamilieButepag für 12 arme Männer und eben so viele Frauen gestiftet, unddasHospital am lnahe liegenden) Buddenthurm" genannt wurde 5) DieMargarethen-Kapelle, auf der Südseite der Dom-Immunität, inder Nähe des jetzigen Land- und Stadtgcrichts-Gebäudes hinter andern Ge-bäuden versteckt liegend; sie ist jetzt den Gerichten zur Aufbewahrung vonAkten und Dokumenten überwiesen, 6) die Klarissenkirche nebst Klo-ster, an der nach ihr benannten Klarisscnstiege unweit der Clemens-Straßeliegend: ihre Räume sind jetzt zur städtischen Hülflosen-Anstalt und zudem sog, großen Armenhause eingerichtet, 7) Das Augustiner Nonnen-Kloster Nießiiig nebst Kirche, unweit der Servatii-Kirche; in ihnenbefindet sich jetzt das königliche Traindepot; nur die ehemalige Wohnungder Vorsteherin oder sog. würdigen Mutter (Werge Moder") ist jetzt demCommandeur der 13. Division zur Amtswohnung überwiesen, Kloster undKirche scheinen unverändert aus dem 15, Jahrhundert erhalten zu sein,ö) Die Dominikaner-Kirche nebst Kloster, Sie liegt an der Nord-seite der Salzstraße, ist im neu-italienischen Geschmack erbaut und mitzwei Thürmen nebst einer prächtigen Kuppel versehen. Sehr schön ist dasFrontispis an der Westseite, nur zu sehr durch nahestehende Gebäude ver-deckt, und das Portal am Eingange, Die angebrachten korinthische» unddorischen Säulen sind alle im reinsten griechischen Style ausgeführt. Indieser Kirche befindet sich noch das Epitaphium des im Jahre 1733 gestor-benen münstcrschen Generals der Artillerie, Lambert Friedrich vonCorfey, des Erbauers dieser Kirche und Verfassers einer bekannte» undviel benutzten münsterschen Chronik. Sie dient jetzt zum Provinzial-Zeug-hause für die Garnison; das Kloster enthält die Lokale für die Steuer-Direktion und Hauptamt, wie auch für die General-Commission.

Bon den vormaligen Kirchen und Klöstern der Stadt, die jetzt abge-brochen oder auf andere Weise untergegangen sind, verdienenErwähnung: I) Das Aegidii-Nonnen-Kloster nebst Kirche, anderStelle der jetzigen neuen Jnsanteriekaserne und des davor befindlichen Platzes.Die Kirche reichte mit ihrem östlichen Ende bis an das Nord-Ende derAczibii-Straße, Hinter der Kirche war westlich das Kloster angebaut undmit ihr durch eine Thür verbunden. Das Kloster hatte längere Zeit eineeigene Kapelle lsaoellum 8, 8. Lenoüiot! ot 8cliol» tione), die wohl dieälteste Kirche gewesen sein mag. Der Thurm der Kirche, der an derWestseite aus dem Dache emporragte und sich hauptsächlich auf die HintereWand stützte, übrigens so wie die Kirche weder in alterthümlicher noch insonstiger Rücksicht merkwürdig war, wurde in der neueren Zeit schadhaft,stürzte am 2. Mai 1821, nachdem vorher die Kirche und der umgebendeRaum abgesperrt waren, unter großem Krachen zusammen, sank mit seinerganzen Last auf die Kirche und zerschlug Alles bis an den Chor hin, sodaß nur die Außenwände stehen blieben; (die Aegidii-Pfarre wurde deß-wegen in die vormalige Kapuziner-Kirche verlegt,) Kirche und Klosterreichten in ihrer damals vorhandenen Gestalt nicht über das 16, Jahr-hundert hinaus; über die früheren und ältesten Gebäude fehlen alle Nach-richten. Von den Nebengebäuden des Klosters sind auf dem Kasernenhofnoch zwei vorhanden, 2) die Magdalenen-Kirche mit dem zugehöri-gen Hospital, gewöhnlich schlechthin die Spitalkirche oder das Spi-tälchen ( Spitölkc»") genannt, stand früher an der Stelle der neuen