liche Zucht völlig wieder her, gründete eine große Zahl von Kirchen, Klö-stern und Kapellen, machte vielen Kirchen reiche Geschenke, stiftete vielekirchliche Gedächtnißfeste, u, a. bei Gelegenheit einer im Jahre >666 aus-gebrochenen Pest die noch jetzt bestehende» Pestmefse», und schuf überhauptOrdnung und Sicherheit in der ganzen Landesverwaltung; für Handel-Gewerbe und Schifffahrt auf der Eins hat er weniger gewirkt. In Mün-ster erbaute er die Josephs-, Ludgerus- und Marimus-Kapellean der Ostseite des Domes, dem er auch manche Kostbarkeiten schenkte,und gab den Dominikanern ihr Kloster. — Für seine Familie stifteteer fünf Kanonikate, so wie ei» drittes Hofamt, nämlich das Erbkäm-merer-Amt »eben den beiden schon bestehenden des Erbdrostcn - undErbmarschall-Amtes, und wandte ihr auch bedeutende Besitzungen im Nic-dcrstifte zu. Mit den Jesuiten blieb er zeitlebens im besten Vernehmen.Eine große Fcuersbrunst verheerte unter seiner Regierung einen Theil desKirchspiels Neberwasser. Die Erwerbung der Diöcesan-Rechte über dasEmslanv, Bevergern, Bechta und Kloppenburg vom Bisthum Osnabrückgegen eine Geldsumme ist als ein bedeutender Gewinst für das BisthumMünster anzusehen. — Er starb am Ist. Sept. >678 zu Ahaus; seine Leichewurde nach Münster gebracht und in der von ihm erbauten Josephskapclleim Dome unter dem noch jetzt dort befindlichen Monumente beigesetzt.Ihm folgte der Bischof von Paderdorn, Ferdinand von Fürstcnbergals Ferdinand II., nachdem er schon seil 1663 Coadjutor des Bisthumsgewesen war (bis 1683). Er suchte vor Allem den Frieden seines Landes,vermied ängstlich jede» Krieg, und beseitigte alle noch obschwebeudeu vonseinem Vorgänger herrührenden Differenzen in der Güte und nicht ohnebedeutende Opfer. Der Stadt Münster gab er die freie Wahl ihres Ra-thes, mit jährlicher Abwechselung desselben, zurück, und behielt sich bloßdie bischöfliche Bestätigung nebst der Ernennung des Stadtrichters vor.Seine Liebe zu den Wissenschaften und seine Kenntnisse bewährte er durchdie von ihm verfaßten 4I»nm»onm I',i<1mboinensii>. Sei» früher Todkonnte nur bedauert werden. — Nach ihm wurde der Kurfürst von KölnMarimilian Heinrich Herzog von Bayern, (bis >688) gewählt; erhat für Münster nichts Wichtiges gethan. Nach seinem Tode wählte dasKapitel den seitherigen Dvmdechanten Friedrich Christian von Plet-tenberg (bis 1766). In den damaligen unruhigen Zeiten, als in Deutsch-land wegen Ertheiluug der neunten Kurwürde an Hannover große Strei-tigkeiten auSgebrochen waren, Frankreich die frechsten Augriffe auf dasReich machte, und der spanische Erbfolgekrieg halb Europa in Krieg ver-wickelte, beobachtete dieser vortreffliche Bischof zum Beste» seines Landeseine meistenthcils friedliche, doch feste und staatskluge Haltung. Er erwarbdurch eine» Vergleich von den Grafen Bcnthcim-Tecklenburg und Limburgdie Herrschaften Gronau und Geh inen. I» der inneren Verwaltungbewies er eine kluge und gemeinnützige Staatswirthschaft; neue Landstra-ßen und Brücken, namentlich die steinernen in der Stadt Münster, zahl-reiche Kunstwerke aus der Meisterhand des trefflichen Bildhauers Gröningcr,Getreide-Magazine und Wohlthätigkeit» - Anstalten sind Denkmale seinerachtungswertheu Regierung. — Nach ihm wurde der Bischof von Pader-dorn , Franz Arnold von Metternich-Gracht gewählt (bis 1718).Unten ihm wurde die Grafschaft Steinfurt als reichsunmittelbares Landanerkanutz in der inneren Verwaltung war er seinem vortrefflichen Vor-gänger keineswegs gleich, wenn er auch eifrig in Ausübung seiner kirch-lichen Pflichten und auf Erhaltung des Friedenszustandcs und des gutenVernehmens mit den Nachbarstaaten bedacht war. Das Münzgcbäudeam Nord-Ende der Kreuzstraße l jetzt sogenannte Münzkaseruc) wurde vonihm errichtet. — Nach seinem Tode wurde am 21. März 1716 der Her-zog Philipp Moritz von Baicru, und »ach dessen schnell erfolgtcmTode schon am 26. März der dritte Sohn aus der zweiten Ehe des Kur-fürsten Emanuel Marimilian von Baiern, Clemens August, zum Bi-schof von Münster, und bereits am 27. auch zum Bischof von Paderbornerwählt. Später erhielt er zugleich die Bisthümer Hildesheim und Osna-brück, das ErzbiStbum Köln und das Großmeisterthum des deutschen Or-dens, und vereinigte auf diese Weise fast eine königliche Herrschaft durchden Besitz aller dieser Würden. Obgleich seine Thätigkeit hauptsächlich demErzbisthum Köln zugewandt blieb, so verdankt ihm Münster doch die An-
