heißen die Marien- oder Klemens-, die Annen- und die Elisabeth-Kapelle. !Zwischen diesen beiden befindet sich eine ostwärts laufende Abseite desUmgangs, und zwischen der äußersten Kapelle und dem Chöre des Domesdas Kapitelhans. Der Vikarien-Kirchhof hat einige Wandbilder in erha-bener Arbeit, die aus dem l6. Jahrhundert zu stammen scheinen. Ueberdas alte in der Mitte errichtete Tabernakel ist oben gesprochen. Einejetzt vermauerte Thür führte früher vom Umgang in den westlich liegendenalten Dom.
Die im deutschen Style ausgeführte Verzierung an und überdem Haupt-Eingange in dem westlichen Frontispis zwischenden beiden Thürmen ist ziemlich alt und recht geschmackvoll. Das eiserneGeländer, welches das Atrium umgibt, und die Figuren auf den beidenPfeilern am Thore des Gitters, das alte unv neue Testament symbolischvorstellend, ebenso die Standbilder im Portale des Haupt-Eingangesdie klugen und thörichten Jungfrauen vorstellend, sind wahrscheinlich neuerenUrsprunges. Treten wir nun durch dieses schöne Portal in das Innereder Kirche, so fällt uns zunächst der sog. Alte Chor mit der Orgel in'sAuge. Er ist von gleicher Höhe mit dem Langhause, oben mit schönerDeckenmalerei und außerdem mit mehren sehenswerthen Statuen undGemälden verziert. Ausgezeichnet unter den letzter» ist ein unter derOrgel angebrachtes Deckenstück, vom Münsterschen Maler Piktorius ausdem Jahre >700, den Erzengel Michael im Kampfe mit den gefallenenEngeln vorstellend. Auf dem Altare, der in Verbmdung mit zwei eisernenGitterthüren den alten Chor von dem Langhause trennt, ist eine Bildhauer-Arbeit, die schmerzhafte Mutter mit dem Christus vorstellend, von sehrgroßem Werthe. — Die Orgel gehört zu den schönsten und vollkommen-sten in Dentschland. Sie wurde in der Mitte des vorigen Jahrhundertsvon dem Lippstädter Patroklus Möller erbaut, und in den Jahren>828—30 durch den jnngen Orgelbauer Wilhelm Brcidenfeld ausNiederwenigcn bei Elberfeld, unter der Leitung des Dom-Organisten I.Antony so«, und der Mitwirkung des hiesigen Prof. Anton y vollstän-dig reparirt. Sie hat drei Claviaturen, ein freies Pedal und siebenBlasbälge, deren jeder beinahe zwölf Fuß Länge und acht Fuß Breite hat.Alterthümliches hat der alte Chor gar nicht. — Tritt man von hier indas Langhaus der Kirche, so hat man zur Linken und Rechten die beidenoben erwähnten Abseiten mit zwei Eingangs-Thüren, von denen die zurLinken in den Umgang, die zur Rechten in das Paradies führt. Ueberdieser befindet sich ein kolossales Bildwerk, ein Ungeheuer a» Um-fang und Masie, das jüngste Gericht vorstellend; es nimmt fast die halbeHöhe der Seitenwand ein. Hier in der Nähe, mehr nach dem hohen Chörezu, stand ehemals eine an die Seitenwand angebaute Kapelle des heilige»Mauritius mit einem Altare, und ebenfalls in der Nähe, an der Hinter-wand zwischen der Orgel und dem eben genannten Bildwerk, befindet sichein hohes Portal, welches in das Grabgewölbe ldie vonfialige Katha-rinen-Kapelle) führt. Dieses ist in der Charwoche vom Grünen-Donnerstagbis zur Osternacht geöffnet; eine darin angebrachte geschmackvolle Dekorationvon Krystall und Muscheln nebst Wandspiegeln und anderen Zicrrathen beidem Scheine zahlreicher Kerzen, in Verbindung mit der Ausstellung desHochwürdigsten, dem unten niedergelegten Bilde des Gekreuzigten und derbetenden Geistlichkeit, macht dann einen feierlichen und wahrhaft grandiösenEindruck. — Der Orgel gegenüber, an der nördlichen Seite des Lang-hauses und an dem ersten Pfeiler desselben erblickt man eine kolossaleStatue des h. Christophorus mit dem Christuskind; sie mag ziemlichalt sein und war wenigstens im ltZ. Jahrhundert schon vorhanden. — Dieübrigen zahlreichen Statue» und Bildwerke des Langhauses sind weder altnoch von besonderem Kunstwerthe. Ausgezeichneten Werth hat aber einan der linken Seite desselben Hangendes Gemälde des Münstcr'schen MalersKoppers, die Vertreibung der Käufer und Verkäufer ausdem Tempel durch Christum vorstellend. Die schönen Glasmalereien,welche im Mittelaltcr die Kirche zierten, sind durch durch die Wiedertäuferzerstört. Sehr sehenswerth sind aber die zur Linken in den Fenstern dernördlichen Verbindungs-Abseite befindlichen Glasmalereien, welche vorvierzehn Jahren aus der ehemaligen Abtei Marienfeld herübergekommensind. — Sehr widerlich ist der ganz im modernen Geschmacke errichtete
Predigtstnhl mit seiner weißgraucn Oelkarbe und vergoldete» Leistenanzusehen; er beleidigt in dem alterthümlichcn Gebäude das Auge aufsAeußerste. — Eigenthümlicher Art sind die vier dicken fast 60 Fuß hohenund 12 Fuß im Quadrat enthaltenden Pfeiler, welche das Langhaus vonden zwei Verbindungs-Abseiten trennen; sehr vermißt man die schönendeutschen Säule» anderer alten Kirchen. Zu bemerken ist ferner, daß imLanghause die oberen Fenster zwar einen Rundbogen haben und an denbyzantinischen Baustyl erinnern, die Decke aber von Spitzbögen getragenwird und an den deutschen Baustyl erinnert. Bei dem Uebergange vomLanghause zum Chöre, zwischen den beide» dritten Pfeilern, sieht mannoch einen fast völligen Spitzbogen, während ans dem Chöre sich Rund-bögen finden. Am östlichen Ende des Chores befindet sich ein sogenanntesKappengewölbc, dessen Bänder auf einen Vorderpnnkt zusammenlaufen.Diese Umstände sprechen dafür, daß der Chor, wie bei den meisten altenKirchen, älter als das Langhaus ist. — Vorne im Langhause zur Linkenhing in früheren Zeiten die Orgel; einige noch vorhandene Haken erinnernan diese.
