Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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Jahre 1780 erfolgte Coadjutorwahl des Erzherzogs MaximilianFranz, ihm, dem hochverdienten Man», ein junger österreichischer Prinzin der Nachfolge auf den bischöfliche» Stuhl gegen die allgemeine Erwar-tung des ganzen Landes vorgezogen, weßhalb er den Posten eines dirigi-renden Ministers von jetzt an aufgab, und bloß das Generalvikariat nebstder Leitung des Schulwesens beibehielt. Im Jahre 1784 kam nach MarFriedrichens Tode der Erzherzog Maximilian Franz, zugleich Kurfürst vonKöln und Großmeister des deutschen Ordens, zur Regierung, und es ge-reicht ihm zum besonderen Ruhme, daß er des trefflichen Fürstenbergs An-ordnungen überall bestehen ließ und achtete. Unter ihm nahm das mün«stersche Neichskontingent an einem Reichscxekntionskriege wider das gegenseinen Bischof ausgestandene Lüttich Theil. Als die Stürme der fran-zösischen Revolution ausbrachcn, und ihnen im Jahre l8l)l der LüncvillerFriede folgte, erregte der noch in demselben Jahre erfolgte Tod des Kur-fürsten Maximilian Franz die größten Besorgnisse einer dnrch jenen Friedenvorbereiteten Säkularisation des Bisthnms, welche auch wirklich trotzder raschen Wahl des österreichischen Erzherzogs Anton Viktor dnrch diepreußische Besitznahme desselben am 3. August >802 eintrat. DasBisthum wurde darauf in Folge des Neichsdeputations-Hanptschlusscs vom25. Febr. l8l)3 unter verschiedene Herren vertheilt; ungefähr zwei Drit-

theile des Hochstiftes wurden der Krone Preußen zugetheilt. Das Dom-kapitel verlor seine Bedeutung, und wurde im Herbst d. I. 1806 ganzaufgehoben, nachdem bereits in den Jahren 1803 und 1804 ein Gleichesmit den vermögenderen Klöstern des Landes geschehen war. Münster fingan, zeitgemäßere Zustände zu erhalten, als der Verlust der Schlacht beiJena im Jahre 1806 (t4. Oktober) die preußische Negierung wieder ent-fernte, und das Land in die Hände des gewaltigen Napoleon gab. Zuerstals erobertes Land unter einem Militairgouvcrncur mit Holland, hieraufnach dem Frieden von Tilsit mit dem Großherzogthum Berg, hierauf mitdem französischen Departement der Isselmündungen vereinigt, seit deml. Januar l8ll einen Theil des Departements Lippe bildend erfreutesich das Land wenigstens eines erträglichen Zustandes; das Jahr 1813vereinigte es wieder mit Preußen, unter welchem es seine jetzigen Einrich-tungen erhalten, und ein ganz neues Dasein begonnen hat. Von loka-len Veränderungen aus den letzten Zeiten erwähnen wir die völligeSchließung des Liebfrauen-Thores seit Erbauung des neuenSchlosses, dagegen die Anlegung des Abschn itts - Thores zu dessenErsatzes und die unter dem letzten Fürstbischof geschehene Errichtung einesneuen Gymnasial-Gebäudes nebe» der Jesuiten-Kirche.

Sagen und Legenden.

l. Die Glocken zu Lüvinghausen.

I» alten Zeiten, als die Städte und Dörfer noch keine Namen hatten,ereignete es sich, daß man den Leichnam des h. Bischofs Ludger nachWerden an der Ruhr brachte. Als die Begleiter der Leiche nun durchein ganz einfältiges Dorf, 6 Stunden von Münster, kamen, da fingenauf einmal zu Ehren des h. Ludgcrus alle Glocken von selbst an zu läu-ten, und von diesem Augenblick an bekam das Dorf, «welches später einStädtchen wurde), den Namen Lüdinghausen.

2. DaS Kreuz im Dom zu Münster.

Auf Christi Himmelfahrtstag wird im Dom zu Munster ei» großeshölzernes Kreuz an einer eisernen Kette auf den Apostelgang in die Höhegezogen. An diesem Tage kommen alle Bauern der Umgegend nach derStadt, um zu zählen, wie oft das Kreuz beim Hinaufziehen knarrt; denngerade so viel Thaler kostet das ganze Jahr hindurch daS Malier Roggen.Unlängst begab es sich, daß die armen Bauern betete», so viel sie konnten,aber das Kreuz knarrte nur ein paar Mal.

