Wand des hohen Chores, die drei Sibillen vorstellend, in der Näheder Jvsephskapelle, aus dem Jahre 1604, von unbekanntem Meister. —Der hohe Chor ist von Innen an den Wände» in moderner Weise bemaltund hat in den Jenstern Glasmalereien, die aber nichts weniger als altsind. Der Baustyl ist durchaus der byzantinische oder vordeutschc; dochgehören einzelne Kunstwerke einer viel späteren Zeit an. Neberhaupt lassensich hier, wie in der ganzen Domkirche, vier Kunst-Epoche» unterscheiden.So z. B. erinnern die beiden Evangelisten über den Seitenwänden zubeiden Seite» des Apostelganges an den altdeutschen noch ganz rohenBaustyl, die Struktur des Chores im Allgemeinen und der Nundbögenstylan den byzantinischen, der Apostelgang und die Bildsäulen der ApostelPetrus und Paulus rechts und links an den deutschen, die 9 Erzengel obenan der Gallerie nebst der Maria an der rechten Seitenwanv an den neu-italienischen Baustyl. — Der Hochaltar des Chores ist mit bemalten undrecht sehenswerthen Doppel-Flügeln versehen, wird an hohen Festtagenaufgeschlossen und zeigt dann einen Schah von vergoldeten und silberne»Figuren, die Apostel mit den lZ kleinen Propheten, die heilige Magdalenaund die heilige Agnes vorstellend» auch einige thurmförmige Vasen mitReliquien. - Neben dem Hochaltar steht der ehemalige Spieltisch Jo-hann's v. Leyden, der jetzt zur Aufstellung der nöthigen Gefäße wäh-rend des h. Meßopfers dient. Er ist eine lange Tafel, die sich auf beide»Seite» aufschlagen läßt, und künstlich mit Hol; von verschiedener Farbeausgelegt ist. — Sehr schön sind die Basleriefs von weißem Marmoran den inneren Scitenwändcn des hohen Chores, ebenfalls von Grönin-ger. Unter ihnen sind die Schlacht zwischen Marentius und Constantin,und der h. Ludgcrus, wie er eine blinde Frau heilt, die besten. Ziemlichgelungen sind auch vier Figuren, welche ein von Plcttenberg-Nordkirchen'-sches Wappen halten, wahrscheinlich von einem Schüler Gröningers. Esbefindet sich im Fußboden vor den Stufen des Hochaltars und ist immerbedeckt. — Vor dem Hochaltar rechts befindet sich das Grab des Erz-bischofs von Köln, Clemens August, Frhrn. Droste zu Vischc-ring, und diesem gegenüber das seines Bruders Caspar Maximilian,Bischofs von Münster. — Das seitwärts befindliche Monumentdes Fürstbischofs Friedrich Christian von Plettenberg hat ge-ringen Kunstwerth, sehr großen dagegen ein Oelgemälve vor der Mittedes Apostelgangcs aus dem Jahre l759, vom münster'schen Maler Koppers;es enthält eine allegorische Darstellung, wie Gott Vater den Sohn zurRettung der Welt hingibt. — Links vom Hochaltare, an der sog. Evange-lienseite, befindet sich ein hohes Sanktuarium von sehr künstlicher deutscherBauart und thurmähnlicher Figur. Ein anderes ähnliches Kunstwerk ander gegenüberliegenden Epistelseite dient zur Aufbewahrung des h. Salb-öles. — Das Kapitelhaus hat ein eigenthümliches Innere und einsehr kunstvoll gearbeitetes Getäfel an den Wänden, welches kurz nach denZeiten der Wiedertäufer auf Geheiß des Bischofs Franz von Walveck,dessen Wappen es auch enthält, angefertigt worden ist, und eine auf denDomplatz führende künstliche Thür, die vermittelst eines künstliche» Mecha-nismus an beiden Seiten geöffnet werden kann. — Die Kostbarkeiten unddas Silbcrwerk des Domes sind bei der französischen Besitznahme im Jahre>896 alle hinweggeführt und nur theilweisc zurückgekommen. Zu diesen ge-hört dev sog. Paulusnapf, der mit dem Bilde des h. Paulus versehenund mit einer künstlich eingravirten Karte des Bisthums Münster geziertist. Ebenso werden viele kunstvoll gearbeitete und sehr kostbare Meßgewän-der aufbewahrt, unter anderen eines, welches die unglückliche Königin MarieAntoinette von Frankreich gestickt hat. — Der sog. alte Dom lfrüherbischöfliche Kapelle), au der Westseite des Umganges liegend, ist im Innerngänzlichspoliirt und dient jetzt als Salzmagazin. — Die Uhr im Dome,an der Wand des hohen Chores, in der südlichen Abseite befindlich, istein altes und höchst merkwürdiges Kunstwerk, soll nach einer alten Nach-richt durch einen Geistlichen aus dem Kloster Huda im Iah e 1498 zurVollendung gebracht, nach anderen Nachrichten aber erst im Jahre l5>2durch einen münsterschen Uhrmacher Jakob Lange verfertigt sein. Sielitt sehr durch die Wiedertäufer, wurde später wieder hergestellt und ver-bessert, und zuletzt im Jahre 1318 mit einem langen Pendel, und stattSpindel und Cykloide mit einer ruhenden Hemmung durch den Uhrmacher
Carl Münch versehen. Das Innere der Uhr mit seinen drei Werken istgut und dauerhaft, und das Vorlcgewerk, mit welchem die astronomischenund übrigen künstlichen Theile in Bewegung gesetzt werden, möglichst genauund richtig berechnet. Oben am Zifferblatte befinden sich vier Figuren,wovon die beiden zur Linken zum Vicrtclschlage, die beiden zur Rechtenzum Stundenschlage dienen. Hat die erste zur Linken, ein Knochengerippemit einem Hammer in der Hand, bei voller Stunde vier Schläge gethan,so wendet die neben ihr stehende, welche die Zeit vorstellt und eine Sand-uhr in der Hand trägt, diese herum, »nd unmittelbar darauf schlägt dieauf der andern Seite stehende weibliche Figur mit einem Hammer auf eineGlocke die volle Stundenzahl, während eine neben ihr stehende männlichein die Trompete stößt. Unter dem Zifferblatt befindet sich aus einer großen,runden »nd sich drehenden Scheibe der Kalender des ganzen Jahres mitzwölf Bilderchen nebst zwei Figuren, von denen die mittlere auf den jedes-maligen Monat, »nd zwar vermittelst eines in ihren Händen befindlichen,die Aufschrift: bio est luons!» pruesens, tragende» Zettels, die andere zurSeite angebrachte, welche einen Schild mit der Aufschrift: Knec est <>wsballier»» trägt, auf das jedesmalige Datum mit einem in der Hand be-findlichen Stäbchen zeigt.
