Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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neue Aabrücke und neue Einfassung des Flusses Heller und freundlicher ^geworden.

3. DieLamberti-Kirche.

Nördlich vom Markte, im höchsten Theile der Stadt, prangt diesesim reinsten deutschen Style gehaltene Prachlgcbäudc. Der Thurm, der inseinem unteren Theile älter ist, und »och Spuren der vordentschcn Bauartverräth, hat eine etwas schiefe Stellung und neigt sich nach dem Marktehinüber, weßhalb sorgsame Leute schon längst seinen Einsturz befürchtethabe». Mehrmals hat er durch Brand gelitten, weßhalb er durch starkeKlammern an die Kirche befestigt und im Innern durch zahlreiche Balkengestützt ist. Eine Kuppel steht oben über der inneren Oeffnung des Thur-mes und ist mit einem Thürmchen geziert. Ein eisernes Geländer umgibtden Raum zwischen der Kuppel und dem Rande des Thurmes. Unterdiesem Geländer, an der Südseite des Thurmes, hangen die bekanntendrei eisernen Käfige der Häupter der Wiedertäufer. Die Höhe des Thurmesbeträgt volle 200 Fuß. In einer in der Kuppel angebrachten Stube wohntbei Nacht ein Wächter. Die Kirche hat an der südlichen Seite einenAnbau, einen Nebenchor (den Johannischor) nebst Sakristei enthaltend.Wahrscheinlich war dieser der ältere, weßhalb er auch noch den Namendes alten Chores führt. Die Statuen an den deutschen Strebe-pfeilern rings um die Kirche sind fast alle durch die Wiedertäufer zer-trümmert, wie auch die schönen Glasmalereien der Fenster. Die Ziegcl-bedeckung der Kirche ist widerlich anzusehen. Von vorzüglichem Kunst-werthe ist das Süd-Portal, unweit des Thurmes. Die ächtdeutsche Verzierung über dem dortigen Haupt-Eingange enthält nämlicheinen ausgezeichnet gearbeiteten Stammbaum, der die Geschlechtsfolgc desHauses David von diesem bis Christus vorstellt. Ein hier früher angebau-tes geschmackloses Thürmchcn, als Aufgang zur Orgel dienend, ist in derneuesten Zeit abgebrochen. Das Innere der Kirche bietet das Muster einesim Einzelnen und Gänzen vollcnderen ächt deutschen Tempels. Vierkühn e.nporstrebende Säulen zu beiden Seiten tragen das Langhaus derKirche. Die zwei Abseiten des Langhauses nördlich und südlich habengleiche Höhe mit diesem. An Kunst-Merkwürdigkeiten ist die Kirche nichtreich; die vorhandenen Statuen und Gemälde sind übcrdieß garnicht alter-tümlich und nicht alt, und passen nicht recht zu dem Innern des altenGebäudes. Das Altargemälde, vorstellend das Martyrium des heil.Lambertus, ist im Jahre l78l) vom münsterschen Maler Pater Evels ge-malt und hat Kunstwerth. Auch schenswerth ist ein Gemälde an der süd-lichen Seitenwand, das jüngste Gericht vorstellend, aus der deutschen Schulevon unbekanntem Meister, mit dem Monogramm öl l>, öl, 8.) aus demJahre 1604. Der Hochaltar und der Predigtstuhl erinnern an den neu-italienischen Geschmack. Das Altargemälde im ersten Seitcnaltarelinks, das Opfer der h. drei Könige vorstellend, hat ebenfalls Kunstwerth.In dem mittleren Fenster der südlichen Seitenwand befindet sich ein aus-gezeichnetes, wenn auch nicht sehr altes Glasgemälve, eine Scene aus derGeschichte des Heilandes vorstellend, wie dieser dem Petrus gebietet, ausdem Kahne zu steigen und über das Wasser zu ihm zu wandeln.

4. Die L»dgeri-K irche

Der Thurm steht nicht, wie gewöhnlich, am westlichen Ende, sondernin der Mitte und im Laughausc, und ruhet auf vier Pfeilern. Er bildetein regelmäßiges Achteck und ist von dem Punkte an, wo er aus demDache hcr.orragt, in drei Stockwerke getheilt. Um das oberste Stockwerkbefindet sich eine Gallerie, innerhalb welcher ei» viertes Stockwerk ist, wel-ches gleich einer Mauerkrone das Werk schließt und oben offen ist, wodurchder Thurm ein höchst merkwürdiges Ansehen gewinnt. Die beiden untere»Stockwerke sind im vordeulschcn, die beiden oberen im deutsche» Styleerbaut. Auch der westliche Theil des Langhauses der Kirche trägt ganz denCharakter der vordeutschen Bauart; daher die noch rund gewölbien Fenster,und der in einen Rundbogen auslaufende ziemlich plump gearbeitete Ein-gang an der Westseite. Der Chor zeigt schon den deutschen Geschmackund ist ohne Frage jüngeren Ursprungs, als das Langhaus. Im Innernder Kirche trennen drei zu beiden Seile» befindliche Pfeiler das Langhausvon zwei Abseiten, deren jede mit zwei Altären versehen ist. Den Haupt-altar zieren nach verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres drei Altarblätter,

