die Schulen in Munster bekommen, so sehr auch ihr Wirken das Strebennach besserem Jugendunterricht anregte. — Eine neue Epoche für diemiinsterschen Schulen, vorzüglich für die Domschule, begann im 15. Jahrh,mit dem Wiederaufleben des Studiums der klassischen Literatur, welche vonItalien sich bald über Deutschland und die Niederlande verbreitete, »nd inMünster einen eifrigen und thätigen Gönner in der Person des edlenDomherrn Rudolf von Lange fand. I» Verbindung stehend mit denersten Humanisten der damaligen Zeit, geachtet und berühmt in Italienwie in Deutschland, bewirkte er um das Jahr 1500 nicht ohne heftigenWiderspruch und ernsthafte Kämpfe die Verdrängung der alten, ganz un-brauchbar gewordenen Schulbücher, die Berufung neuer Lehrer, die Ein-führung der alten Klassiker, und überhaupt eine durchgreifende und zeit-gemäße Verbesserung der Domschule, welche hierauf den Namen „Gymna-sium" zu erhalten ansing. Auf alle übrigen Schulen des Landes wirktediese Verbesserung vortheilhaft ein; von allen deutschen Ländern stand dasMünsterland damals im Rufe des besten Schulunterrichts. Auch nach Lange'sTode erhielt sich dieser gute Ruf, und ausgezeichnete Gelehrte gingen ausden miinsterschen Schulen hervor, u, a, der Geschichtschreiber der Wieder-täufer, Hermann von Kerssenbroik — Die Nebergabe des Gymna-siums au die Jesuiten erfolgte, nicht ohne langes Widerstreben des Dom-kapitels, gegen das Ende des lg. Jahrh.; im Anfange des 17. Jahrh,erbauten fene das jetzt noch stehende (als Lokale für die Akademie, dieBibliothek und als Lehrerwohnung dienende) Kloster nebst der Kirche; dasfrühere Lokal der Domschule wurde verlassen.
In die letzten Negierungsjahre Bischof Ernst'S fiel der Jttlichsche Erb-folgcstreit, und die Unruhen, welche den furchtbaren dreißigjährigen Kriegveranlaßten; diesen erlebte er nicht. Die Regierung seines Nachfolgersund Neffen Herzogs Ferdinand von Baier» (1612—1650), der eben-falls eine Menge kirchlicher Würden und Aemter, auch die eines Erzbischofsund Kurfürsten von Köln, in seiner Person vereinigte, wurde dadurch nichtwenig getrübt. Die Raubmärsche Ernst's von Mansfeld und Christian'svon Braunschweig, die Durchzöge Tilly's und anderer Schaaren des ligui-stischen toder kaiserlichen; als Freund des streng katholischen Bischofs er-scheinenden Heeres, der angeblich schützende Aufenthalt einiger Abtheilun-gen desselben, die Einfälle der Dänen, Holländer, Hessen und Schweden,welche als Feinde auftraten, Schandthaten jeder Art, die sowohl Freundeals Feinde verübten, Verheerung und Brand, unerschwingliche Contribu-tionen, Einguartirungs-Gelder und Kriegssteuern, zertraten förmlich dasBisthum, vorzüglich das flache Land. Mit Jubel wurde deßwegen der ani24. Oktober 1648 zu Münster und Osnabrück gleichzeitig von den versam-melten Gesandten der katholischen ur.d evangelischen Fürsten geschlossenewestfälische Friede begrüßt, und mit den prachtvollsten Festen begleitet. —Bischof Ferdinand's Bemühe» war, abgesehen von den furchtbaren Kriegs-nöthen, hauptsächlich auf die Erhebung der katholischen Religion zur alleinherrschenden im Bisthum, und völlige Vertilgung der letzten Anhänger desevangelischen Bekenntnisses, unter denen auch Reformirte und Mennonitcnwaren, gerichtet; deßwegen begünstigte er auch die Gründung eines neuenJesuitenkolleginms zu Coesfeld, so wie die Vergrößerung der aufgenom-menen und die Einführung neuer Orden. Die Kapuziner kamen imJahre 1612, die Franziskaner der strengeren Observanz oder die sogenann-ten Observanten im Jahre 1613, die Klarissen in demselben Jahrenach Münster, und gründeten bald nachher nebe» der Aegidii-Straße, derBergstraße und der Klemensstraße ein Kloster nebst Kirche; die Domi-kaner fanden erst im Jahre 1642 Eingang, konnten aber wegen Wider-spruchs des Stadtrathes, der die zu große Anhäufung geistlicher Institutewegen ihrer Freiheit von den bürgerlichen Lasten ungern sah, erst eine ge-raume Zeit nachher ihr Kloster so wie die jetzt noch prangende (in dasGarnisons-Zeughaus verwandelte) Kirche errichten, und mußten sich vor-läufig mit einer Privatwohnung begnügen. Gegen den Konkubinat, un-sittliches Betragen und Amtsvernachlässigungen der Geistlichkeit mußte aucher viele Verordnungen erlassen. Der Stadt Münster verlieh er das Recht,neben dem Domkapitel eigene Münze zu schlagen; sein Plan, eine Uni-versität zu gründen, kam nicht zur Anführung, obgleich die kaiserlichenund päpstlichen Privilegien schon erlangt waren. — Nach Ferdinand's