3. Der Ludgerusbrunncn zu Billerbeck.

Als der h. Ludgerus sich einstmals zu Billcrbcck aufhielt und einesAbendS auf die benachbarten Berge hinausging, »m die freie Natur zugenießen, kam er auch auf den sogenannten Billerbecker-Berg. Er fandhier mitten im Wald ein kleines erbärmliches Häuschen, und als er näherkam, sah er eine Frau in der Thür stehen, welche sehr schmutzig gekleidetund im Gesichte ganz schwarz war- Er ging hinein und fragte die Fraunach dem Grunde ihrer Unreinlichkeit, worauf diese ihm antwortete:Herr,der Brunnen, den du hier siehst, ist ausgetrocknet, die ganze Gegend istwasserlecr, und ich weiß nicht, wo ich mich wasche» soll." Kaum hatte dieFrau ausgeredet, so ergriff der Heilige zwei Gänse, die eben neben ihmstanden, warf dieselben in den ausgetrockneten Brunnen und sprach:DieseThiere werden sich durch die Erde einen Ausgang suchen; gebt genau Acht,wo sie wiederum zum Vorschein kommen, und grabt an dieser Stelle eine««Brunnen, welcher Euch Wasser geben wird in Fülle, und der. so langedie Welt steht, nicht versiegen soll." Die Gänse arbeiteten sich sogleich indie Erde hinein, gruben sich durch den ganzen Berg hindurch, und kamenam andern Morgen, zum Erstaunen der Leute, in Billerbcck aus der Erdehervor. A» der Stelle aber, wo sie hervorkamen, entstand eine herrlicheQuelle, welche gegenwärtig noch reichlich fließt und der Ludgcrus-Brunnen

genannt wird. Das Bildniß des Bischofs steht in Stein darauf abgebildet,wie er. in der einen Hand seinen Bischofsstab trägt und mit der andernauf den Berg hinzeigt, woher die wunderbare Quelle entstanden ist. Aufdein Billerbecker-Berge selbst steht gleichfalls an der Stelle, wo ehemalsder vertrocknete Brunnen war, Ludgerus in Stein abgebildet, wie er imBegriff ist, die Gänse in den Brunnen zu werfen.

4. Die Statue des h. Liborius vor dem Rathhausezu Münster.

Jin Jahre 1660 hatte der Bischof Bernhard von Galen Münster be-lagert und den Bürgern manches Leid angethan, so daß sie zuletzt denFrieden annahmen und ihm die Stadt übergeben mußte». Da zog er miteinem glänzenden Gefolge von Domherren, Rittern und Soldaten in dieStadt ein. Am Thore der Citadelle übergab ihm der Magistrat dieSchlüssel und leistete einen neuen Hulvigungseid. Dann zog der Bischofim vollen bischöflichen Ornate in das Licbfrauen - Thor ein, sein General-Vikar und Offizial ihm zur Seite, und vor ihm die Schulkinder, Mönche,Vikarien, Domherren und Canonici, alle mit Chorkappen bekeidct von derFarbe ihres Stifts. Hinter ihm her zog der Adel, die Herren vom Ge-richt, die Hofleute, zuletzt der Magistrat und die Bürger. Als sie in dieserOrdnung das Rathhaus vorbeikamen, jubelte das Volk, obgleich es kurzvorher noch Spottlicder auf den Bischof gedichtet hatte; allein die ganzeSache schien Niemanden weniger zu gefallen, als dein h. Liborius, dessenBildsäule gleichfalls im bischöflichen Anzüge an der Ecke des Rathhauscssteht. Schon hatten einige Mönche gemerkt, daß derselbe den Kopf etwasschüttele. Als aber der Bischof gerade vor dem Rathhause war, schüttelteer ihn so stark, daß er ihm ab und zur Erde fiel. Hierüber erstaunte allesVolk und Niemand wagte es, dem h. Mann seine» Kopf wieder aufzu-setzen. Erst in der neueren Zeit hat man ihm einen neuen Kopf wiederaufgesetzt, mit welchem er sehr ängstlich »ach der Rothenburg hinsieht, sodaß man jeden Augenblick glaubt, er wolle wieder anfangen, ihn zuschütteln.

5. Die unterirdische Glocke.

Nicht weit von der Stadt Lüdinghausen liegt im Walde ein runderTeich. Hier stand vormals eine Kapelle, und ein heiliger Mann hattelange Jahre hindurch an ihrem Altar gedient. Als nun eines Morgensfromme Bauersleute dahin wallfahrten wollten, da «rar der Priester und