legung des Kanals im Jahre 1724, die Erbauung des Zuchthausesim Jahre 1732, des Barmherzigen-Klostcrs und der Kirche vomJahre 1745—53, auf der Hundesstiegc oder (für die Folge hierdurchumgetauften) Clemensstraße, und der Kirche der Dominikaner so wiedes angrenzenden neuen (jetzt noch in seinen äußeren Mauern vorhandenen)Klosters. In anderen Rücksichten aber verbreitete seine Regierung unsäg-liches Elend über die Stadt und das ganze Land. Seine Theilnahme amsiebenjährigen Kriege für Oesterreich und ei» besonderer Subsioicn-Traklatmit Frankreich zogen die französischen Heere, so wie die alliirten euglisch-hannöversche» Heere unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig zuwiederholten Male» in das Land, welches furchtbar verwüstet und verödetwurde, während die Stadt Münster, mehrmals von beiden Theilen genom-men nnd verloren, alle Schrecknisse der Belagerung auszustehen hatte,ganz vorzüglich aber durch die Beschießung der Alliirten im Herbst d. I.1753 litt, durch welche fast das ganze Kirchspiel Martini in Asche gelegtwurde. Clemens August starb am 6. Februar >76l zu Ehrenbreitstein,ohne die Beendigung des Krieges zu erlebe»; das Domkapitel kam wegenverschiedener Hindernisse erst am 17. Sept. 1762 mit einer neue» Wahlzu Stande, welche ans den Kurfürsten von Köln, Marimilian Fried-rich Grafen von Königseck-Rothensels fiel. Kurz nach dem HubertsburgerFrieden hielt dieser am 13. März 1763 seinen Einzug in Münster. Dasverödete und zertretene Land bedürfte der schleunigsten Hülfe; diese wurdeihm. als der neueFürst den jnngen Domherrn Franz von Fürsten berg-Herdringen als dirigircnden Minister an die Spitze aller Angelegen-heiten des Landes stellte, ein Mann, dessen Name» kein Münsterländer ohneein Gefühl der tiefsten und innigsten Dankbarkeit anssprechen darf. Nurmit Erstannen kann man vernehmen, wie dieser hochherzige, gelehrte, um-sichtige und geniale Mann fast ohne alle Mittel die allgemeine Kredit-losigkeit und tiefe Verschuldung, das Darniederliegen des Handels undVerkehrs beseitigte, den Ackerbau nnd die Gewerbe hob, durch Stiftungeiner Feucrsocietät zum Wiederaufbau der durch den Brand verödeten Stadt-theile und der Errichtung neuer Prachtgebände (z. B. der sog. adeligen Höfe)ermunterte; wie er die durch Münsters Lage unnütz gewordenen Festungs-werke abtragen, die Promenaden an der Stelle der Wälle, den Schloß-garten nebst der Insel an der Stelle der Citadelle anlegen, den Domplatzmit seinen schönen Bäumen bepflanzen ließ, die öde mit Schanzen undGräben bedeckte Umgebung innerhalb des Festungsrayons durch Verkaufdes Bodens für die Entstehung der zahllosen Gärten geeignet machte, dienächtliche Straßenbeleuchtung zuerst einführte, das neue Schloß im Jahre1767 erbauen nnd so eine anständigere Wohnung für die Kurfürsten errich-ten ließ, und überhaupt nützliche, den Geldumlauf befördernde Unterneh-mungen mit der Verschönerung der Stadt verband. Auf alle Uebel-ständc richtete sich sein edles, für Beförderung des Menschenwohles nnddes wahren Fortschrittes glühendes Gemüth. Eine Verbesserung derLage der cigenhörigen Landlcute, Theilung und Urbarmachung derHaiven und eine Verbesserung der Landstraßen gelang nur theilweise. Fürdie Bildung eines tüchtigen KricgerstandeS suchte er durch eine neueMilitärschnle znr Bildung von wissenschaftlich unterrichteten Offizieren lfürwelchen Zweck er das sog. Garde-Hötel gleichzeitig mit dem Schlosse er-bauen ließ) und durch die Einführung einer allgemeinen Landesvertheidi-gung oder Landwehr zu wirke»; wie unberechenbar aber seine Verdiensteum Hebung des unter den Jesuiten allmählig in Verfall gerathenen Schul-wesens, wozu die im Jahre 1773 erfolgende Aufhebung dieses Ordensdie Hand bot, überhaupt um ächte Volksaufklärung sind, darüber hat sichdie öffentliche Stimme vom ganzen Deutschland mit Bewunderung ausge-sprochen. — Wie Rudolf von Lange gegen Ende des 15. Jahrh., so wirkteFürstenberg in der letzten Hälfte des 18. Jahrh, nach allen Richtungen aufächte Volksbildung mit unverdrossenem Eifer ein, und schuf ein neues geistigesLeben in Münster, welches hauptsächlich in dem durch ihn verbesserten Schul-wesen seine Quelle hatte. — Eben so segenreich, wie für die Stadt Münster,war seine Wirksamkeit auch für das ganze Bisthum; doch bereiteten die Vor-liebe für das Alte und der leidige Neid, der jeden großen Mann verfolgt, auchihm viele bittere Stunden; und theils durch diese kleinlichen Entgegenwir-kungen, theils durch die Intriguen des österr. Hofes wurde durch die im