Noch im Langhause der Kirche erhebt sich der steinerne Flur umeinige Fuß und führt auf den Chor oder hohen Chor. Die Schei-dungslinie bildet der sogenannte Apostelgang, ein schmaler Mittel-chor, der zu musikalischen Aufführungen beim Gottesdienste benutzt wird,und niit einer kleinen Orgel versehen ist. Zwei Thüren führen durch den-selben vom Langhause auf den Chor. Er ist im ächt deutschen Style infeinster Arbeit ausgeführt, wird schon in alten Nachrichten erwähnt, undwurde wahrscheinlich schon im 16. Jahrhundert errichtet. Zwei steinerneTreppen führen vom Chöre ans denselben; seine Höhe kommt ungefährder halben Höbe der Kirche gleich. Den Namen führt er von den obennach der Seite des Langhauses angebrachten kleinen Statue» der zwölfApostel. Auf derselben Seite in der Mitte, über dem Altare, der zwischenden beiden Thüren ist, schwebt, ebenfalls dem Langhause zugewandt, einaltes Krueifir, an dessen Stelle früher das oben erwähnte vom BischofFriedrich der Kirche geschenkte silberne Krucifix stand, welches die Wie-dertäufer zerstört haben. In der Charwoche wird jenes Krucifix indas Grabgewölbe gelegt, am Ostertage unten vor dem Apostelgang ander Kommunionbank aufgerichtet, und am Himmelfahrttage vermittelst eineraus der Decke herabhangenden Kette auf die erwähnte Stelle gezogen, woes bis zur Charwoche des folgenden Jahres seinen Platz behält. — DerChor ist von einer Wand eingeschlossen, welche ungefähr einem Drittheilseiner Höhe gleichkommt. Nördlich und südlich, ungefähr zwei Fuß tiefer,sind die beiden oben erwähn en Nebenchöre, durch welche die beiden »ebendem Langhause befindlichen Verbindungs-Abseiten unterbrochen werden,bis diese weiter östlich zwischen der Chor-Wand »nd der äußeren Wandwieder beginnen und am Ost-Ende ineinander laufen. Aufmerksamkeiterregt in der nördlichen Abseite des Chores ein Gemälde von dem vor-trefflichen münstcr'schen Maler Ludger toi» Ring, die Auferweckn ngLazari vorstellend, aus dem Jahre 1546. — Auf dem südlichen Nebeu-chor, an der westlichen Wand, zeigt sich ein ausgezeichnet schönes Kunst-werk, Christum in Gethscmane vorstellend, theils im Basrelief, theilsin stehenden Figuren, ein herrliches Meisterwerk des münstcr'schen Bild-hauers Gröninger aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts. ZweiOelgemälde auf dem nördlichen Nebenchöre, beide aus dem 17. Jahrhun-dert, Christum am Kreuze und die Grablegung Christi vorstellend, verdie-nen ebenfalls Aufmerksamkeit. — An die seitwärts laufenden Abseiten desChores sind nordwärts, am Ost-Ende des dortigen Nebenchors, zuerst dasKapitelhaus, und weiter hin einige Kapellen, letztere durch den Fürst-bischof Bernhard von Galen, angebauet, und umschließen östlich den Chor.Die nördlichste, dem Kapitelhausc zunächstlicgende führt den Namen Ar-marium, da sie zur Anlegung der Kirchenkleidung für die Geistlichkeitdient; dann folgt die Josephskapelle mit dem Grab' Monument desgenannten Fürstbischofs; hierauf die Ludgerus- und die Maxim us-kapelle. Die messingenen Pfeiler in den Geländern vor den Ka-pellen hat Bernhard v. Galen aus eroberten Kanonen gießen lassen. DieStatuen, welche in der Nähe an den Wänden angebracht sind, haben fastalle Kunstwerth. Sehenswcrth find auch die Oelgemälde auf Holz an der