von denen das eine, den h. Ludgerus im Gebete vorstellend, Kunstwerthhat. Im Hintergründe der Kirche befinden sich zwei altdeutsche Stücke,die beide vermuthlich aus der Schule der tom Ring stammen; das einestellt eine Krankenheilung, das andere eine Grablegung vor. AndereSehenswürdigkeiten bietet die Kirche nicht. Bestimmte Nachrichten überdie Vollendung und den Ausbau des jetzt vorhandenen Gebäudes habenwir nicht; der Baustyl weiset für die neuesten Theile auf das 14. Jahr-hundert zurück; mehrmaliger starker Brand, den alte Nachrichten melden,mag die Veranlassung zu der jetzigen unregelmäßigen Gestalt gegeben haben.

5. Die Martini-Kirche.

Ueber das Alter dieses Gebäudes, sowie über dasjenige, welches früheran dortiger Stelle gestanden, fehlen alle Nachrichten; kaum möchte jenesin das 15. Jahrhundert zurück versetzt werden dürfen; Alterthümer undbesondere Sehenswürdigkeiten sucht man ebenfalls vergebens. Der Thurm,der früher eine hohe mit Kupfer gedeckte Spitze hatte, litt sehr im sieben-jährige» Kriege bei der Belagerung der Stadt durch den Grafen Wilhelmvon Schaumburg-Lippe, und noch sieht man seinem oberen Theile das ge-ringe Alter an. Das Altarblatt des Hoch-Altars ist sehr sehens-werth; es stellt den h. Martinns vor, wie er die Messe eelebrirt. EineFeuerkugel aus dem feindlichen Lager vor der Stadt hat das Gewölbe derKirche zerschlagen und drobt den Heiligen zu zerschmettern. Doch dieser,ganz in die heilige Handlung vertieft, scheint die Kugel gar nicht zu be-merken. Wahrscheinlich ist bei der Belagerung im siebenjährigen Kriegeeine Bombe während des Gottesdienstes durch das Dach gefallen und hatdie Veranlassung zu diesem Bilde gegeben. Der Maler, ein gewisserBoichorst, genannt der lange Jan, hat sehr genial den b. Martinasstatt des Priesters substituirt. Die Statuen der HH. Georg und Mar-tinas, links und rechts über den Seitenthüren, sind schenswerth. Beidegroße Kriegshelden sind zu Pferde sitzend, dargestellt, Ersterer den Lind-wurm tödtend, Letzterer seinen Mantel mit einem Armen theilend.

6. Die evangelische, vormalige Minorite» - Kirche.

Diese Kirche liegt nebst dem angrenzenden vormaligen Kloster, welchesjetzt in eine Kaserne verwandelt ist, auf der Grenze des Lamberti- und desMartini-Kirchspiels. Nach der Aufhebung der Kirche und des Klosterswurde sie vor ungefähr 3g Jahren der evangelischen Gemeinde überwiesenund für deren Gottesdienst mit manchen neuen Einrichtungen versehen;Alterthümer irgend einer Art finden sich in der Kirche nicht. Durch zweiReihen Säule» ist sie in drei Langhäuser getheilt; der Chor mit dem Hoch-altar ist um viele Stufen höher als der übrige Raum der Kirche. DasAltargemälde, Christum mit dem ungläubigen Thomas in der Ver-sammlung der Apostel vorstellend, und Kanzel und Taufstein im altdeut-sche» Geschmack, sind recht schenswerth. Das Alter der Kirche und desfrüheren Klosters dürfte nicht über das Ende des 15. Jahrhunderts hinaus-reichen.

7. Die Clemens- oder Barmherzigen-Kirche.

Diese Kirche erinnert in ihrer äußeren Gestalt an den ncuitalicnischenBaustyl, in ihrer inneren Verzierung an den schnörkelhaften französischenGeschmack aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts. So sehr sie beidem ersten Anblick einnimmt, eben so sehr verliert sie in den Augen desKunstkenners bei näherer Betrachtung. Das Aeußere bildet eine Roton-da mit einem Thürmchen oder sog. Leuchter in der Kuppel, welchesmit großen Fenstern versehen und unten nach der Kirche hin offen ist. Aufdiese Weise dringt auch von oben her das Licht in die Kirche; außerdembefinden sich auch einige Fenster in der Kuppel. An dem Hauptaltare be-finden sich vier ionische aber verschnörkelte und nicht rein gehaltene Säulen,und an jedem der beiden Seitenaltäre ebenfalls zwei ionische gleicher Art.Die Deckengemälde find, laut einer dort befindlichen Inschrift, vondem bayerschcn Maler Schöpf im Jahre 1750 gemalt. Das Gemäldedes Hauptaltares stellt das Martyrium des h. Clemens vor, welcherauf Befehl des römischen Kaisers Trajan mit einem Anker am Halse inden Tiber geworfen wurde. Das angrenzende frühere Kloster der barm-herzigen Brüder ist jetzt das Lokal des vortrefflichen Clemens-Hospitals.