Tode trat eine Sedisvacanz ein, da das Domkapitel seinen Neffen Maxi-milian Heinrich', der als schon früher gewählter Coadjutor im ErzstifteKöln suceedirte, nicht in Münster wählen, sondern eine Trennung beiderBisthümer wollte. Man entschied sich bald für eine Wahl aus der Mittedes Kapitels, und trotz der Gegenwirkung des Domdechanten Bernhardvon Mallingkrot wurde an, l4. Nov. d. I. 1650 der Thesaurarius Chri-stoph Bernhard von Galen fbis 1678) gewählt. Auf ihn hatte be-sonders der Rektor der Jesuiten, Hermann Busenbaum, die Aufmerksam-keit des Kapitels gelenkt, da Christoph Bernhard wie sein Vorgänger alseifrige Freunde dieses Ordens bekannt waren. Am 17. Sept. 1651 erhielter die Bischofsweihe, die keiner seiner drei Vorgänger empfangen hatte,legte aber erst am 24. Sept. 1652 unter den gewöhnlichen Einzugs- undHulvigungsfeierlichkeiten den bischöflichen Eid ab. Dieser merkwürdigstealler miinsterschen Bischöfe, ein Mann von Hellem Verstände, festem Cha-rakter, tiefer Religiosität und strenger Sittlichkeit hat für die Befestigungder inneren Ordnung des Landes, für die Ehre und den Wohlstand dessel-ben, für die Heilung der noch frisch blutenden Wunden aus dem dreißig-jährigen Kriege in kurzer Zeitfrist Unglaubliches geleistet. Leider ließ ersich im Kampfe mit Widersetzlichkeit und feindseligem Partheigeiste zurHärte uns zu despotischem Verfahren, sowie durch den glücklichen Erfolgseiner Unternehmungen und namentlich seiner Kriege mit dem Ausland,zu einer abentheuerlichen Thaten- und Kriegslast hinreißen, die den kleinenmiinsterschen Staat mit unverhältnißmäßigen Opfern in die Reibe dergroßen Mächte stellen sollte. Wenn das Erstaunen des ganzen Europa'sden Man» begleitete, der nach seinem 5t). Jahre aus einem stillen Dom-herrn ei» großer Krieger wurde, und im Felde wie im Kabinette Ausge-zeichnetes leistete, so warfen doch die erwähnte» Schwächen einigen Makelauf seinen Ruhm. Nach Befreiung des Landes von den noch zurückgeblie-benen fremden Besatzungen gerieth er in Streit mit den Bürgern der StadtMünster, die freilich in ihren Ansprüchen zu weit gingen; mit zunehmenderErbitterung wurden beiderseits Allianzen mit Nachbarstaaten, u. a. vonder Stadt sogar mit Holland geschloffen; wieder verheerten fremde Krieges-völker das Land, »nd nach zweimaliger Einschließung und einmaliger förm-licher Belagerung mußte sich die Stadt nach der tapfersten Gegenwehr imMärz d. I. 1661 dem Fürstbischof ergeben. Sie mußte den bischöflichenTruppen die Festungswerke und das Besatzungsrecht einräumen, alle Ver-bindungen mit fremden Staaten auflösen, auf die freie Wahl so wie aufdie regelmäßige Abwechselung der Nathsherr» verzichten, die Einsetzungdes Rathes so wie des Stadtrichters für immer dem Bischof überlassen,die Gilven auflösen und die Gildehänser zu Zeughäusern hergeben, einebischöfliche Wache in das Rathhans aufnehmen, die Erbauung einer mitbischöflichen Soldaten zu besetzenden Citadelle zugeben, einen Theil ihrerEinkünfte abtreten und sofort 45,060 Speciesthaler zahlen. Unter diesenBedingungen ertheilte der Bischof die Amnestie; die Citadelle wurde unterdem Namen „Paulsburg" vor dem Liebfrauenthore (an der Stelle desheutigen Schioßgartens »nd des anliegenden Terrains) binnen wenigenMonaten errichtet, zum Umfange der Stadt gezogen, und das Liebfraucn-thor an das Ende der nördlichen Nebenschanze (heutigen Schloß-Gemüse-gartens) vom Ende der Frauen-Straße verlegt; am 10. Juli hielt er seinentriumphirende» Einzug; die Bürgerfreiheit blieb seit diesem Tagenur noch als ein Schattenbild bestehen; noch viele Jahre hindurchlebten Spottlicder auf den Bischof im Munde der erbitterten Bürger. DerAdel und die Geistlichkeit wurde» bei dieser Gelegenheit sehr gehoben; dasAnsehen der Fürsten war überhaupt durch die seit dem westfälischen Friedengewonnene Landeshoheit sehr gestiegen; der Absolutismus der Fürsten tratauf, und fast überall gingen die Bürgerfreiheiten zu Grabe. — Seine jetztfolgenden großen Kriegs Unternehmungen, die hauptsächlich gegenHolland wegen alter Ansprüche auf die Herrschast Borkelo und wegen man-cher erlittenen Beleidigungen, zeitweise im Bunde mit Frankreich, gerichtetwaren, brachten am Ende weder den Besitz dieser Herrschaft, noch anderenennenswerthe Vortheile. Für die innere Ordnung des Bisthums waraber sein Wirken sehr vortheilhaft, namentlich für das Kirchenwesen. Erunterdrückte die allerletzten Neste des evangelischen Bekenntnisses, und mitihnen manche Veranlassung zur Zwietracht, stellte die kirchliche und klvster-