?. Die Ueberwasser- oder Liebfrau en-Kirchc.
Diese hat eine Länge von ungefähr 189, und eine Breite von 69 Fuß.Der Thurm ist westlich an die Kirche angebaut, ungefähr 199 Fuß hochund im deutschen Geschmacke, sowie die ganze übrige Kirche, ausgeführt.Das Dach der Kirche ist mit Kupfer gedeckt. Früher stand auf dem Thurmeeine seiner halben Höhe gleichkommende hölzerne Spitze, die durch Wieder-täufer heruntergerissen, dann durch eine ähnliche hölzerne ersetzt wurde, bisauch diese durch einen heftigen Sturm im Jahre 1794 hinuntergeworfenund durch ein kleines und modernes Thürmchen ersetzt wurde, eine Ent-stellung des alterthümlichen Gebäudes, die man erst vor sechs Jahren weg-geschafft hat. Ebenfalls hat man die schönen deutschen Spitzsänlen amoberen Stocke des Thurmes reparirt. Kirche und Thurm sind übrigens,wenige Beschädigungen durch die Wiedertäufer abgerechnet, in unbeschä-digtem Zustande seit ihrer Erbauung im Jahre 1349 geblieben. —Der Hauptcingang ist in der Mitte der Westseite unter dem Thurme.Außer diesem sind noch zwei Eingänge auf der Südseite mit neugebautenPortalen, welche die alterthümliche Kirche wenig zieren; ein dritter führtan der Nordscite aus dem Seminar, welches unmittelbar an die Kircheangebaut ist, in diese. Der Haupteingang bildet ein Atrium, dem desDomes ähnlich, aber kleiner und ohne Geländer; die Statuen an den tiefeingehenden Einschlagmauern sind fast alle in den Wiedertäufer-Zeitenverstümmelt oder heruntergerissen. Unmittelbar hinter dem Eingange istdas untere Stockwerk des Thurmes von der inneren Kirche durch eine mitThüren versehene Scheidewand getrennt. In diesem Vorhofe erblickt maneinige sehr alte Gemälde, deren eines eine Kreuzigung vorstellt. — Zehnhohe deutsche Säulen tragen das Langhaus der Kirche und sondern dasselbevon den schmaleren aber eben so hohen Abseiten. Rechts vom Eingängefinden wir eine etwa 8—9 Fuß hohe, 4'/, Fuß breite Takel aufgehängt,welche die Grabstätte des münsterschen Malers Lndger toi» Ring bezeich-net. In der Nähe, an der nördlichen Seitenwand, befindet sich ein ein-gemauertes Basrelief von weißem Marmor, die Aufnahme der Jung-frau Maria in den Himmel vorstellend. Die vier Seitenaltäre sindmit eben so vielen Altarblättern von dem jüngeren Koppers geziert, derviele geschmackvolle Arbeiten geliefert, aber seinen Vater nicht erreicht hat.Von ihm ist auch das Altarblatt des Hauptaltares, ebenfalls dieAufnahme Mariä in den Himmel vorstellend. — Das wunder thätigeMarienbild ander östlichen Grenzwand der südlichen Abseite ist berühmt.— Im Refektorium des Seminars hängt ein Gemälde, welches die Ueber-gabe des Klosters Ueberwasser durch den Kaiser an die erste Äbtissin vor-stellt, eine Arbeit von Koppers aus dem vorigen Jahrhundert und wahr-scheinlich nach einem älteren früher dort befindlichen Gemälde ausgeführt.-- Der Ludgeruskapelle, die sich an der Nordseite des Thurmes unterdem Seminar befindet, ist bereits oben Erwähnung geschehen. — DieUmgebungen der Kirche sind vor einigen Jahren durch das Niederreißeneiniger alten »nd häßlichen Gebäude in der Nähe der Aa, sowie durch eine